Pater Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Mein Joch ist sanft

Veröffentlicht am 04.07.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Ingolstadt ‐ Wo finde ich Ruhe für meine Seele? Pater Christoph Kreitmeir sucht im Sonntagsevangelium nach Hinweisen – die auf eher unbeliebte Wege schließen.

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Manche Bibelstellen bringen mich beim Lesen oder Hören sofort in Resonanz, ins Mitschwingen. Die heutige Bibelsequenz mit der Überschrift "Die Lobpreisung Jesu" ist so ein Auslöser. Da lobt und preist ein glücklicher, ein seliger Jesus seinen Vater im Himmel, weil sein Weg zum wahren Glück führt. Jesu Weg, seine Botschaft und sein Vorleben dieser kommt ohne Macht, ohne Tricks, ohne Deals, ohne Gewalt und ohne Verachtung aus. Er geht den leisen, den "kleinen Weg", wie es eine seiner Nachfolgerinnen, die heilige Therese von Lisieux, nannte. Jesus missbraucht Religion und Frömmigkeit nicht, er lebt sie. 

Im Laufe der Jahrhunderte haben viele Menschen diesen Weg verstanden und sind ihn mit allen Konsequenzen gegangen. Sie waren wie ein Sauerteig, der das oft egoistische menschliche Streben durchwirkte und Licht in so manche Dunkelheit brachte. Der sonst eher ruhige und sanfte Papst Leo XIV. kritisierte im Frühjahr 2026 deutlich den Missbrauch der christlichen Religion für politische Machtzwecke und persönliche Selbstinzenierung durch den US-Präsidenten Donald Trump. Dies hatte einen positiven Nachhall nicht nur in christlichen Gesellschaften und zollte diesem Papst echten Respekt. 

Jesus musste oft die Erfahrung machen, dass die Menschen ihn aber nicht verstanden oder bewusst missverstanden. So eine Erfahrung ist bitter und kann entmutigen. Jesus lies sich aber nicht entmutigen, seine Kraft kam aus seinem Kontakt mit dem Vater. Er lebte eine innere Einheit mit IHM. Und deshalb wandte er immer wieder seinen Blick auf das Gelungene, nicht auf das Scheitern. Er freute sich über die, welche ihn verstanden. Das machte ihn wirklich glücklich. 

Die sogenannten Unmündigen sind die wirklich Weisen, denn sie verstehen Jesus und seine Botschaft von innen her und setzen sie in ihrem Leben um. Sie nehmen das Joch der Demut und der Güte, wie Jesus es vorgelebt hatte, auf sich und erleben etwas Besonderes und überaus Wertvolles: Sie finden Ruhe für ihre Seele. Und das trotz Last, Unverständnis und Härte. Jesus sagt nicht, dass die Last weg ist, er sagt aber, dass die Last leicht wird, wenn man Kontakt zu ihm und zum himmlischen Vater hält.

Wie finde ich Ruhe für meine Seele? Da gibt es unendlich viele Tipps philosophischer, psychologischer oder esoterischer Art. Für Christen ist das Rezept für Glück-Seligkeit klar und deutlich. Die heutige Bibelstelle drückt das aus: Lernt von mir! Lernt meine Güte in einer Welt von Hartherzigkeit. Lernt meine Demut in einer Welt von Hochmut, Arroganz, Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit. Lernt meine Klarheit und traut euch, den Mund aufzumachen. Lernt von mir, bleibt bei mir, mit mir, in mir! Dann, ja dann findet euere Seele wirkliche Ruhe und tiefes Glück, einen Seelenzustand, der anhält und nicht wie eine Seifenblase schnell zerplatzt.

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 11, 25–30)

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Der Autor

Der Franziskanerpater Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt, in der Erwachsenenbildung und bei Lebenshilfesendungen im Radio Horeb.

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