Katholische Verbände uneins wegen Plänen zu Steuern und Arbeit
Katholische Verbände bewerten die beim Koalitionsgipfel der Bundesregierung vereinbarten Pläne unterschiedlich. Während der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) die geplante Erhöhung der sogenannten Reichensteuer kritisiert, sieht die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Deutschlands dieses Vorhaben positiv, wie aus Mitteilungen vom Freitag hervorgeht.
"Die Bundesregierung marschiert jetzt genau in die falsche Richtung los, wenn sie anfängt, Entlastungen und Reformen durch Steuererhöhungen für jene Leistungsträger gegenzufinanzieren, die ohnehin schon den größten Teil der Steuerlast tragen", sagte der BKU-Bundesvorsitzende Martin Nebeling. Die KAB-Bundesvorsitzende Sarah Prenger sagte dagegen: "Wer mehr hat, muss auch mehr Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen. Dieses Signal ist begrüßenswert."
Skepsis bei Krankschreibungsplänen
Die Pläne zur Krankschreibung ab dem ersten Tag lehnt die KAB ab: Damit unterstelle die Bundesregierung Arbeitnehmenden pauschal Unehrlichkeit. Der katholische Berufs- und Sozialverband betonte, das zeige ein "nicht zu rechtfertigendes Misstrauen gegenüber den Arbeitnehmenden". Außerdem sei die geplante Neuregelung ein "klarer Widerspruch zum angekündigten Bürokratieabbau" und stelle Beschäftigte unter Generalverdacht. Dabei würden Menschen, die ohnehin gesundheitlich stärker belastet sind, zusätzlich unter Druck geraten.
Angesichts geplanter Reformen bei Krankschreibungen zeigt sich auch der BKU skeptisch: Bei der telefonischen Krankschreibung werde das Rad zurückgedreht, so Nebeling. "Es braucht stattdessen eine ganzheitliche Sicht auf Arbeit, die Freiheit und soziale Verantwortung zusammen denkt, statt gegeneinander auszuspielen."
Flexibilisierung und Arbeitnehmerrechte
Während die katholischen Unternehmer einen "dauerhaften und flächendeckenden Bürokratieabbau statt befristeter Einzelmaßnahmen" und eine "echte Flexibilisierung der Arbeit" fordern, unterstreicht der Arbeitnehmerverband, die beschlossenen Reformen beim Kündigungsschutz führten zu neuer Unsicherheit.
Zwar befürwortet die KAB generell eine Erhöhung der Zuschläge für Sonntagsarbeit in Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken, blickt aber mit Sorge auf eine mögliche Ausweitung der Sonntagsarbeit. "Der Sonntag ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Er ist ein unverzichtbarer Tag für Familie, Erholung und gesellschaftlichen Zusammenhalt", erklärte KAB-Bundespräses Stefan-Bernhard Eirich. (KNA)
