Wenn die Sonne brennt: Was die Bibel über Hitze erzählt

Nach ein paar kühleren Tagen kehrt die Sommerhitze an diesem Wochenende langsam nach Deutschland zurück. Vielerorts soll das Thermometer in den nächsten Tagen wieder deutlich über 30 Grad Celsius steigen – mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Alltag. Der Weg zur Arbeit dürfte dann wieder zur kleinen Wüstenwanderung werden, Ventilatoren im Dauerbetrieb laufen und der Schatten unter dem nächsten Baum wie ein Geschenk des Himmels wirken.
Doch auch wenn der fortschreitende Klimawandel die Zahl der Hitzetage in den vergangenen Jahren deutlich in die Höhe getrieben hat, sind Hitzewellen an sich kein neues Phänomen. Auch die Menschen in biblischer Zeit kannten bereits sengende Sonne, ausgetrocknete Landschaften und schweißtreibende Arbeit – vermutlich sogar besser als der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts, der sich mit Klimaanlage oder Ventilator auch an den heißesten Tagen zumindest etwas Abkühlung verschaffen kann.
Mühsal, Prüfung und Gottes Schutz
Hitze, Sonne und die daraus folgenden Herausforderungen tauchen in der Bibel immer wieder auf. Mal ganz konkret, mal als Bild für Mühsal, Prüfung oder Gottes Schutz. Wer die Heilige Schrift genauer liest, merkt schnell, dass sich darin viele Analogien finden lassen zu den Hitzetagen der Gegenwart.
Wenn es ums Schwitzen geht, führt etwa kein Weg an einem biblischen Satz vorbei, der längst Eingang in die Alltagssprache gefunden hat. Nach dem sogenannten Sündenfall sagt Gott zum Menschen: "Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen" (Gen 3,19). Der Satz wird oft so verstanden, als sei Arbeit grundsätzlich eine Strafe Gottes. Tatsächlich erzählt die Bibel aber etwas anderes: Schon im Garten Eden soll der Mensch den Garten bebauen und hüten, Arbeit gehört also von Anfang an zum Menschsein.
Nach dem sogenannten Sündenfall sagte Gott zum Menschen: "Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen."
Neu ist nach dem Sündenfall jedoch ihre Mühsal. Der Acker trägt seine Früchte nicht mehr wie selbstverständlich, Dornen und Disteln wachsen, und das tägliche Brot verlangt Anstrengung. Der Schweiß ist hier deshalb weniger das Ergebnis hoher Temperaturen als ein Symbol für die Erfahrung, dass das Leben Kraft kostet. Das macht den Satz bis heute aktuell. Wer bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Bau arbeitet, Pakete ausliefert oder den Garten gießt, dürfte ihm spontan zustimmen.
Einen heißen Tag erlebt auch Abraham. Als Gott ihn in Gestalt dreier Männer bei den Eichen von Mamre besucht, sitzt Abraham "bei der Hitze des Tages" am Eingang seines Zeltes (Gen 18,1). Man könnte meinen: Verständlich, bei großer Hitze strengt man sich besser nicht zu sehr an. Doch trotz der hohen Temperaturen geschieht Entscheidendes: Abraham empfängt die Besucher, bewirtet sie großzügig und erhält die Verheißung, dass seine Frau Sara einen Sohn bekommen wird. Die Szene zeigt, dass Begegnungen mit Gott nicht immer unter idealen Bedingungen stattfinden. Manchmal kommen sie gerade dann zustande, wenn man sich – wie Abraham – wegen großer Hitze am liebsten gar nicht bewegen möchte.
Gott als Schatten vor glühender Hitze
Obwohl in Deutschland in den vergangenen Tagen viele Menschen angesichts des eher regnerischen Wetters sehnsüchtig auf die Sonne warteten, ist eine allzu intensive Sonneneinstrahlung mitunter gefährlich oder sogar lebensbedrohlich – auch schon in biblischer Zeit. Wer stundenlang zu Fuß unterwegs war, brauchte zwingend Wasser, Schatten und Gottes Hilfe. Psalm 121 verwendet dafür ein eindrückliches Bild: "Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden noch der Mond in der Nacht" (Ps 121,6). Der Psalm beschreibt Gottes Schutz bei Tag und Nacht. Gott wird in dem Psalm zum "Schatten zu deiner Rechten" – ein Bild, das auch an heutigen Hitzetagen tröstlich sein kann. Der Prophet Jesaja greift das Motiv auf. Gott ist bei ihm "ein Schatten vor glühender Hitze" (Jes 25,4). Der Schatten, den man an heißen Tagen instinktiv sucht, ist auch bei ihm ein Bild für Gottes Nähe.
