Ordnung und Frieden – Ein Jahr Papst Leo XIV.
"Der Friede sei mit euch allen!" – so trat der neugewählte Papst Leo XIV. um 19.32 Uhr am 8. Mai 2025 auf die Mittellogia des Petersdoms. Der Kontrast zum ersten Auftritt seines Vorgängers Franziskus konnte kaum größer sein: Der hatte sich bewusst einfach gegeben. "Brüder und Schwestern, guten Abend", hieß es von ihm 2013. Franziskus trat in einfachem Weiß vor die Gläubigen, Leo XIV. trug dagegen wieder die traditionelle rote Mozetta über den Schultern.
"Der Karneval ist vorbei", soll Franziskus gesagt haben, als ihm dieses Gewand nach seiner Wahl angetragen wurde. (Laut Georg Gänswein eine Legende.) Ist der Karneval mit Leo XIV. also in die Kirche zurückgekehrt? Das kann man nicht sagen. Im Gegenteil. Nach einem Pontifikat, in dem Franziskus den Jugendlichen beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro die Parole "Macht Wirbel!" mitgegeben hat und sich dieses Motto selbst zu eigen gemacht hat, kam mit Leo XIV. ein Papst, der ein Papst der Ruhe, der Ordnung und der unaufgeregten Töne ist.
Papst Leo XIV. steht am Abend des 8. Mai 2025 auf dem Balkon der Loggia des Petersdoms im Vatikan und hält seine erste Ansprache.
Beobachter und Weggefährten berichten durchweg, was für ein guter Zuhörer Leo XIV. ist und schon als Ordensmann, als Bischof von Chiclayo in Peru und in seiner kurzen Amtszeit als Präfekt des vatikanischen Bischofsdikasteriums war. Dass die Kardinäle Robert Francis Prevost zum Nachfolger von Franziskus wählten, war vorab alles andere als sicher. Auf den Listen der favorisierten "papabili" erschien er zwar, aber hauptsächlich als Tipp für Feinschmecker und Kenner. Größere Chancen hat man etwa Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eingeräumt. Er hätte für einen stärker institutionellen Ansatz des Papsttums gestanden. Aussichtsreich war auch Kardinal Luis Antonio Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung. Er teilt inhaltlich viel mit Franziskus, gilt als charismatisch und wäre erstmals ein Papst aus Asien gewesen. Konservative hofften auf den Budapester Kardinal Péter Erdő, aktuell der wohl bedeutendste Kirchenrechtler im Kardinalskollegium.
Vom Geheimtipp zum offensichtlichen Favoriten
Für Prevost sprach wenig: Zu neu an der Kurie. Erst im Januar 2023 wurde er von Papst Franziskus als Bischofspräfekt aus Peru nach Rom geholt. Zu neu im Kardinalskollegium. Im September 2023 wurde er zum Kardinal erhoben – keine anderthalb Jahre vor dem Konklave, das ihn wählen sollte. Vor allem aber: Ein US-Amerikaner kann kein Papst werden. Die Buchmacher hatten Prevost nur unter ferner liefen.
Im Nachhinein war die Wahl dagegen völlig offensichtlich: Prevost hat Erfahrungen auf mehreren Kontinenten, hat als Ordensoberer der Augustiner die ganze Welt bereist, als Bischof wirkte er in Peru, spricht viele Sprachen (sogar das indigene Ketschua soll darunter sein). Zusätzlich zu seiner US-amerikanischen (und der durch den Kurienposten dazugekommenen vatikanischen) hat er auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Weggefährten in Peru beschreiben ihn als zugewandten Seelsorger, der anpackt. Seine einst als Opus-Dei-Hochburg geltende Diözese hat er in ruhige Fahrwasser geführt. Die Mitbrüder seines Ordens, dem er zwei Amtszeiten vorstand, beschreiben ihn als zuhörenden und klugen Oberen. Prevost ist promovierter Kirchenrechtler, mit Recht und Ordnung also vertraut. Als Bischofspräfekt hatte er intime Kenntnisse vieler Ortskirchen und ihrer Probleme, als relativer Kurienneuling brachte er zugleich aber noch einen Außenblick und kein über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk an Verpflichtungen mit.
