Standpunkt

Kirchen sind heilige Zufluchtsorte vor Hitze

Veröffentlicht am 10.07.2026 um 00:01 Uhr – Von Dominik Blum – Lesedauer: 

Bonn ‐ In der Hitze der vergangenen Tage hat Dominik Blum Bauarbeiter und Büroangestellte für eine Pause in die kühle Kirche eingeladen. Die Reaktionen geben ihm zu denken. Er sieht einen klaren Auftrag für die Kirchen.

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Dass die Hitze der letzten Junitage mit All-time-Rekordtemperaturen in Deutschland anstrengend und extrem gesundheitsschädlich ist, konnte jeder und jede am eigenen Leib erfahren. An produktives Arbeiten war ebenso wenig zu denken wie an erholsames Schlafen. Auch die Sterblichkeit steigt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben zwischen dem 22. und dem 28. Juni in Deutschland 5.655 Personen mehr als im Mittel der vergangenen drei Jahre.

In der Gluthitze sind neben der Kirche in unserer kleinen Stadt Arbeiter mit der Sanierung einer Straße beschäftigt. Als ich ihnen vorschlage, ihre Mittagspause doch in der kühlen Kirche zu verbringen, schauen Sie mich an, als hätte ich ihnen ein äußerst unseriöses Angebot gemacht. Ähnlich ergeht es mir mit einem Kollegen aus dem benachbarten Büro der Stadtverwaltung. Er steht verzweifelt mit Brötchen und Getränk auf dem flimmernden Kopfsteinpflaster und sucht nach einem Schattenplatz. Ja, er wisse, dass die Kirche schön kühl ist. Aber dort könne er ja seinen Mittagsimbiss nicht verzehren – oder etwa doch?

Städte und Kommunen sind aufgerufen, sich klimafit zu machen und mit Hitzeaktionsplänen die Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Sogar die WHO veranstaltet einen Hitzeaktionstag unter dem Motto "Gemeinsam vorsorgen für Extremhitze", an dem sich mit EKD (#kühlekirche) und Caritas auch kirchliche Einrichtungen beteiligen.

Die kühlsten Orte in der Stadt, an denen man nicht gezwungen ist, in Badehose herumzulaufen, sind unsere Kirchengebäude. Wir sollten sie also aktiv in die kommunalen Konzepte zum Hitzeschutz einbringen. Der Landkreis Osnabrück hat Kirchengebäude kürzlich sogar als 'Zufluchtsorte' bei Hitze bezeichnet. Dafür müssen die Kirchen tagsüber geöffnet sein und Bauarbeiter und Büroangestellte ihre Scheu verlieren, die heiligen Hallen auch dann zu betreten, wenn sie nicht beten, sondern sich nur abkühlen wollen. Da hilft manchmal ein Schild an der Tür, ein einladendes Wort und vielleicht eine Kiste Mineralwasser für alle im Mittelgang.

In der Pfingstsequenz aus dem 11./12. Jahrhundert heißt es über den Heiligen Geist: "In der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu." Das ist nicht nur symbolisch gemeint.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum ist Pfarrbeauftragter in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.