Künftige Caritas-Präsidentin: Dafür steht Schwester Katharina Ganz

Sie ist eine Kämpferin und nimmt auch vor dem Papst kein Blatt vor den Mund. Die Ordensschwester Katharina Ganz (56) tritt seit vielen Jahren für mehr Rechte von Frauen in der katholischen Kirche ein und erlangte damit bundesweite Bekanntheit. Für sie ist klar: "An der Frauenfrage entscheidet sich die Zukunft der katholischen Kirche." Das begründete sie auch in ihrem Buch "Frauen stören".
Von 2012 bis 2025 war Ganz Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen mit Niederlassungen in Deutschland, Südafrika und den USA. Am Mittwoch wurde die promovierte Theologin und Sozialpädagogin in Freiburg zur neuen Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes gewählt. Sie tritt im Februar die Nachfolge von Eva Maria Welskop-Deffaa (67) an, die die Caritas seit 2021 leitete. Sie wird nach fast zehn Jahren im Vorstand in den Ruhestand gehen.
"Knallende Ohrfeige" vom Papst
Immer wieder sorgte die Ordensfrau Ganz für Schlagzeilen, etwa 2019 bei einer Papst-Audienz in Rom für die Leiterinnen von Frauenordensgemeinschaften aus aller Welt. Dort sprach sie den Papst mit "Bruder Franziskus" an und sagte ihm, man dürfe die Frage, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können, nicht nur aus der Geschichte und der Dogmatik heraus beantworten. Der Papst antwortete mit dem Verweis auf die Offenbarung, die Katholiken zu respektieren hätten, und dem unvollendeten Satz "Aber wenn eine von Ihnen eine andere Kirche gründen will ..." Ganz nahm es erst mit Humor, bewertet es heute aber als "knallende Ohrfeige".
Weniger Paternalismus und Bevormundung, das ist ihr Credo. In einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Ganz 2019: "Kommunikation in der katholischen Kirche geschieht asymmetrisch von oben nach unten. Und die Deutungshoheit über das, was Kirche ist, haben ausschließlich geweihte Männer. Also müssen Frauen die Machtfrage stellen."
Seit 2021 ist Eva Maria Welskop-Deffaa Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Im kommenden Februar geht sie in den Ruhestand.
Schwester Katharina ist Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Beim Synodalen Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland wirkte sie unter anderem im Frauen-Forum mit.
Die künftige Caritas-Präsidentin mit dem einnehmenden Lachen kam 1970 in Franken zur Welt und wuchs als Erika Ganz in einer Messner-Familie auf. Kirche habe sie damals als Ort der Freiheit und Entfaltung erlebt. Und Erika hatte schon früh Entfaltungsdrang: "Ich komme vom Dorf und wollte immer weg vom Dorf", erzählt sie. Ihre Motivation sei Bildung gewesen. "Als erstes Mädchen aus unserm Dorf bin ich aufs Gymnasium gegangen. Das war nicht selbstverständlich."
Nach der Schule studierte sie Theologie in Würzburg, wo sie mit feministischer Theologie in Berührung kam, und bald auch Sozialpädagogik: "weil ich sehr bald gemerkt habe, als Frau in der Kirche brauchst du ein zweites Standbein."
„Von den geistigen Fähigkeiten ist der Wille immer mein starker Motor gewesen.“
Während des Studiums führte ein Praktikumsjahr Ganz in eine Missionsstation französischer Ordensleute in der Zentralafrikanischen Republik. Eine Zeit, die sie prägte. Dort entdeckte sie die franziskanische Spiritualität für sich: "mitten in der Welt zu sein, bei den Armen und nicht zurückgezogen in einem Kloster zu leben." 2002 trat sie in Würzburg bei den Oberzeller Franziskanerinnen ein.
Sie arbeitete zunächst mehrere Jahre als Sozialpädagogin im Antonia-Werr-Haus des Ordens für Frauen in Krisensituationen. Dort begleitete sie unter anderem Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Später leitete sie das Bildungshaus im Kloster Oberzell und wurde 2013 schließlich zur Leiterin, zur Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen gewählt.
Clownerie-Fortbildung
"Ich bin immer ins kalte Wasser geworfen worden, und oft war ich überfordert", sagt sie rückblickend. "Aber ich bin an den Aufgaben gewachsen." Ganz hat Stehvermögen. "Von den geistigen Fähigkeiten ist der Wille immer mein starker Motor gewesen."
Als sie im vergangenen Sommer das Amt der Generaloberin abgab, nahm sie sich danach eine Auszeit und pilgerte in Italien auf den Spuren des Heiligen Franziskus. Es sei ihr auch um ein bewusstes Loslassen der eigenen Macht gegangen, erzählte sie in einem Podcast im März. Zudem habe sie eine Clownerie-Fortbildung gemacht. Gefragt, was nun komme, antwortete Schwester Katharina: "Ich glaube, dass das Leben noch viele Überraschungen bringt, und ich freue mich, hoffentlich auch in Kirche, Gesellschaft – und Politik vielleicht weiter meine Stimme zu erheben."