Was für eine naheliegende Wahl Prevost war, zeigt auch das Konklave: Schon am zweiten Tag wurde er im vierten Wahlgang gewählt. Nach dem turbulenten und teilweise spaltenden Pontifikat von Franziskus, der mit Schwerpunktsetzungen wie der Familiensynode, dem weltweiten synodalen Prozess und zuletzt dem Aufruhr vor allem in afrikanischen Ortskirchen durch die Segens-Erklärung "Fiducia supplicans" viel Wirbel gemacht hat, hatten Beobachter durchaus damit gerechnet, dass der Richtungsstreit in einem sich lange hinziehenden Konklave entscheiden würde.
Nach dem Wirbel braucht es Ordnung
Tatsächlich kann man die Wahl Leos vor allem vor dem Hintergrund des turbulenten Pontifikats zuvor verstehen – und genauso seine Amtsführung im ersten Jahr. Die Rolle und historische Aufgabe von Franziskus war es, Wirbel zu stiften. Sein Pontifikat hat er mit dem Mandat aufgenommen, als Mann von außen die Kurie zu reformieren; dass der vor seiner Wahl eher als gemäßigt konservativ geltende Kardinal gleich die ganze Kirche aufwirbeln wollte, hatte wohl kaum einer seiner Wähler auf dem Zettel. Die Rolle und Aufgabe von Leo sind dagegen, die Kirche wieder in ruhige Fahrwasser zu bringen: Prozesse und Reformen von Franziskus nicht abzuwickeln, aber zu ordnen.
Zu den päpstlichen Gemächern im Apostolischen Palast gehört auch eine Privatkapelle.
Ordnung ist ein inoffizielles Motto dieses Pontifikats. Offiziell ist das Motto, das Leo auf seinem Wappen führt, "In illo uno unum", "In dem Einen sind wir eins", ein Zitat aus einer Predigt des heiligen Augustinus. Christus als Maß und Mitte der Einheit.
Konkret hat Leo XIV. Ordnung geschaffen durch verschiedene Reformprojekte. Keins davon ist so groß und umfassend wie die Reform der Kurie unter Franziskus; dafür ist das Pontifikat bisher ohnehin noch zu kurz. Dennoch werden Grundlinien sichtbar. Manches aus der Zeit von Franziskus wird tatsächlich rückabgewickelt. Franziskus neigte zu symbolischer Gesetzgebung, oft aus der Feder eines engen Kreises seines Küchenkabinetts ohne Beteiligung der zuständigen Dikasterien.
Mehr Wertschätzung für Strukturen der Kurie
Unter Leo scheint die Zeit der spontanen Gesetzesänderungen am Apparat vorbei Geschichte zu sein; das Staatssekretariat unter Kardinal Pietro Parolin hat wieder eine deutlich zentralere Rolle, die unter Franziskus sehr präsenten Präfekten für Glauben, Kardinal Víctor Manuel Fernández, und für Liturgie, Kardinal Arthur Roche, die beide oft franziskanischer Wirbel machten als Franziskus selbst, scheinen zurück ins Glied getreten zu sein – von beiden hört man jetzt wenig.
Exemplarisch für unterschiedliche Ansätze ist die Umstrukturierung, die Franziskus seinem Bistum Rom auferlegt hatte: Der Seelsorgebereich des Stadtzentrums wurde aufgehoben, stattdessen wurde es den vier Außenbezirken zugeschlagen – ein geographisch-pastorales Symbol dafür, wie kritisch Franziskus Zentren zugunsten der Peripherien gegenüberstand. Leo hat diese Reform in einem knappen Schreiben wieder aufgehoben, unter Verweis auf praktische Gründe der Organisation. Ähnlich hat er Regeln von Franziskus zu Finanzinvestitionen des Heiligen Stuhls aufgehoben und den vatikanischen Weltkindertag abgeschafft.
