Ermittlungen bei Dominikus-Ringeisen-Werk

Verdacht auf Misshandlung in katholischer Behinderteneinrichtung

Veröffentlicht am 02.07.2026 um 11:03 Uhr – Lesedauer: 

Ursberg ‐ Das Dominikus-Ringeisen-Werk im bayerisch-schwäbischen Ursberg ist eine der größten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Süddeutschland. Nun werden Vorwürfe laut: Mitarbeitende sollen gewalttätig geworden sein.

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Haben Mitarbeitende in einer der größten süddeutschen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung Schutzbefohlene misshandelt? Diesem Verdacht geht die Staatsanwaltschaft Memmingen nach, und zwar in Bezug auf das katholische Dominikus-Ringeisen-Werk im bayerisch-schwäbischen Ursberg. Die Behörde bestätigte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag entsprechende Berichte der Zeitungen "Augsburger Allgemeine" und "Die Welt".

"Gegenstand der laufenden Ermittlungen sind unter anderem folgende Tatvorwürfe: Misshandlung von Schutzbefohlenen und falsche Verdächtigung", so die Staatsanwaltschaft. Es gebe sieben Beschuldigte. Die Ermittlungen dürften "einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen". Die "Augsburger Allgemeine" berichtete, es solle mindestens zu Beschimpfungen und zur Verwendung herabwürdigender Ausdrücke gegenüber Bewohnern gekommen sein. Der "Welt" zufolge steht auch der Verdacht auf körperliche Übergriffe im Raum. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu auf Nachfrage nicht.

Erste Hinweise von 2025

Das Ringeisen-Werk erklärte, erstmals hätten Anfang Juli 2025 Mitarbeitende einer Wohneinrichtung der Werksleitung Hinweise auf angebliche pflegerische Mängel sowie mögliche Gewaltanwendungen bei der Versorgung der Betreuten gemeldet. In der Wohneinrichtung würden schwerst- und mehrfach behinderte Menschen betreut, hieß es. Diese zeigten eigen- und fremdgefährdendes Verhalten. Daher würden in der Einrichtung auch freiheitsentziehende Maßnahmen angewandt. "Diese waren und sind in jedem Einzelfall richterlich genehmigt."

Das Werk ergänzte, man habe die Vorwürfe und Hinweise gleich an die zuständigen Aufsichtsbehörden und die Polizei weitergeleitet. Mehrfache externe Überprüfungen hätten daraufhin keine Betreuungsmängel ergeben.

Mitarbeitende zeigten Kollegen an

Intern habe man Gespräche mit sämtlichen Beteiligten geführt. "Teilweise haben Mitarbeitende dabei in Fällen, in denen sich die Vorwürfe nicht bestätigten, neue Vorwürfe erhoben. Auch diesen Vorwürfen wurde nachgegangen. Im weiteren Verlauf erstatteten Mitarbeitende Strafanzeigen gegen Kolleginnen und Kollegen. Teilweise wurden dabei auch innerhalb des Teams gegenseitige Vorwürfe erhoben." Dazu ermittle aktuell die Polizei. Das Ringeisen-Werk informierte zudem über eine Kündigung und eine Strafanzeige: Ein Personalgespräch sei von einem Mitarbeitenden heimlich aufgenommen und an Dritte weitergegeben worden. Der Person habe man gekündigt und sie angezeigt. In diesem Zusammenhang sei dem Ringeisen-Werk mit öffentlichkeitswirksamen Schritten gedroht worden. Auch darüber habe man alle Aufsichtsbehörden in Kenntnis gesetzt.

Um die Situation in der Einrichtung zu stabilisieren, hat das Ringeisen-Werk nach eigenen Angaben personelle Unterstützung organisiert und zusätzliche Vorsorgemaßnahmen umgesetzt. Dazu zählten Umstrukturierungen in der Wohneinrichtung, Schulungsmaßnahmen und eine neue Teamleitung, hieß es. (KNA)

Das Dominikus-Ringeisen-Werk geht auf den katholischen Priester Dominikus Ringeisen (1835-1904) zurück. Dieser gründete 1884 in Ursberg in Bayerisch-Schwaben erste Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Er gilt in Bayern als einer der Pioniere der Professionalisierung in dem Bereich. 1897 hob Ringeisen zudem die Ordensgemeinschaft der Sankt Josefskongregation aus der Taufe. Nach seinem Tod übernahmen die Schwestern die Verantwortung für die Behinderteneinrichtungen. Zur Sicherung ihrer Arbeit riefen sie 1996 das Dominikus-Ringeisen-Werk ins Leben. Es betreut nach eigenen Angaben mit etwa 5.000 Mitarbeitenden an über 30 Standorten in Bayern rund 5.000 Personen.