Der neue Eichstätter Bischof: Das ist Christian Würtz
Es hat etwas länger gedauert, als das Bistum ursprünglich gedacht hat. Vor rund einem Jahr vermutete der Eichstätter Diözesanadministrator Alfred Rottler, seine Diözese werde schon im Frühjahr 2026 einen neuen Bischof vorstellen können. Mit einigen Monaten Verspätung ist es nun aber so weit: Der bisherige Freiburger Weihbischof Christian Würtz wird künftig die an der Katholikenzahl gemessen kleinste der bayerischen Diözesen leiten. Und könnte dort einen etwas anderen kirchenpolitischen Kurs als sein Vorgänger einschlagen.
Die Ernennung Würtz' ist aus mehreren Gründe durchaus ungewöhnlich. Der neue Bischof stammt weder aus dem Gebiet der Freisinger Bischofskonferenz – was in Bayern, abgesehen von Ausnahmen, durchaus als die Regel betrachtet werden kann –, noch ist er ein Ordensmann. Die ungeschriebene Tradition, dass ein amtierender Bischof der Freisinger Bischofskonferenz ein Benediktiner sein solle, ist somit nicht erfüllt.
Der jüngste Diözesanbischof
Gleichzeitig ist die "Beförderung" des bisherigen Freiburger Weihbischofs nicht völlig überraschend. Denn Würtz legte bislang eine steile Kirchenkarriere hin: Nach dem Abitur entschied er sich zunächst gegen ein Theologie- und für ein Jura-Studium. Berufsziel: Richter. Die Idee, Priester zu werden, ließ ihn aber nicht mehr los. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen und noch parallel zur juristischen Promotion begann er in Freiburg sein Theologiestudium. Auch dieses schloss er mit einem Doktortitel in Kirchengeschichte ab. 2006 wurde Würtz im Freiburg zum Priester geweiht.
Nach mehreren Seelsorgestationen ernannte Erzbischof Stephan Burger Würtz 2018 zum neuen Freiburger Dompfarrer. Ein Amt, das er nicht lange ausüben sollte: Mit 47 Jahren wurde der gebürtige Karlsruher 2019 zum Weihbischof geweiht – als damals jüngster Bischof Deutschlands. Künftig wird der 55-Jährige künftig der jüngste Diözesanbischof Deutschlands sein.
Von 2006 bis 2025 leitete Bischof Gregor Maria Hanke das Bistum Eichstätt. Sein Nachfolger könnte eine ähnlich lange Amtszeit antreten.
Dass er neu in Eichstätt ist, betonte Würtz bei seiner ersten Rede im Eichstätter Dom. Er sei zuvor noch nie in Eichstätt und im Eichstätter Dom gewesen. "Wenn ich hier in den Dom blicke, sehe ich so gut wie kein bekanntes Gesicht." Für diese neue, unbekannte Aufgabe brauche es Mut. Diese hätten ihn die Gläubigen mit ihrem Applaus bereits geschenkt. Würtz stellte sich anhand dreier Bibelstellen vor, die seine Diakonen-, seine Priester- und seine Bischofsweihe geprägt haben. Zudem betonte er mehrfach, er freue sich darauf, seine Diözese und die Gläubigen nun kennenzulernen. Dass seine Ernennung am Fest des Eichstätter Bistumspatrons, des heiligen Willibalds, erfolgte, bezeichnete Würtz als "eine schöne Fügung". "So hoffe ich, dass ich mich mit meinen Erfahrungen und Fähigkeiten auch in Eichstätt beim Aufbau des Reiches Gottes einsetzen kann und mit den dortigen Menschen unterwegs sein darf."
Auch wenn er das Wort Synodalität selbst nicht verwendete, klang dabei der Wunsch nach einem synodalen Miteinander an. Als Weihbischof war Würtz selbst Teil der Synodalversammlung des Synodalen Wegs der Kirche in Deutschland. Anhand der namentlichen Abstimmungen lässt sich die Position Würtz' zu zentralen Reformthemen ablesen. So stimmte der Freiburger Weihbischof beispielsweise für eine Laienpredigt-Erlaubnis, Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, eine lehramtliche Neubewertung von Homosexualität oder die Einführung eines Synodalen Rats. Lediglich bei der Abstimmung über den Grundtext "Priesterliche Existenz heute" und den Handlungstext "Der Zölibat der Priester – Bestärkung und Öffnung" enthielt Würtz sich.
Damit hebt sich das Abstimmungsverhalten des neuen Eichstätter Bischofs deutlich von jenem seines Vorgängers ab. Der emeritierte Bischof Gregor Maria Hanke, der die Diözese Eichstätt zwischen 2006 und 2025 leitete, stimmte gegen zentrale Reformvorhaben und gehörte auch sonst zu den konservativen Kritikern des Synodalen Wegs. Genau wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Passauer Bischof Stefan Oster und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nahm Hanke nicht am Synodalen Ausschuss teil.
Suchte das Gespräch mit den Theologinnen, die sich als Priesteramtskandidatinnen beworben haben: Weihbischof Christian Würtz.
Mit Spannung dürfte also vor allem erwartet werden, ob Würtz als Eichstätter Bischof künftig an der geplanten Synodalkonferenz in Deutschland teilnehmen wird. Würtz zeigte sich bislang häufig als gesprächsbereit, aber auch realistisch bei Reformen. Als neun Theologiestudentinnen im vergangenen Jahr Bewerbungsschreiben an das Freiburger Priesterseminar richteten, zeigte sich Würtz – der neben seinem Amt als Weihbischof auch als Regens des Priesterseminars fungiert – offen für Gespräche mit den Frauen.
Zudem äußerte er Verständnis für die Forderungen der Theologinnen. Allerdings räumte er ein, dass die katholische Kirche "leider nicht alle Potenziale von Frauen ausschöpft". An eine schnelle weltkirchliche Kehrtwende glaube er nicht. "Das zu versprechen, wäre unehrlich. Aber klar ist, dass es dem gesamten Miteinander in der Kirche zugutekäme, wenn wir Frauen mehr beteiligen", sagte der bisherige Freiburger Weihbischof damals.
Finanzskandal jüngst beendet
In seiner neuen Diözese steht der ernannte Bischof vor einigen Herausforderungen. So war das kleine Bistum in den vergangenen Jahren vor allem wegen eines Finanzskandals in den Schlagzeilen. Das Gerichtsverfahren ging vor zwei Wochen mit Bewährungsstrafen gegen einen früheren leitenden Mitarbeiter der Diözese und seinen norddeutschen Geschäftspartner zu Ende. Das Bistum konnte zwar einen Teil des riskant angelegten Geldes zurückholen, steht aber dennoch vor großem Spardruck. Die damit verbundenen Maßnahmen sorgten an der Basis immer wieder für Kritik. Zuletzt sorgte etwa die Neuaufstellung der Jugendarbeit für Unmut.
Das Bistum Eichstätt steht unter großem Spardruck. Diese Maßnahmen zu vermitteln, wird eine Herausforderung für den neuen Bischof Christian Würtz sein.
Gerade in der heutigen Zeit müsse ein Bischof als Brückenbauer auftreten, sagte der Eichstätter Diözesanratsvorsitzende Christian Gärtner im vergangenen Juli in einem katholisch.de-Interview über das Profil des neuen Bischofs. "Außerdem muss es jemand sein, der es schafft, das ganze Gottesvolk mitzunehmen, bei den schwierigen Entscheidungen, die bei uns im Bistum anstehen – gerade was Sparmaßnahmen betrifft."
"Dienst an der Einheit"
Bei einer Tagung nannte Würtz 2021 übrigens bereits ganz ähnliche Eigenschaften als Zentral für das Priesteramt. So rief er Priester zum "Dienst an der Einheit" auf. Je weiter die Gläubigen voneinander entfernt lebten, desto wichtiger sei es, dass sie Gemeinschaft erlebten. "Und je unterschiedlicher sich die Meinungen in unserer pluralen Zeit ausdifferenzieren, desto wichtiger ist die Aufgabe, die Vertreter der unterschiedlichen Ansichten zusammenzubringen und die Einheit zu wahren", so Würtz. Der Veranstalter der Tagung? Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Auf die Frage, was die wichtigste Aufgabe des neuen Eichstätter Bischofs sein würde, sagte Diözesanadministrator Rottler im vergangenen August: "Das Thema Synodalität muss ganz oben auf der Agenda eines neuen Bischofs stehen." Ob Würtz die an ihn gestellten Erwartungen ausfüllen kann, wird sich zeigen. Erste Anklänge daran gab es bereits in seiner ersten Rede als ernannte Bischof. Und Zeit genug dürfte Würtz haben: Bis zum Erreichen der bischöflichen Altersgrenze von 75 Jahren dauert es beim jüngsten Diözesanbischof Deutschlands noch rund 20 Jahre.
