Nach Bischofsweihen und Exkommunikation

Konflikt mit Rom – Piusbrüder in Stuttgart sehen Schaden für Kirche

Veröffentlicht am 03.07.2026 um 14:30 Uhr – Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Nach den unerlaubten Bischofsweihen der Piusbrüder und der Reaktion des Vatikans bedauert der Obere der Piusbruderschaft in Stuttgart die Folgen. Zugleich betont er: "Wir wollen uns nie von Rom trennen."

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Die Piusbrüder in Stuttgart sehen das Vorgehen des Vatikans gegen die traditionalistische Piusbruderschaft als "sehr bedauerlich" an. "Das ist ein großer Schaden für die Kirche", sagte Pater Franz Schmidberger, Prior von Sankt Athanasius in Stuttgart, am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dadurch würden "wohl neue Leute ferngehalten, an unseren Gottesdiensten teilzunehmen", so der ehemalige Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Die Gläubigen, die bisher zu den Messen kamen, blieben aber "im Wesentlichen" standhaft, gab sich Schmidberger überzeugt. In Stuttgart gibt es nach seinen Angaben an Sonntagen drei Gottesdienste der Piusbrüder, zu denen insgesamt zwischen 250 und 300 Besucher kommen. An Werktagen seien es zwischen 20 und 50. In Stuttgart sei sicher nur eine "relativ verschwindende Minderheit" der Gemeinschaft der Meinung, dass die Piusbruderschaft den Schritt nicht hätte gehen sollen, gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. neue Bischöfe zu weihen.

Kritik an Papst Leo

Der Vatikan bestätigte am Donnerstag zunächst förmlich die Exkommunikation jener sechs Männer, die am Mittwoch an der vom Papst verbotenen Bischofsweihe der Bruderschaft in der Schweiz beteiligt waren. Da diese Weihe laut Kirchenrecht einen schismatischen Akt darstellte, folgte die Exkommunikation automatisch. Der Vatikan betonte, dass alle Priester und Diakone der Piusbruderschaft Schismatiker sind und sich damit die Tatstrafe der Exkommunikation zuziehen.

Mit Blick auf Papst Leo sagte Schmidberger: "Was ich sehr bedauere, ist die Tatsache, dass er sich der Sache im Vorfeld sehr wenig angenommen hat." Ab Februar habe der Papst gewusst, "dass wir uns mit dem Gedanken tragen, Bischöfe zu weihen, weil das lebensnotwendig ist für die ganze Tradition, für die Gläubigen und die Sakramente". Die Piusbrüder hätten "mehrfach um ein klärendes Gespräch nachgesucht", doch vonseiten des Papstes sei wenig geschehen.

"Wir halten uns an den Papst"

Schmidberger betonte zugleich: "Wir beten für den Papst, wir halten uns an den Papst." Man wolle sich nicht von Rom trennen. Es sei nun wichtig, "nicht einen Geist der Bitterkeit zu pflegen". Als der traditionalistische französische Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 im schweizerischen Écône vier Priester der Piusbruderschaft zu Bischöfen geweiht habe, habe sich das Verhältnis nach und nach wieder "normalisiert", sagte Schmidberger. Das nehme man jetzt auch an.

"Von unserer Seite aus ist keine Rede von einem Schisma", betonte Schmidberger und fügte hinzu: "Wir haben uns nie von der Kirche trennen wollen. Wir wollen uns nie von Rom trennen, nie vom Papst trennen. Und wir haben immer den Papst anerkannt." Die Piusbrüder lehnen jedoch entscheidende Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ab. (KNA)