Andere Weichenstellungen aus dem vorigen Pontifikat hat Leo dagegen regularisiert und normalisiert. Papst Franziskus hatte 2022 erstmals drei Frauen als Mitglieder des Bischofsdikasteriums berufen; ein Schritt, der früher undenkbar gewesen wäre. Als bei der Neubesetzung Anfang 2026 die Ordensfrau Yvonne Reungoat die Altersgrenze von 80 Jahren erreicht hatte, berief Leo die Ordenspräfektin Simona Brambilla als Mitglied des Dikasteriums und festigte damit die Beteiligung von Frauen. Brambilla, von Franziskus zur ersten Präfektin überhaupt ernannt, behielt wie die anderen Leiter der Kurienbehörden ihren Posten, ebenso wie die Ordensfrau Raffaella Petrini, die von Franziskus in einer seiner letzten Personalentscheidungen zur Präsidentin der päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt und damit erste "Regierungschefin" des Vatikanstaats berufen hatte.
Schwester Raffaella Petrini ist als Regierungschefin des Vatikanstaates einer der wichtigsten Menschen im Vatikan.
An der Personalie Petrini wird der Unterschied im Vorgehen zwischen Franziskus und Leo deutlich: Franziskus hatte, wie es seiner umfassenden päpstlichen Vollmacht entspricht, die Ordensfrau einfach zur Regierungschefin ernannt, obwohl im Grundgesetz des Vatikanstaats steht, dass der Posten mit einem Kardinal zu besetzen ist. Angekündigt hatte er das in einem Fernsehinterview, lange bevor die Personalie offiziell verkündet wurde. Leo hat nichts daran geändert, dass Frauen Leitung im Vatikan wahrnehmen können. Er hat aber das Vatikan-Grundgesetz geändert – und das minimalinvasiv: Stand in der alten Fassung, dass die Päpstliche Kommission aus "Kardinälen, von denen einer Präsident ist, und anderen Mitgliedern" besteht, hat Leo in der neuen Fassung einfach nur den Relativsatz nach rechts verschoben, so dass sich "von denen einer Präsident ist" auf die Kardinäle und die anderen Mitglieder bezieht. So elegant und unaufgeregt kann eine kleine Maßnahme der Gesetzgebung Großes verändern.
Symbolische Ordnung wiederherstellen
Franziskus war ein Papst der großen Gesten, der starken Worte und der spontanten Rede - oft um den Preis, andere vor den Kopf zu stoßen. Leo steuert auch hier gegen. Zum einen durch sein zurückhaltenderes Auftreten. Zum anderen aber durch sehr bewusst gesetzte Zeichen, um die von Franziskus durcheinandergewirbelte symbolische Ordnung wieder herzustellen. Das begann gleich am ersten Tag mit dem förmlich-geistlichen Beginn der Ansprache und den klassischen Gewändern – rote Schuhe trägt Leo aber weiterhin nicht, und dass das Pendel so weit zurückschlägt, dass die teils kuriosen Gewandungen aus der Ära Benedikts XVI. wie der pelzbesetzte Camauro aus dem Fundus geholt werden, ist nicht zu erwarten.
Leo wohnt wieder im Apostolischen Palast, nachdem Franziskus demonstrative Bescheidenheit gezeigt hatte mit seiner Wohnung im Gästehaus Sancta Marta – ein teures Symbol, das den Abläufen im Gästehaus nicht zuträglich war. Leo zieht aber nicht triumphierend in repräsentative Gemächer ein, seine neue Wohnung in der Mansarde ist bescheidener und funktionaler als die früherer Päpste, die nicht nur dem Namen nach im Palast wohnten.
Die berüchtigten Weihnachtsansprachen von Franziskus, die er immer wieder nutzte, um die Kurie verbal abzustrafen, scheinen ebenfalls Geschichte zu sein: In einer seiner ersten Ansprachen an die Kurie wiederholte er die alte römische Weisheit, dass Päpste kommen und gehen, die Kurie aber bleibt. Seine erste Weihnachtsansprache nutzte er für einen Appell an die Einheit und frage: "Können wir in der Römischen Kurie Freunde sein?"