Sengender Sonne ausgesetzt ist in der Bibel schließlich auch Jona. Der ist heute zwar vor allem deshalb bekannt, weil er von einem großen Fisch verschluckt wurde und drei Tage und Nächte im Bauch des Tieres blieb. Das Ende des Buches Jona spielt jedoch nicht am Meer, sondern unter brennender Sonne vor den Toren Ninives. Gott hatte der Stadt wegen ihrer "Schlechtigkeit" eigentlich ein Strafgericht angedroht – sie dann aber doch verschont. Darüber ärgert sich Jona, weshalb er Ninive schließlich zornig verlässt und sich vor der Stadt niedersetzt. Wörtlich heißt es dann: "Er machte sich dort ein Laubdach und setzte sich in seinen Schatten, um abzuwarten, was mit der Stadt geschah" (Jon 4,5).
Der Prophet Jona ist vor allem dafür bekannt, dass er von einem großen Fisch verschluckt wurde.
Gott unterstützt Jona, indem er einen Rizinusstrauch wachsen lässt, der zusätzlichen Schatten spendet. Der Prophet freut sich darüber – allerdings nur für kurze Zeit. Am nächsten Morgen verdorrt die Pflanze, weil Gott einen Wurm geschickt hat. Doch nicht nur das: "Als die Sonne aufging, schickte Gott einen heißen Ostwind" (Jon 4,8). Die Sonne brennt auf Jonas Kopf, der Schatten ist verschwunden, und der Prophet verzweifelt. Es geht in dieser Geschichte allerdings nicht um Pflanzen- oder Wetterkunde. Gott zeigt Jona, wie widersprüchlich dessen Mitgefühl ist: Um einen Strauch trauert er, für die zur Buße bereiten Menschen in Ninive empfindet er dagegen keine Barmherzigkeit.
Das Buch Jesus Sirach wiederum beschreibt mit eindrücklichen Worten die Kraft der Sonne: "Zur Mittagszeit trocknet sie den Boden aus, wer wird bestehen vor ihrer Glut? Wer in einen Ofen bläst bei Arbeiten mit Glut – dreimal so stark versengt die Sonne Berge; sie atmet Feuerdämpfe aus und blendet mit gleißenden Strahlen die Augen" (Sirach 43,3-4). Diese Beschreibung ist jedoch nicht etwa als Klage über zu große Hitze zu verstehen, sondern als Staunen über die Schönheit und Macht der Schöpfung. Die Sonne, "ein wunderbares Geschöpf, ein Werk des Höchsten" (Sirach 43,2), spendet Leben – und erinnert zugleich daran, dass der Mensch ihre Kraft nicht beherrscht.
"Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!"
Und Jesus Christus? Auch er kennt die Sommerhitze. Das Johannesevangelium etwa erzählt von Jesu Besuch in der Stadt Sychar in Samarien. Müde vom langen Weg dorthin und wohl auch angestrengt von der Mittagssonne setzt er sich an den Jakobsbrunnen. "Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!" (Joh 4,5-7). Diese Aussage des Gottessohnes erinnert daran, wie wichtig es ist, bei großer Hitze viel zu trinken – etwas, das heutzutage vor allem alte Menschen oftmals vergessen, was schnell lebensbedrohlich werden kann. Auch der bekannte Benediktinerpater und Buchautor Anselm Grün erklärte jüngst in einem katholisch.de-Interview, dass er sich bei hohen Temperaturen dazu anhalten müsse, ausreichend zu trinken. "Meistens trinke ich einfach Leitungswasser. Das ist unkompliziert und immer verfügbar", so der 81-Jährige.
Die Bibel kennt keine Klimaanlagen und keine Ventilatoren. Aber sie kennt Menschen, die schwitzen, erschöpft sind, Schatten suchen, Durst haben und mitunter nicht mehr weiterwissen. Vielleicht wirken die entsprechenden Geschichten deshalb teilweise so vertraut. Denn auch wenn heute Wasser aus dem Hahn kommt und die Wetter-App vor der nächsten Hitzewelle warnt, haben sich manche Erfahrungen kaum verändert. Noch immer tut ein schattiger Platz gut und noch immer braucht der erschöpfte Mensch manchmal zuerst ein Glas Wasser und eine Pause. Die biblischen Texte erzählen aber auch davon, dass Gott gerade dort nahe sein kann, wo die Sonne besonders erbarmungslos scheint.