Warum Zelebrieren wichtig ist

Katholisch heißt: Feste feiern – auch im Orden

Veröffentlicht am 05.07.2026 um 00:01 Uhr – Von Schwester Gabriela Zinkl – Lesedauer: 
Impuls

Grafschaft ‐ Im Sommer wird viel gefeiert – im Kirchenjahr genauso. Schwester Gabriela Zinkl schreibt, warum es so wichtig ist, Feste zu feiern. Denn auch Jesus hat gern gefeiert – genauso wie Ordensleute.

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Der Sommer ist da und mit ihm die Zeit des Feste-Feierns: Schützenfest, Pfarrfest, Hochzeit und Jubiläum, Bürgerfest, Kirchweih und nicht zu vergessen Feuerwehrfest, Kindergartenabschied oder die Grillparty zum Ferienbeginn. In diesen Wochen vergeht kaum ein Wochenende ohne besonderen Anlass, mit anderen zusammenzukommen und zu feiern. Im Sommer zieht es uns nach draußen, um das Leben in Gemeinschaft miteinander zu teilen. Das ist übrigens auch im Kloster so und tagelang vorher wird geprobt, geputzt, geschmückt und gebacken. Denn wir Ordensleute lassen unsere Mitschwestern oder Mitbrüder zum Ordensjubiläum mindestens genauso hochleben und feiern wie Eheleute zu ihrem Jubeltag. Noch dazu gibt es in unseren Einrichtungen wunderschöne Sommerfeste – gerne mit Motto – und Jubiläumsfeiern, vom Krankenhaus bis zur Armenküche.

Sehr viel Anlass zum Feiern bietet der liturgische Festtagskalender der Kirche, der in den Sommermonaten reichlich gefüllt ist. Mit Feiertagen von Christi Himmelfahrt, Pfingsten, über Hochfeste wie die Geburt Johannes des Täufers und die Heiligen Petrus und Paulus bis zu Mariä Himmelfahrt im August gibt es fast jede Woche einen besonderen Anlass. An Festtagen wie diesen wird bei uns im Kloster nicht nur feierlich gebetet und gesungen, es gibt zur Feier des Tages immer ein feines Essen, zu dem auch ein guter Tropfen Wein und ein festlicher Nachtisch nicht fehlen darf – und natürlich der festliche gedeckte Tisch!

Manche Leute stöhnen angesichts der vielen Festtermine in ihrem Kalender und in der Nachbarschaft; nicht jeder fühlt sich in Feierlaune. Denn ein Fest feiern heißt immer auch: fröhlich sein, vielleicht etwas lauter sein als sonst, im normalen Treiben innehalten und eine Person oder einen besonderen Anlass hochleben lassen. Man kann auch sagen: sich Zeit nehmen und den besonderen Augenblick als Geschenk Gottes feiern.

Gott schenkt seinem Volk Feste

Das Besondere des Augenblicks sieht man schon dem Wort "Feiertag" an. Wir feiern den Tag, wir heben ihn aus der Masse heraus. Jedes Fest sticht aus der Routine unserer Tage und Wochen heraus, ganz so meint es der Ursprung des Wortes "feiern", das vom lateinischen "feriae", Ferien, Auszeit kommt. Das Feiern unterbricht unser endloses Hamsterrad aus To-do-Listen, Pflichten, Leistungsdenken und Sorgen. Es setzt ein dickes fettes Stoppschild mit Ausrufezeichen in unseren Alltag und sagt: "Jetzt nicht, jetzt wird gelebt, gestaunt und gedankt!"

Das zeichnet uns Christen besonders aus, denn schon die Bibel erzählt von einem Gott, der seinem Volk Feste schenkt. Das Paschafest erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei, das Laubhüttenfest an Gottes Begleitung durch die Wüste, das Erntedankfest an seine Treue. Erinnern heißt im biblischen Sinn nicht, nostalgisch zurückzublicken. Wer feiert, macht Gottes Handeln in der Gegenwart lebendig. Hier können wir noch viel von der jüdischen Tradition lernen, denn jedes dieser Feste des Alten Testaments sagt uns bis heute: Gott hat gut an seinem Volk gehandelt – Gott handelt heute – und Gott wird auch morgen gut handeln.

