Missbrauchsbetroffene wollen Bischof Overbeck im Vatikan anzeigen
Missbrauchsbetroffene wollen den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck im Vatikan anzeigen und fordern dessen Amtsenthebung. Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz teilte am Freitagnachmittag mit, er wolle die Anzeige über den für das Bistum Essen zuständigen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an die Vatikan-Behörde für die Bischöfe weiterleiten.
Overbeck habe zugegeben, "in Bezug auf die Missbrauchsvorwürfe gegen seinen Vorgänger, Kardinal Franz Hengsbach, seine Amtspflichten in schwerwiegender Weise verletzt zu haben", so das Gremium weiter. Am Donnerstag hatten Wissenschaftler erste Ergebnisse einer Studie vorgestellt, wonach Hengsbach (1910–1991) sexualisierte Gewalt gegen mindestens drei minderjährige Mädchen ausgeübt haben soll.
Bischof räumt schwere Fehler ein
Overbeck bat dabei erneut um Entschuldigung für seine schweren Fehler im Umgang mit einem der Vorwürfe. Er habe die Bedeutung des Vorgangs damals unterschätzt und sich nicht vorstellen können, dass Hengsbach zu solchen Taten fähig gewesen sei. Dabei sei er einem Muster gefolgt, nämlich einen kirchlichen Amtsträger zu schützen: "Genau dieses Muster dürfen wir nicht wiederholen."
Der Betroffenenbeirat erklärte dazu, der Zwischenbericht zu Hengsbach mache deutlich, "dass nicht individuelles Fehlverhalten oder einzelne Fehlentscheidungen im Mittelpunkt stehen, sondern kirchliche Machtstrukturen, institutioneller Selbstschutz und mangelnde Verantwortungsübernahme. Diese haben Aufarbeitung verhindert, Betroffene im Stich gelassen und den Schutz der Institution über den Schutz der Menschen gestellt."
Betroffenenbeirat: Handeln des Bischofs "nicht akzeptabel"
Overbecks Handeln bei der Aufarbeitung des Missbrauchs sei "nicht akzeptabel", fügte das Gremium hinzu: "Wer trotz der Erkenntnisse der vergangenen Jahre Aufarbeitung behindert oder verzögert und bestehende Verfahren nicht konsequent anwendet, verletzt seine Verantwortung gegenüber den Betroffenen." Daher wolle man im Vatikan "eine umfassende kirchenrechtliche Prüfung der persönlichen Verantwortung des Bischofs" veranlassen.
Der Betroffenenbeirat wies zugleich darauf hin, dass er auch schon gegen Kardinal Woelki kirchenrechtliche Anzeige erstattet und die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gefordert habe. Bei Overbeck habe man dieselben Maßstäbe angelegt: "Wo die grundlegenden Standards glaubwürdiger Aufarbeitung verletzt werden und die Verantwortung für Betroffene hinter den Schutz der Institution zurücktritt, müssen kirchenrechtliche Konsequenzen geprüft und gezogen werden."
In einer ersten Reaktion sagte das Bistum Essen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), man habe gerade erst Kenntnis erhalten vom Vorhaben des Betroffenenbeirats: "Weitere Informationen dazu liegen dem Bistum aktuell nicht vor." Daher könne man momentan noch nicht mehr dazu sagen. (KNA)
