"Nicht im Namen und mit Erlaubnis der Erzdiözese"

Katholische Kirche distanziert sich von Priester mit Nähe zu Orban

Veröffentlicht am 10.07.2026 um 14:35 Uhr – Lesedauer: 

Budapest ‐ Lange pflegte Ungarns katholische Kirche ein enges Verhältnis zur Orban-Regierung. Nach dessen Abwahl ist die Leitungsebene nun dabei, sich politisch neu zu orientieren. Das bleibt nicht ohne Folgen.

  • Teilen:

Das Erzbistum Esztergom-Budapest hat sich öffentlich von einem Priester aus dem Umfeld von Ungarns Ex-Regierungschef Viktor Orban (Foto oben) distanziert. Laut Medienberichten hatte Zoltan Osztie mit einer Reihe politischer Äußerungen Aufsehen erregt. Dabei habe er "nicht im Namen und mit Erlaubnis der Erzdiözese, sondern in eigener Sache" gesprochen, hieß es in einer Erklärung der Kirche.

Ungarns Parlament soll nächste Woche über eine Verfassungsänderung abstimmen, durch die Staatspräsident Tamas Sulyok und mehrere Verfassungsrichter ihr Amt verlieren dürften. Osztie bezog auf einer Protestkundgebung Stellung gegen die geplante Reform. Dabei kritisierte er die Politik des neuen Ministerpräsidenten Peter Magyar. Der Geistliche soll überdies in der Vergangenheit wiederholt durch seine Nähe zum inzwischen abgewählten Regierungschef Orban aufgefallen sein.

Die Erzdiözese kritisierte den Auftritt des Priesters und rief ihn zur Ordnung: Es sei nicht seine Aufgabe, sich in die Tagespolitik einzumischen. Kritiker warfen der katholischen Kirche in Ungarn seit Jahren Nähe zur Orban-Regierung vor. Im jüngsten Wahlkampf hatten sich mehrere Priester positiv über die damalige Regierung geäußert, obwohl die nationale Bischofskonferenz sie zu Neutralität aufgerufen hatte. (KNA)