Aufruf zur Umkehr

Papst Leo XIV. appelliert vor unerlaubten Weihen an Piusbrüder

Veröffentlicht am 30.06.2026 um 11:00 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Nun schaltet sich Papst Leo XIV. selbst ein: Kann ein Brief an den Generaloberen der Piusbruderschaft die unerlaubten Bischofsweihen noch verhindern? Oder halten die Traditionalisten an ihren schismatischen Plänen fest?

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Papst Leo XIV. hat die Piusbrüder ein letztes Mal vor den unerlaubten Bischofsweihen zur Umkehr aufgefordert. In einem am Dienstag vom Vatikan veröffentlichten Brief wendet er sich direkt an den Generaloberen der Piusbruderschaft, Davide Pagliarani: "Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken, weil der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, sie des erlaubten und in manchen Fällen auch des gültigen Empfangs der Sakramente berauben würde, welche sie lieben und zu ihrer Heiligung suchen."

Der Papst betonte, dass die Kirche einem Weg des Dialogs und der Verständigung aufgeschlossen gegenüber stehe. "Ich bete für euch, weil das Zerreißen des nahtlosen Gewandes Christi eine äußerst schwere Sünde ist. Der Herr erleuchte euer Gewissen und rüttle eure Herzen auf."

Papst würdigt Liebe zur Liturgie

In seinem Schreiben würdigte Leo "die Liebe zur Liturgie, den Einsatz in der Priesterausbildung, den apostolischen Eifer und das Streben nach Treue zur Tradition", die viele Menschen und Gemeinschaften, die mit der Piusbruderschaft verbunden seien, auszeichne: "Das war der Grund für die aufmerksame und wohlwollende Haltung, die meine Vorgänger euch gegenüber stets gezeigt haben."

Das Schreiben ist die erste direkte Äußerung von Papst Leo XIV. gegenüber der Piusbruderschaft. Anfang Juni hatte Pagliarani bedauert, dass es keinen direkten Kontakt mit dem Papst gegeben hatte. Zuvor hatte der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, den Generaloberen zu Gesprächen empfangen, um Dialogoptionen auszuloten. Das auf dieser Grundlage entstandene Dialogangebot wurde von der Piusbruderschaft umgehend ausgeschlagen. Mitte Mai veröffentlichte der Vatikan eine Warnung des Glaubensdikasteriums, dass die unerlaubten Bischofsweihen einen schismatischen Akt darstellen und die Exkommunikation nach sich ziehen werden.

Reichweite der drohenden Exkommunikation noch unklar

Direkt von der Exkommunikation betroffen wären die beiden Weihespender sowie die vier neugeweihten Bischöfe. In der Warnung des Glaubensdikasteriums wird außerdem auf die von Papst Johannes Paul II. anlässlich der ersten unerlaubten Bischofsweihen ausgesprochene Mahnung verwiesen, dass der formelle Beitritt zum Schisma die Exkommunikation nach sich ziehe. Ob damit eine Exkommunikation aller Mitglieder und möglicherweise Anhänger der Piusbruderschaft gemeint ist, ist nicht klar.

Der Mainzer Kirchenrechtler Matthias Pulte geht davon aus, dass mit den Weihen alle Mitglieder der Piusbruderschaft sich des Schismas schuldig machen würden, nicht aber alle Sympathisanten; Kardinal Raymond Leo Burke geht dagegen aus, dass nicht automatisch alle Mitglieder betroffen seien. Viele Anhänger und Mitglieder der Piusbruderschaft hätten den "schismatischen Geist" nicht, der sich in den für Mittwoch angekündigten Bischofsweihen zeige, sagte Burke am Montag in einem Interview. (fxn)

Im Volltext: Der Brief des Papstes

Väterlich und im Bewusstsein der Verantwortung, die mir der Herr als Nachfolger des Apostels Petrus anvertraut hat, wende ich mich an Sie und über Sie an die Bischöfe, Priester, Seminaristen und Gläubigen, die mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. verbunden sind.

Die Kirche anerkennt die Liebe zur Liturgie, den Einsatz in der Priesterausbildung, den apostolischen Eifer und das Streben nach Treue zur Tradition, die viele Menschen und Gemeinschaften auszeichnen, die mit dieser Bruderschaft verbunden sind. Das war der Grund für die aufmerksame und wohlwollende Haltung, die meine Vorgänger euch gegenüber stets gezeigt haben.

In diesem Geist und erfüllt von christlicher Zuneigung bitte ich euch und fordere ich euch von ganzem Herzen auf: Kehrt um! Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken, weil der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, sie des erlaubten und in manchen Fällen auch des gültigen Empfangs der Sakramente berauben würde, welche sie lieben und zu ihrer Heiligung suchen.

Die Kirche steht einem Weg des Dialogs und der Verständigung aufgeschlossen gegenüber, den der Heilige Geist ermöglichen und fruchtbar werden lassen kann.

Ich bete für euch, weil das Zerreißen des nahtlosen Gewandes Christi eine äußerst schwere Sünde ist. Der Herr erleuchte euer Gewissen und rüttle eure Herzen auf. Kraft der von Christus empfangenen Vollmacht fühle ich mich – mit betrübtem Herzen, doch noch immer voller Hoffnung – verpflichtet, euch aufzufordern, von eurem Vorhaben Abstand zu nehmen, und vertraue diese Anliegen dem Unbefleckten Herzen Mariens, der Mutter des Guten Rates, an.

Aus dem Vatikan, am 29. Juni 2026

Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus