Die Piusbruderschaft will Sekte sein – soll sie es!

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Nun ist es vollzogen: Mit der unerlaubten Bischofsweihe zogen sich die Verantwortlichen der Piusbruderschaft die Tatstrafe der Exkommunikation zu. Sie haben sich damit abgespalten von der katholischen Kirche, leben im Schisma. Viele bedauern den Schritt, sind empört. Manche lamentieren: "Hätte man sich nicht doch noch versöhnen können…?"
Ich meine: Lasset sie ziehen. Den Schritt vollzogen sie ja wissentlich und willentlich: Konservative Katholiken denken meist rechtlich, sie kennen das Kirchenrecht und schätzen es – solange es ihnen passt. Direkt ungehorsam gegenüber dem Willen des Papstes waren sie ebenfalls – gegen ihren Anspruch, besonders katholisch, also papsttreu zu sein. Vermutlich fühlen sie sich ganz gut in ihrer Meinung, "Recht" zu haben – ein durchaus verqueres Rechtverständnis. Sie wollen demütig gehorsam sein und sind hochmütig ungehorsam.
Wenn ich die Bilder der Bischofsweihe sehe: hunderte Männer, eher blass, ernst und streng die Gesichter, schwitzend in engen, irgendwie antiquiert wirkenden Gewändern, unverständliche lateinische Gesänge singend, weihrauchgeschwängert, alles freilich medial top ausgewertet … – ist das meine Kirche? Will ich diese Kirche in meiner haben? Eher nein. Die katholische Kirche ist ja ein großer Zoo mit vielen bunten, auch grellbunten Tieren, und das soll so sein, ist wunderbar, aber die hier gesehene bunte Farbe will ja die einzige sein, und sie spricht anderen Buntheiten das Katholischsein ab – damit ist diese Kirche gerade nicht mehr katholisch, sondern eine Sekte. Diese lehnt die heutige Welt ab, geht ins Ghetto. Sie will Sekte sein – soll sie es. Biblisch ist das nicht – nun ja, auf die Schrift berufen sich Piusbrüder kaum. Katholisch ist es auch nicht.
Nach mehreren Konzilien – solchen, die die Kirche voranbrachten – spalteten sich Gruppen ab, die sich den Neuerungen verweigerten, meist am konservativen Rand. Vielleicht braucht das die Kirche, um ihren Gang durch die Geschichte weiterzugehen. Vielleicht wirkt nur so der Geist, der – um Einheit zu schaffen – die Spreu vom Weizen trennt.
Der Autor
Pater Stefan Kiechle SJ ist seit 2018 Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Zuvor leitete er sieben Jahre die Deutsche Provinz des Jesuitenordens.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.