Katholische Arbeitnehmer-Bewegung gegen längere Arbeitstage
Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Bayern lehnt ein Aus der täglichen Höchstarbeitszeit ab. "Eine Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit bedeutet zwangsläufig eine Verschlechterung des Gesundheitsschutzes", sagte der Landesvorsitzende Peter Ziegler am Wochenende in München. "Wer länger arbeitet, ist weniger leistungsfähig, macht mehr Fehler und ist anfälliger für Arbeitsunfälle." Acht Stunden seien genug. "In Zeiten, in denen die Tarifbindung sinkt, ist das Arbeitszeitgesetz für Millionen Beschäftigte der einzige wirksame Schutz vor Überlastung."
Ziegler äußerte sich bei der Landesversammlung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, kurz KAB. Seine Co-Landesvorsitzende Regina Soremba-Böxkes forderte, das gesamte Spektrum menschlicher Arbeit in den Blick zu nehmen. "Pflege, Erziehung, Ehrenamt und Sorgearbeit sind gesellschaftlich äußerst wichtig, werden aber gegenüber der Erwerbsarbeit systematisch abgewertet, weil sie keine Rendite bringen. Das wird sich kaum ändern, wenn Arbeitszeiten nach oben hin flexibilisiert und Menschen auf Kosten ihrer Familie in unterbezahlte Vollzeitjobs gedrängt werden."
"Ohnmächtige Menschen schreien"
Landespräses Michael Wagner sprach von einer für viele Arbeitnehmer bedrohlichen Entwicklung: "Der Arbeitsplatz, der wegfällt. Die Qualifikation, die plötzlich nichts mehr gilt. Das Gefühl, ersetzbar zu sein – durch eine Maschine, durch billigere Arbeitskräfte, durch KI, einen Algorithmus." Das treibe Menschen in die Ohnmacht. "Und ohnmächtige Menschen schreien – und wählen womöglich die AfD. Wir erleben die Aufkündigung der Sozialpartnerschaft, den beschleunigten Abbau von Arbeitsplätzen, die Demontage von Tarifrechten, die Diffamierung von Teilzeit als 'Lifestyle-Faulheit'." Das könne nicht der Weg sein. Die Frage müsse stets lauten: "Dient das den Menschen?"
Die KAB ist ein kirchlicher Sozial- und Berufsverband mit 175-jähriger Geschichte. Sie macht sich für die Interessen und Rechte von Arbeitnehmern stark – unabhängig von deren Konfession. Bundesweit zählt sie laut eigenen Angaben rund 60.000 Mitglieder, davon etwa 25.000 in Bayern. (KNA)
