"Jesus ist der einzige Weg"

Die WM der frommen Bekehrer: Missionare warten vor Fußballstadien

Veröffentlicht am 07.07.2026 um 00:01 Uhr – Von Tobias Käufer (KNA) – Lesedauer: 

Dallas ‐ Ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft mobilisiert nicht nur Millionen Fans: Vor den Arenen in Dallas und Houston verkünden Dutzende Prediger die Botschaften der Bibel. Aber nicht alle Zuschauer sind davon erfreut.

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Alle 60 Sekunden bildet sich eine Menschentraube um die Ampel vor dem riesigen Stadion in Dallas. Dann schlägt die Stunde von Paul. Seit den frühen Morgenstunden steht der Mann in Shorts und weißem T-Shirt an der Kreuzung. Hier werden an diesem WM-Spieltag wieder tausende Menschen sein großes Holzkreuz sehen. Mal reckt er es in die Höhe, mal stellt er sich mit dem christlichen Symbol mitten auf die Kreuzung, wenn die Beamten den Verkehr durchwinken und der Platz für einige Augenblicke frei wird.

"Ich bin heute hier, weil ich Gott liebe und weil ich die Menschen liebe", sagt Paul der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Für seine Mission ist er extra aus dem Osten von Texas angereist. "Ich möchte den Menschen mitteilen, dass Gott sie liebt und dass Jesus Christus der einzige Weg in den Himmel ist. Ich möchte ihnen mitteilen, dass Jesus gesagt hat, er sei der einzige Weg. Der einzige Weg zum Vater", verkündet Paul mit leuchtendem Blick.

Öffentliche Mission hat Tradition

Die Reaktionen auf seine Aktion seien unterschiedlich, räumt er aber ein. "Manche Fans schauen direkt auf das Kreuz, andere schauen weg – wahrscheinlich aus Schuldgefühlen. Man weiß ja nie, warum sie so reagieren." Er selbst gehöre keiner bestimmten Konfession an, sagt Paul. Er bezeichnet sich schlicht als gläubigen Bibelleser.

Dass Menschen wie Paul rund um Sportveranstaltungen öffentlich missionieren, hat Tradition in den USA. Gerade in Texas und vielen Staaten des Mittleren Westens gehören evangelikale und konservative protestantische Gemeinden zum Alltag. Straßenprediger, Bibelgruppen auf Universitätsgeländen oder Freiwillige, die auf Großveranstaltungen das Gespräch mit Passanten suchen, prägen dort das öffentliche Bild.

Ein Mann trägt ein großes Holzkreuz am Rande eines Spiels der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA
Bild: ©KNA/Tobias Käufer

"Ich bin heute hier, weil ich Gott liebe und weil ich die Menschen liebe", sagt Paul über seine Mission. Er wirbt mit einem großen Holzkreuz für den christlichen Glauben.

Schätzungen zufolge zählt rund ein Viertel der US-Bevölkerung zum evangelikalen Protestantismus. Präsent sind sie besonders im sogenannten "Bible Belt" von Texas bis in den Südosten der USA. Ein internationales Fußballturnier mit Hunderttausenden Besuchern bietet da eine perfekte Gelegenheit, Menschen aus aller Welt zu erreichen.

So ist Paul auch nicht alleine. Auch in Houston und Kansas City versuchen jeweils Dutzende Menschen an WM-Spieltagen, ihre religiöse Botschaft vor den Stadien an die Leute zu bringen. Schließlich strömen jedes Mal rund 60.000 bis 70.000 Zuschauer zu den Partien.

Dabei sind die selbst ernannten Missionare oft nicht zimperlich. "Der Antichrist kommt bald", steht etwa auf einem Schild über den Köpfen der anrückenden Fans in Dallas. Gleich daneben hält ein Mann eine Botschaft auf einem Banner in die Höhe: "Jesus Christus will dich retten". Einige christliche Aktivisten tragen neongelbe T-Shirts, um in der Masse aufzufallen: "Im Blut Jesu liegt die Kraft", steht darauf in schwarzen Buchstaben.

Ein Mann steht zwischen Passanten und hält ein Plakat mit der Botschaft "Jesus Christ wants to save YOU!"
Bild: ©KNA/Tobias Käufer

Werbung für den christlichen Glauben am Rande von Sport-Großveranstaltungen hat in den USA Tradition.

Rund 400 Kilometer weiter südlich, in Houston, ist das Bild ähnlich. Doch anders als in Dallas, wo die Menschen entweder freundlich grüßend oder teilnahmslos vorbeigehen, entwickelte sich am Rande des Spiels zwischen Kanada und Marokko am vergangenen Samstag ein Duell zwischen einem christlichen Prediger und einer Gruppe von Muslimen.

Als der Prediger den vorbeilaufenden marokkanischen Fans zuruft, Jesus sei auch der König der Muslime und wer ihn nicht liebe und achte, dem drohe die Hölle, reagieren einige nordafrikanische Fans wütend. Plötzlich hallen "Lügner, Lügner"-Rufe aus der Menge. Auch üblere Beschimpfungen sind zu hören. Ein anderer lässt den Propheten Mohammed hochleben. Dann fährt ein Marokko-Fan sein Auto herbei, dessen lautes Hupen anschließend jedes Wort des christlichen Predigers übertönt. Offenbar wird bei dieser WM nicht nur auf dem grünen Platz um den Sieg gerungen.

Religion auch Thema in Deutschland

In der Tat spielte das Thema Religion bei diesem Turnier von Anfang an eine Rolle, die es bei früheren Weltmeisterschaften so nicht gab. In Deutschland sorgte nach dem Match gegen Curaçao vor allem das gemeinsame Gebet einiger Nationalspieler beider Mannschaften für Schlagzeilen.

Dazu äußerte sich am Wochenende sogar das Erzbistum Mexiko-Stadt in einem Beitrag für das Kirchenmagazin, das als Sprachrohr der Kirche im WM-Gastgeberland gilt: "Es handelt sich um eine kraftvolle Botschaft, die von dem meistverfolgten Sportereignis der Welt ausgeht: Das Gebet verbindet uns über alle Unterschiede hinweg." Diese Szenen gehörten, so die Kirche in Mexiko, zu den besten des Turniers.

Von Tobias Käufer (KNA)