Standpunkt

Dürftige Argumente aus Rom zur Laienpredigt sind eine Chance

Veröffentlicht am 09.07.2026 um 00:01 Uhr – Von Felix Neumann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Besonders überzeugend waren weder die Argumente aus Deutschland für die Laienpredigt noch die aus Rom dagegen. Das ist eine Chance, noch einmal theologisch nachzuschärfen, kommentiert Felix Neumann.

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Die Absage aus Rom für die Laienpredigt war erwartbar: Schon früh hatten Experten wie der Würzburger Kirchenrechtler Heribert Hallermann darauf hingewiesen, dass im Vatikan der Verweis auf Gerechtigkeit und Vielfalt in der Verkündigung nicht verfangen würde. Wenig überzeugend ist auch der Verweis auf den Priestermangel – denn wo es eine Homilie, also eine Predigt im Gottesdienst mit Eucharistiefeier, gibt, da gibt es zwangsläufig einen Priester.

Hier sprechen Rom und die Kirche in Deutschland tatsächlich unterschiedliche Sprachen. Die deutschen Gerechtigkeitsargumente werden in Rom als Themaverfehlung wahrgenommen. Die Antwort aus dem Liturgiedikasterium fällt entsprechend dünn aus und zählt im Wesentlichen die universalkirchliche Rechtslage auf. Eine etwas seltsame Strategie: Schließlich wurde ja gerade eine Abweichung vom Recht beantragt. Wenig überzeugend mutet auch das Argument der untrennbaren Verbindung der Verkündigung des Evangeliums, der Predigt und des Vorsitzes der Eucharistiefeier an. Konsequent angewendet, müsste man dann allen Diakonen das Predigen verbieten, ebenso wie allen Priestern, die der jeweiligen Messe nicht vorstehen.

Die dürftige römische Argumentation ist eine Chance. Nicht, um jetzt noch einmal mit dem Kopf durch dieselbe Wand zu wollen, sondern um die Begründung zu schärfen: Wenn man Rom von der Laienpredigt überzeugen will, dann braucht es schlüssige und anschlussfähige Argumente. Diese Argumente dürfen die Messe nicht als Instrument zur Herstellung von Beteiligung und Repräsentation verzwecken. Sie müssen den Eigenwert der Predigt durch Laien hervorheben.

Es muss theologisch und insbesondere ekklesiologisch argumentiert werden: Die Messe ist nicht Feier des Priesters, sondern Feier der Gemeinde, der der Priester vorsteht. Argumente für die Laienpredigt müssen aus dem Kirchenverständnis der Communio, der Gemeinschaft, entwickelt werden. Die Beteiligung von Laien darf nicht als möglicherweise sogar von demokratischen Sensibilitäten getriebene Gerechtigkeitsfrage präsentiert werden, sondern unter Verweis auf den in der Taufe grundgelegten Verkündigungsdienst aller Glieder des Volkes Gottes.

Von Felix Neumann

Der Autor

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten (GKP).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.