Messdiener mit Weihrauchfass
Bild: ©KNA/Lukas Barth (Symbolbild)

Wenn Katholiken so richtig feiern, dann kommt er zum Einsatz: Weihrauch.

In dieser Fest-Tradition steht auch Jesus. Viele Stellen im Neuen Testament berichten uns, dass er kein frommer Asket war, der jeder Freude auswich und sie verteufelte – im Gegenteil! Jesu erstes Zeichen geschah auf einer Hochzeit. Richtig gehört: bei einer Hochzeit, nicht bei einem Trauermahl! Bei der Hochzeit in Kana (Joh 2,1-11), zu der Jesus mit seinen Jüngern und seiner Mutter eingeladen war, verwandelte er Wasser in Wein – und zwar nicht gerade sparsam, es sollten alle Festgäste etwas davon haben. Immer wieder vergleicht Jesus später das Reich Gottes mit einem Festmahl, zu dem alle eingeladen sind. Und als man ihn kritisiert, weil seine Jünger nicht fasten, antwortet er sinngemäß (Mt 9,15): Wie sollen Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist?

In unseren katholischen Liturgien duftet es deshalb zu besonderen Festen nach Weihrauch, zur Feier des Tages, vor allem aber zur größeren Ehre Gottes. Zu jedem größeren Fest im Kirchenjahr wird der Kirchenraum besonders schön geschmückt, die feinsten Gewänder herausgeholt und Chor und Orgel singen in den höchsten Tönen und lassen uns alle in diese besonders Festtagsstimmung eintauchen. All das umrahmt den festlich gedeckten Tisch für die Eucharistie und das anschließende festliche Essen auf der Feier nach dem Festgottesdienst.

Durch das Kirchenjahr

Für mich ist das eine der schönsten Besonderheiten unserer kirchlichen Gemeinschaft, dass wir im Rhythmus der Feste leben. Der liturgische Kalender erzählt die Geschichte Gottes mit den Menschen: Advent und Weihnachten, Fastenzeit und Ostern, Pfingsten, Fronleichnam, die großen Marienfeste, Allerheiligen und die unzähligen Gedenktage von Frauen und Männern, die Gottes Liebe auf ihre Weise gelebt haben. Auch die Heiligenfeste – in Ordensgemeinschaften werden die Namenstage ja besonders feierlich begangen – erinnern uns daran, dass Gott keine Einheitsmenschen sucht. An den Fest- und Gedenktagen der Heiligen begegnen wir Königinnen und Bettlern, Gelehrten und Analphabeten, jungen Menschen und Hochbetagten, Einsiedlern und Familienmenschen. Ihre Lebens- und Glaubensgeschichten öffnen für uns an jedem Festtag ein Fenster, durch das ein ganz anderes Licht der frohen Botschaft Jesu unsere Welt erhellt. Früher wusste man das noch deutlicher, denn das Kirchenjahr gab den Takt des Lebens vor. Zu den Kirchweihfesten gab es große Märkte und Tanzvergnügen im Ort, zu Christi Himmelfahrt und Fronleichnam führten lange Prozessionen durch die Straßen und Fluren. Es wurde vor der Aussaat gebetet und nach der Ernte gedankt und es gab ein rauschendes Erntedank oder Weinlesefest. Natürlich war früher nicht alles besser. Manches war aber früher selbstverständlich(er): Der Mensch lebt nicht von der Arbeit allein.

Darum sollten wir unsere Feste nicht geringschätzen, sondern sie würdig und mit Freude begehen. Ein gemeinsames Essen, ein Geburtstag, ein Sommerfest der Pfarrei, eine Hochzeit oder ein Sommerabend mit Familie und Freunden können zu Orten werden, an denen etwas vom Himmel aufleuchtet.

Eines, ja vielleicht sogar mein liebstes Stichwort, habe ich bis jetzt aufgespart: Katholisch heißt: Feste feiern – oder anders geschrieben: feste feiern! Im kleinen deutschen Wort "fest" oder "Fest" steckt ziemlich viel tiefer Sinn, zum Beispiel das: Wer Feste feiert, wird im Glauben fest. Und wer im Glauben fest wird, hat immer wieder Grund zu feiern.

Von Schwester Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Gabriela Zinkl SMCB ist Ordensschwester bei den Borromäerinnen, promovierte Theologin (Kirchenrecht) und in der Ordensleitung in Kloster Grafschaft tätig.