Segen für homosexuelles Paar? Kardinal Radcliffe klärt Rolle bei Messe
Der britische Kardinal und Dominikaner Timothy Radcliffe hat seine Rolle bei einem Dankgottesdienst eines homosexuellen Paares klargestellt. Er habe an keiner förmlichen Segnung der Beziehung teilgenommen, sagte Radcliffe am Wochenende dem Portal "AdVaticanum". "Ich habe niemandem einen Segen erteilt und war mir auch nicht bewusst, dass Segnungen erteilt werden sollten", so der Kardinal wörtlich.
Mitte Juni hatte ein schwules Paar, das sich 1976 kennengelernt und sich in der Seelsorge für LGBTQ-Personen engagiert, in London eine "Dankesmesse für 50 Jahre Freundschaft, Partnerschaft und Engagement im Streben nach Gerechtigkeit" gefeiert. Radcliffe, der sich selbst seit Jahrzehnten in der Seelsorge für queere Menschen engagiert, hielt dabei die Predigt. An dem Gottesdienst war die katholische LGBTQ-Organisation "New Ways Ministry" beteiligt. In deren Bericht heißt es, dass das Paar am Ende der Messe den Segen aller am Altar anwesenden Geistlichen erhalten habe. Dabei sei auch ein Segenstext vorgetragen worden. Auch konservative Portal griffen den Gottesdienst auf.
Der Kardinal wies deren Interpretationen zurück, wonach die Messe dazu gedacht gewesen sei, homosexuelle Beziehungen zu feiern. "Dies als solches darzustellen, hieße, sie falsch darzustellen. Dies zum Zweck der Skandalisierung zu tun, wäre moralisch falsch." Gleichzeitig kritisierte er indirekt, dass "New Ways Ministry" selbst über die Messe berichtete. "Warum die Vertraulichkeit nicht gewahrt wurde, weiß ich nicht. Es wäre also gegen den Willen der Kirche, wie ich ihn verstehe, dies durch das Verfassen von Artikeln darüber noch öffentlicher zu machen."
"Privater Anlass"
Die von der Kirche vorgegebenen Richtlinien gemäß "Fiducia supplicans" besagten, dass ein solcher Anlass privat stattfinden sollte, um keine Missverständnisse hervorzurufen, betonte Radcliffe. Es sei auch vereinbart worden, dass der Gottesdienst privat stattfinden sollte.
Auch in seiner Predigt sei er nicht auf die Beziehung des Paares eingegangen, sondern habe allgemein über Freundschaft gesprochen. "Ich habe gesagt, dass Freundschaft eine Teilhabe am Leben Gottes ist. Das ist vollkommen orthodox", so der Kardinal. "Die Messe war eine Feier aller Freundschaften."
Mit "Fiducia suppplicans" hatte das vatikanische Glaubensdikasterium im Dezember 2023 unter Papst Franziskus ein Dokument publiziert, in dem erstmals die kirchliche Segnung von Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften erlaubt wurde. Solche Segnungen sollen allerdings nicht ritualisiert und formalisiert werden, sondern kurz und spontan sein, betonte der Vatikan. (mal)
