Was Fußball und Kirche eint – und warum Frieden mehr braucht
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"Football unites the world." Die FIFA nutzt die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer für ihre ambitionierte Friedenskampagne. Fußball verbindet die Welt. Man könnte auch übersetzen: Fußball vereint die Welt und wird den Begriff Welt als Menschheit deuten dürfen. Fußball vereint die Menschheit. Ein wahrlich hoher Anspruch. Typisch FIFA.
Der Weltfußballverband ist eine Föderation, welche aus 211 Mitgliedsverbänden besteht. Das ist beeindruckend. Doch sollte man sich vor Augen führen: Bei dieser Weltmeisterschaft sind weder China noch Indien dabei, und auch Indonesien ist nicht am Start. Zudem bleiben Russland und Belarus außen vor. Über drei Milliarden Einwohner können nicht mit ihren Nationalmannschaften mitzittern, ihnen nicht die Daumen drücken und sie nicht feiern. Das ist mehr als ein Drittel der Menschheit. Zudem ist das Turnier eine fast rein männliche Angelegenheit.
Alle Menschen zu vereinen, diesen Anspruch erhebt auch die katholische Kirche. Ohne Äpfel mit Birnen, sprich Fußball mit Religion, vergleichen zu wollen, fällt das gemeinsame Ziel auf. In der Realisierung dieses Ziels tut sich die Kirche gleichwohl schwerer als die FIFA. Während die Kirchen untereinander und in sich zerstritten sind, kennt die FIFA keine Konkurrenz. Sie ist der einzige Weltverband. Fußball folgt einheitlichen Regeln. Das mit der Weltmissionskonferenz von Edinburgh (1910) begonnene Projekt der Ökumene ist bis heute kaum vorangekommen. Die FIFA war mit ihren seit 1930 stattfindenden Weltmeisterschaften "missionarisch" erfolgreicher, weil der Fußball sich einig war.
Wenn man über die Grenzen des Fußballs und der Religion hinaus fragt, was die Einheit der Menschheit vorangetrieben hat, so landet man unweigerlich bei der Welt der Zahlen, Mathematik und Informatik. Weltweit gilt nicht 0:1 und auch nicht wahr und falsch. Weltweit gilt: Einheit durch Vereinfachung auf 0 und 1. Die Frage nach Krieg und Frieden wird damit nicht beantwortet. Die Sprache der Informatik lässt sich für beides nutzen. Auf sie keine Antwort zu wissen, bestimmt allerdings ebenso die alberne Symbolpolitik der FIFA wie die rat- und hilflosen Friedensappelle des Vatikan. Frieden muss geschlossen werden.
Der Autor
Michael Böhnke ist emeritierter Professor für systematische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Außerdem ist er Ethik-Beauftragter des Deutschen Leichtathletikverbands.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