Manches, was von außen wie ein Rückschritt wirken mag, versteht man am besten mit Blick auf Akzentverschiebungen und diejenigen, die unter Franziskus nicht im Blick waren. Dass Leo am Gründonnerstag wieder allein Priestern und nicht wie Franziskus Gefangenen, Frauen, Muslimen die Füße wusch, und zwar in der Lateranbasilika und nicht im Gefängnis, ist weniger Klerikalismus als ein Zeichen, dass auch die Priester von ihm gesehen werden – die Priester, die Franziskus immer wieder sehr pauschal unter den Verdacht des Klerikalismus, der Eitelkeit und der Abgewandtheit vom Volk stellte.
Friede im Zentrum
Schon die ersten Worte Leos auf der Loggia setzten den inhaltlichen und wenn man so will politischen Schwerpunkt des Pontifikats: Frieden. Frieden braucht es in einer Kirche, in der im Pontifikat von Franziskus viele Fliehkräfte herrschten. Frieden braucht es auch in der Welt, wo der Papst die eine verbliebene Stimme auf dem internationalen Parkett zu sein scheint, die für Ordnung, Verlässlichkeit und Völkerrecht steht.
Papst Leo XIV. hält eine Rede während eines Besuchs auf dem Friedensschulschiff "Med 25 Bel Espoir", das am 17. Oktober 2025 im Hafen von Ostia bei Rom vor Anker liegt.
Innerkirchlich ist zu erwarten, dass die Konflikte um die Form der Liturgie entschärft werden. Franziskus hatte mit seiner deutlichen Einschränkung der Feier der vorkonziliaren Liturgie wohl mehr gespalten als die erhoffte Einheit zu stiften. Leo dagegen lässt dagegen – bisher ohne offizielle Ansage von ganz oben – die Zügel eher lockerer und sucht nach einem Mittelweg. Sein Nuntius in London hatte im November angedeutet, dass Konzessionen für die vorkonziliare Liturgie nun viel großzügiger eingeräumt würden als unter Franziskus, wo das Liturgiedikasterium unter Kardinal Roche bis hinein in die Pfarreien regiert hatte, denen er es untersagte, vorkonziliare Liturgien im Pfarrblatt anzukündigen.
Trotz der großen Aufregung in Deutschland über die Äußerungen von Papst Leo zu den Segensfeiern in Deutschland zeigt sich auch dort das Bemühen um Ausgleich. In der Sache hat er nichts daran geändert, dass Rom nichts vom deutschen Ansatz hält, gleichgeschlechtliche Paare in einer Grauzone zwischen förmlichem Ritual und vagen Handreichungen zu segnen. Der deutsche Ansatz wurde aber nicht in Bausch und Bogen verdammt; es gebe wichtigere Themen, der sich die Kirche widmen müsse, und jetzt sei nicht die Zeit für so etwas – damit bleibt die Tür für Lehrentwicklungen zur Frage der Bewertung queerer Lebensformen offen, die mit den gefeierten Äußerungen von Franziskus und der maximal zurückhaltenden Möglichkeit der Segnung nach "Fiducia supplicans" in kleinsten Schritten vorbereitet wurden.
Nach außen war der Friedensdienst des Papstes vor allem durch die erratische Kriegspolitik von US-Präsident Donald Trump geprägt. Trump und Leo sind Antipoden: Hier der chauvinistische Populist, der sich weder ums Völkerrecht schert noch davor scheut, die Drohung mit Genozid zum Mittel der Politik zu machen, da der bedachte geistliche Staatsmann, der Frieden und Völkerrecht anmahnt und an dem jede Beleidigung Trumps nicht nur abperlt. Vielmehr machen die absurden Angriffe aus der US-Regierung – von der Eigendarstellung Trumps als Papst oder gar Jesus bis zu den nassforschen Anwürfen des Vizepräsidenten, der Papst möge sich etwas vorsichtiger zu theologischen Fragen äußern – den Papst nur stärker und akzeptierter in weiten Kreisen, die entweder Trump und seiner Bewegung nahestehen ebenso wie in säkularen Kreisen, die sonst wenig mit dem Papst anfangen können.
Antipode Trumps
Trotz seiner Bedeutung für die Weltpolitik ist ein Papst kein Weltpolitiker. Und obwohl er um Größenordnungen staatsmännischer Auftritt als seine Antipoden, ist Leo kein Staatsmann. Die politische Bedeutung eines US-Amerikaners als Papst zu einer Zeit, da die USA in den Autoritarismus abgleitet und auf vielen Gebieten sich schon aus der westlichen Wertegemeinschaft verabschiedet hat, ist nicht zu unterschätzen. US-Vize Vance mag es zwar triumphierend aufgenommen haben, dass Leo klarstellte, dass seine Friedensappelle während der Afrikareise nicht den USA galten. Gerade im Universalismus der Friedensbotschaft des Papstes liegt ihre Stärke. Der Papst ist keine Partei – und das eröffnet ihm das Potential, Prozesse echten politischen Wandels zu bewirken: Wird der Prevost-Papst womöglich für die USA, was der Wojtyła-Papst für Polen wurde?
Bisher haben sich Trump und Leo noch nicht persönlich getroffen.
Das alles sind Themen, die von außen an Leo herangetragen wurden. Wie Leo selbst Akzente setzen will, zeigt sich dagegen schon bald: Am 15. Mai wird die erste Enzyklika Leos erwartet – ein Anlass, bei dem Leo selbst die Agenda klar in der Hand hat und den Diskurs eröffnet, anders als so oft, wenn auch der Papst nur auf Ereignisse reagieren kann. Wohin Leo XIV. inhaltlich mit seinem Pontifikat will, hat er von Anfang an klar gemacht. Sein Papstname verweist auf den vorigen Leo-Papst. Leo XIII. hat im 19. Jahrhundert die päpstliche Sozialverkündigung begründet. Seine Enzyklika "Rerum novarum" (1891) widmete sich der sozialen Frage seiner Zeit. Als soziale Frage unserer Zeit hat Leo die Auswirkungen der "Künstlichen Intelligenz" (KI) ausgemacht, ein Thema, das bereits die letzten Jahre des Pontifikats von Franziskus geprägt hat. In Kontinuität zu seinem Vorgänger betont Leo die Würde der menschlichen Person gegen die Technik und stellt das disruptive Potential der neuen Technologien fest. Wie genau Leo die päpstliche Sozialverkündung damit bereichern wird, wird die Enzyklika zeigen, die am Jahrestag von "Rerum novarum" erscheinen soll und unter dem Titel "Magnifica humanitas" Themen der KI, des Friedens und der Krise des Völkerrechts behandeln soll.
Ordnung schaffen und Frieden stiften sind damit die großen Linien des Pontifikats Leos XIV., wie sie sich im ersten Jahr gezeigt haben – in Kontinuität und in Differenz zu seinem Vorgänger. Auf beiden Gebieten bleibt viel Arbeit. Weiterhin ist ein Ende der erratischen Politik der USA nicht absehbar. Weiter wird es hier Leos Stimme auf der Weltbühne brauchen, klar und ohne in die Falle zu gehen, nur noch als Partei von welcher Seite auch immer vereinnahmt zu werden. Innerkirchlich braucht es den Dienst der Ordnung und der Einheit, wenn die Piusbruderschaft an ihrem schismatischen Kurs festhält und im Juli neue Bischöfe weiht. Hier sind Klarheit und Gerechtigkeit gefragt. Und für die Kirche hierzulande stellt sich die Frage, wie unterschiedliche Vorstellungen von Synodalität und der Geschwindigkeit von Reformen zwischen Rom und Deutschland produktiv übereinkommen können – neben der Frage der Segnungen, in der zuletzt der Vatikan noch deutlicher auf die Bremse getreten ist als ohnehin schon, steht die Genehmigung der Satzung der Synodalkonferenz als neuem synodalen Gremium auf Bundesebene immer noch aus. Viel zu tun also für Papst Leo XIV. – und zwar nicht nur das aufzuräumen, was Franziskus durcheinandergewirbelt hat.
