Dom-Eintritt in Köln – Was sind uns solche Orte wert?
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20.000 bis 30.000 Menschen besuchen pro Tag den Kölner Dom. Ob das auch von Mittwoch an noch so viele sein werden, bleibt abzuwarten. Denn dann müssen (fast) alle, die nicht explizit zum Beten oder zum Gottesdienst in die Kathedrale gehen, sondern sie touristisch erkunden wollen, 12 Euro "Besichtigungsgebühr" zahlen. Eine Entscheidung, die nicht nur in der Domstadt für hitzige Debatten sorgt. Denn die Strahlkraft dieses Gotteshauses reicht weit über sie hinaus. Genau das ist der Punkt: Der Kölner Dom ist seit Jahrhunderten ein Bauwerk, das nicht nur einen unerschütterlichen Glauben an Gott symbolisiert, sondern auch Gemeinschaft stiftet – inzwischen über Religionsgrenzen hinweg. Was sind uns solche Orte wert?
Die zahlreiche Kritik und die vielen Befürchtungen nach dem Schritt sind nachvollziehbar. Die Gründe des Domkapitels für die Entscheidung leuchten allerdings auch ein. Der Unterhalt kostet inzwischen 44.000 Euro pro Tag; mit der bisherigen Finanzierung, die zum größten Teil vom Erzbistum Köln (also auch durch Kirchensteuermittel) und dem Zentral-Dombau-Verein geschultert werden, ist das offenbar nicht mehr stemmbar. Die Sorge vor einer sozialen Barriere ist jedoch ernst zu nehmen. Zumindest für bestimmte Personengruppen wird es Ausnahmen und Ermäßigungen geben.
Der Kölner Dom steht exemplarisch für ein Problem, das auch andere berühmte Gotteshäuser in Deutschland haben. In Zeiten, in denen die Kirchensteuereinnahmen auf lange Sicht drastisch sinken werden und auch die öffentliche Hand immer mehr spart, braucht es verstärkt neue Konzepte, wie man Bauwerke erhält. Wer also möchte, dass die Kirche weiterhin auch ihrem kulturellen Auftrag nachkommen kann, wird wohl oder übel damit leben müssen, dass es andere Finanzierungswege gibt – zum Beispiel durch Eintrittspreise für Touristen. Für wen konkret oder für wen wie viel, ist sicher nochmal eine andere Frage.
Die Gesellschaft lebt auch von Orten, die Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion oder politischer Überzeugung verbinden. Solche gibt es jedoch immer weniger, und sie erhalten sich nicht mehr von selbst. Die zentrale Frage lautet deshalb, welchen (größeren) Beitrag – sofern es einem möglich ist – man bereit ist zu leisten, damit Orte wie der Kölner Dom noch lange weiterbestehen.
Der Autor
Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
