Heftiger Regen bei Zeremonie ein Zeichen des Himmels?

Piusbrüder führen unerlaubte Bischofsweihen durch – nun exkommuniziert

Veröffentlicht am 01.07.2026 um 14:50 Uhr – Von Alexander Brüggemann (KNA) – Lesedauer: 

Écône ‐ Das nahtlose Gewand Christi wird zerrissen – so hatte es am Dienstag Papst Leo XIV. befürchtet. Während die Piusbrüder in der Schweiz ihre unerlaubten Bischofsweihen durchführten, öffneten sich die Schleusen des Himmels.

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Bassgeigenkaseln, rote Seidenhandschuhe, bestickte Mitren, ziselierte Untergewänder, nicht enden wollende Züge von Priestern, Messdienern und Ordensfrauen: So also war katholische Kirche in vergangenen Jahrhunderten. Vor der Bergkulisse des Wallis und vor vielen tausend Teilnehmern hat die traditionalistische Piusbruderschaft vier Priester ihrer Gemeinschaft zu Bischöfen geweiht – gegen das ausdrückliche Verbot von Papst Leo XIV.

Mit der Handauflegung und der traditionellen lateinischen Formel "Accipe Spiritum Sanctum" ("Empfange den Heiligen Geist") aus dem Johannes-Evangelium haben die vier – ein Schweizer, ein US-Amerikaner sowie zwei Franzosen – zwar nach katholischer Auffassung "die höchste von allen kirchlichen Weihen" und damit "die Fülle des Priestertums" erhalten. Doch zugleich sind sie laut dem Kirchenrecht automatisch exkommuniziert, also aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen.

Ganz oben und doch draußen?

Als Hirte ganz oben und doch draußen – wie und warum kann das sein? Und was ist mit der Herde, wenn der Hirte keine Leitung darf? Nach dem Kirchenrecht sind die Weihen – auch jene, die die Neugeweihten künftig spenden, zwar unerlaubt, aber doch gültig. Die vier Neuen stehen damit in der sogenannten Apostolischen Sukzession, also jener Tradition der Bischöfe, die die katholische Kirche bis zu den Aposteln und letztlich bis zu Christus selbst zurückführt.

Der Vatikan und auch Leo XIV. selbst hatten die Bruderschaft bis zuletzt gewarnt. Noch am Dienstag beschwor Leo sie, "das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken". Denn durch den schismatischen Akt der Weihe würden sie ihre Anhänger des "Empfangs der Sakramente berauben", die sie doch zu ihrem Seelenheil suchten.

Der Generalobere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, dankte Leo zwar noch am Vorabend der Weihen "in kindlicher Ergebenheit" für seine "väterliche Fürsorge" – und er bat ihn, sich vor einer förmlichen Erklärung des Schismas "die notwendige Zeit" zur Unterscheidung der Geister zu nehmen. Doch nur wenige Stunden später sprach er dem Papst in seinem vorbereiteten Dekret die Autorität ab, die Weihe mit egal welchen Strafen zu belegen; diese hätten "keinerlei Gültigkeit".

Kampfgeist "in kindlicher Ergebenheit"

Pagliarani ließ zu Beginn der Weihe eine Erklärung verlesen: Da die römischen Institutionen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) von einem Geist beseelt seien, der der wahren Tradition der Kirche entgegenstehe, sehe man sich in der Pflicht, selbst Bischöfe in der wahren Gesinnung zu weihen.

Bischofsweihekandidaten der Piusbruderschaft beim Einzug: Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier (v.l.n.r.).
Bild: ©Screenshot FSSPX

Die vier neuen Bischöfe der Piusbruderschaft beim Einzug zur Weiheliturgie: Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier (v.l.n.r.).

Der Hintergrund: Von den Pius-Bischöfen leben nur noch die beiden Konsekratoren, Alfonso de Galarreta (69) und Bernard Fellay (68). Sie müssen nach Auffassung der Bruderschaft die Sukzession weitergeben. Nun sind freilich auch sie wieder exkommuniziert – wie schon einmal, 1988, nach ihrer eigenen Bischofsweihe. Papst Benedikt XVI. (2005–2013) hob die Beugestrafe als Gnadenakt 2009 auf – ohne aber in der Folge eine theologische Einigung zu erzielen.

Fakt ist, dass die liturgische Prachtentfaltung der Alten Messe, die am Mittwoch aus jeder Pore der Zeremonie sprach, große Anziehungskraft auf traditionsverbundene Gläubige ausübt. Warum sonst würden so viele tausend Pilger in den abgelegenen Ort Écône im Wallis strömen? Und warum sonst hätte die Bruderschaft "allein im letzten Monat 90 Neuaufnahmen" verzeichnet, wie der Pius-Kommentator bei dem mehr als vierstündigen Gottesdienst stolz vermerkte? Weltweit gehören der Gemeinschaft mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.

"Papst wird permanent gedemütigt"

Zugleich frieren die Traditionalisten ihr Kirchenbild – ihre erklärte Treue zu Rom, zum Papst und zur kirchlichen Überlieferung – quasi 1958 ein; also mit der Wahl von Papst Johannes XXIII. (1958–1963), der das Reformkonzil einberief. Seither, so der Generalobere in seiner Predigt, werde der Papst permanent "gedemütigt, auf eine Stufe gestellt mit Vertretern anderer Religionen". Das könne man nicht tolerieren.

Wie sehr sich die Priesterbruderschaft bei ihrer Zeremonie am Mittwoch in die Tradition auch ihres französischen Gründers stellte, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991), zeigte schon allein ein Symbol: Der Hauptzelebrant der Weihe, der spanische Bischof Galarreta, trug jene bestickte Mitra, die Lefebvre selbst 1988 bei dessen Weihe getragen hatte.

Violette Strümpfe und weißes Stirnband

Während der langen lateinischen Allerheiligenlitanei, in der auch die erprobten Märtyrer der Kirchengeschichte angerufen wurden, lagen die Weihekandidaten ausgestreckt auf dem Boden, traditionell gekleidet in violette Strümpfe und weiße Schuhe. Bei Weihe und Handauflegung selbst hielten ihnen Messdiener ein Evangeliar über den Nacken. Und damit das heilige Buch nicht beschmutzt werde, wurde ihnen ein weißes Stirnband umgewickelt; das wiederum sah dann kurzzeitig nicht wirklich wie ein christliches Zeichen aus.

So viel Symbolik auf Erden konnte kaum unbeantwortet bleiben. Während der langen Feier der Eucharistie ging ein Wehen, dann Donner und heftiger Regen über die Gemeinde im Freien nieder. Im Zelt der Zelebration hörte man es nur als ein Rauschen von oben. Im Himmel jedenfalls scheint der Tag nicht unbemerkt vergangen zu sein. Der Vatikan wird wohl in den kommenden Tagen reagieren.

Von Alexander Brüggemann (KNA)