Sie hätten "ihre Freiheit völlig verloren"

Theologin kritisiert Orbán: Kirchen finanziell abhängig gemacht

Veröffentlicht am 09.04.2026 um 10:43 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Verkaufen Ungarns Kirchen ihre Freiheit? Kirchenfinanzierung gibt es in Ungarn nur noch, wenn Kritik ausbleibt, betont die Theologin Rita Perintfalvi. Warum sie auf die Wahl am Sonntag hofft.

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Die Kirchen in Ungarn haben nach Meinung der katholischen Theologin Rita Perintfalvi "ihre Freiheit völlig verloren". Das sagte die Kritikerin von Ungarns Präsident Viktor Orbán der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche" (Ausgabe von Donnerstag). Sie bezeichnete die Situation als "unhaltbar" – denn Orbán mache seine finanzielle Unterstützung der Kirchen davon abhängig, dass sie keinen Widerspruch zu seiner Politik äußerten. "Die Kirchen sind also finanziell völlig abhängig von ihm."

Es gebe in Ungarn eine starke Allianz zwischen christlichen Fundamentalisten und Rechtspopulisten. Allerdings sei die sichtbare Unterstützung der katholischen Kirche für Viktor Orbán und die Fidesz-KDNP-Parteikoalition vor der aktuellen Wahl geringer als noch 2022. Viele Priester und Bischöfe hätten gemerkt, dass Orbán die Wahl wahrscheinlich verlieren werde. Nach Auffassung Perintfalvis bauten sie so vor für die Zeit danach: "Es ist also in erster Linie Opportunismus. Ich glaube, es gibt nur sehr wenige Kleriker, die den extrem schädlichen und gefährlichen Charakter des Orbán-Regimes wirklich erkannt haben", sagte die Theologin.

Ungarn bald auf EU-Kurs?

Perintfalvi sieht die am 12. April anstehende Wahl als "allerletzte Chance für Ungarn, sich von Russland und Putin zu entfernen und sich zurück in Richtung Europäischer Union zu bewegen". Sie habe Hoffnung, "dass es dieses Mal klappen kann".

Perintfalvi war als bekannte Kritikerin Orbáns bereits Anfeindungen ausgesetzt: "Ich war Gegenstand einer organisierten Verleumdungskampagne vieler Orbán-naher, rechter Medien, vier rechtsextremer Nachrichtenportale und fast eines Dutzends von Orbán bezahlter Influencer", berichtet die Theologin. Diese hätten ihren Namen, ihre Persönlichkeit und ihre theologischen Qualitäten "mit einem extrem ekelhaften pornografischen Film" in Verbindung gebracht. "Das war für mich persönlich sehr traumatisch", sagte sie. Umso mehr habe sie sich über die große öffentliche Unterstützung durch Politiker, Künstler, Schriftsteller und Menschenrechtsaktivisten gefreut. Ende März wurde Perintfalvi für ihr Engagement in Luzern mit dem Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche ausgezeichnet. (KNA)