Kirchen bei Fest der Demokratie zu AfD-Bundesparteitag in Erfurt
Rund um den AfD-Bundesparteitag an diesem Wochenende in Erfurt beteiligen sich die Kirchen am "Fest der Demokratie". Es wird vom breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis "Weltoffenes Thüringen" organisiert. Den Auftakt bildet am Freitagabend ein Friedensgebet mit anschließender Lichterkette. Am Samstag findet um 10 Uhr, parallel zum Beginn des Parteitags auf der Messe, in der Innenstadt ein ökumenischer Open-Air-Gottesdienst mit Weihbischof Reinhard Hauke und Regionalbischöfin Friederike Spengler statt.
Daran wirken auch Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow und die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt mit. Danach sind eine größere Podiumsdiskussion zum Thema "Erfurt – Stadt der Freiheit, der Verantwortung und der Demokratie", ein 24-Stunden-Gebet in der Reglerkirche und diverse Musik-Angebote geplant. Auch an den Ständen und Aktionen unter dem Motto "Demokratie leben" beteiligen sich kirchliche Initiativen. Am Sonntag findet zum Abschluss ein Gottesdienst in der Predigerkirche statt.
Aufruf zu unbedingter Gewaltfreiheit
Spengler hatte angesichts der angekündigten Proteste, teils auch gewaltbereiter Gruppen, gegen den Parteitag zu unbedingter Gewaltfreiheit aufgerufen: "Als Demokraten müssen wir uns an die Gesetze halten, die sich unsere Gesellschaft für ihr freiheitlich-demokratisches Zusammenleben aus gutem Grund und in Jahrzehnten miteinander erprobt gegeben hat." Vor allem appelliere sie, Ordnungskräfte nicht zu nötigen, gegen die Demonstrierenden vorgehen zu müssen.
"Demokratie muss und kann aushalten, dass Veranstaltungen stattfinden, die inhaltlich dem total entgegenstehen, was viele Demokratinnen und Demokraten wollen", mahnte die Regionalbischöfin. "Was wir aber tun können und müssen, das werden wir tun: zusammenstehen! Zusammen für die Gestaltung unserer Gesellschaft eintreten, die sich von Achtung der Würde eines jeden Menschen, von Nächstenliebe und Toleranz leiten lässt."
Reinhard Hauke, Weihbischof in Erfurt, betonte im Juni, er lasse sich von der AfD nicht sagen, was die Kirche tun soll.
In Erfurt werden bis zu 50.000 Demonstrantinnen und Demonstranten erwartet. Unter anderem hatten das Bündnis "Widersetzen" sowie Gewerkschaften, die Linken, die Grünen und andere zu Protesten aufgerufen. In der Stadt gibt es eine erhöhte Polizeipräsenz. Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte vor möglichen Ausschreitungen. Sie erwartet unter den Demonstrierenden bis zu 2.500 gewaltbereite Linksextremisten. Neben friedlichen Protesten gebe es Hinweise, dass einzelne Gruppen gezielt Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten planten.
Weihbischof Hauke hatte der AfD im Juni bei ihren religionspolitischen Plänen Anmaßung vorgeworfen. "Ich lasse mir nicht von dieser Partei sagen, was die Kirche ist und was sie angeblich zu tun habe", sagte er der "Tagespost". Hintergrund war eine persönliche Stellungnahme Haukes zum sogenannten Regierungsprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt. Die Partei will im Falle einer Regierungsübernahme in dem Bundesland die Zahlung der sogenannten Staatsleistungen an die Kirchen einstellen, ebenso den staatlichen Kirchensteuereinzug. (mpl/KNA)
