Das Gleichnis vom Sämann: Ein Bild, das niemals alt wird
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Im heutigen Evangelium gibt es viel zu lesen und zu denken. Es ist ein unglaublich anschaulicher Text, der mich anspricht, denn meine Gedanken wandern sofort in meinen Alltag. Ich denke, das ist genau die Intention von Jesus: erfahrt und erkennt Gott in eurem täglichen Tun.
Zu der Zeit Jesu konnten wohl die meisten Menschen die Körner in der Hand spüren, die Felder vor sich sehen und die Geschichte nachvollziehen. Aber eben noch nicht in all ihrer Tiefe. Das, so sagt er, würden nur die Jünger tun und damit "Frucht bringen", eine Frucht, die mich heute noch Christin sein lässt. Die Jünger haben ihn erlebt, jeden Tag, in den unterschiedlichsten Situationen, im ganz normalen Tun: umherwandern, essen, Menschen begegnen, sich waschen, schlafen… . Einen Jesus, den wir so leider nicht kennen. Wir hören nur die Geschichten über ihn, die es in die Bibel geschafft haben, so wie die vom Sämann.
Ich saß selber schon am See Genezareth und sehe die Landschaft und die Menschen vor mir. Für mich ist auch das Bild der Aussaat immer noch fassbar, da ich gerne im Garten arbeite. Da geht die Saat auch nicht immer so auf, wie ich es mir vorstelle. Ich säe etwas aus … und es kommt nichts oder es wächst schnell, schießt in die Höhe, ohne dass sich eine Knolle ausbildet und ich etwas ernten kann. Und dann wachsen Pflanzen einfach wunderschön und bringen reiche Ernte. Ein Bild, was niemals alt wird.
Mir würde Jesus das Gleichnis vielleicht mit Beispielen aus meinem Erziehungsalltag erzählen: du sagst einer Neunjährigen, was sie morgens vor der Schule zu tun hat. Sie hört nicht, weil anderes wichtiger erscheint. Der Zehnjährigen versuchst du eine Aufgabe zu erklären – sie macht sie richtig, aber beim nächsten Mal geht es wieder schief. Und dann machen beide etwas wunderbares und du bist stolz auf sie. So vielleicht.
Manchmal ist das, was ins Herz geht, was vom Leben und von Werten verstanden wird, nicht verbal. Es sind die Gesten, Handlungen, Gefühle und Erlebnisse, der richtige Zeitpunkt, der Ton. Jesus war da authentisch und ein offenes Buch, so viel mehr als seine Gleichnisse. Die Jünger haben durch das Leben mit ihm gelernt und so verstanden was er sagen will.
Der Großteil von uns muss sich ein Leben lang abmühen und dahinwachsen … und sich durch so einen bildhaften Text bewegen lassen, um wieder ein Stück mehr von diesem Gott zu verstehen.
Genießen Sie diese Bilder der Aussaat und kommen ins nachdenken, was ihre "Felder und Saaten" sind.
Evangelium nach Matthäus (Mt 13,1–23)
An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!
Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen. An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesájas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen und sich bekehren und ich sie heile.
Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet. Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen. Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt; er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall. In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht. Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht –hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.
Die Autorin
Schwester Jordana Schmidt OP ist gelernte Familientherapeutin und Diplom-Heilpädagogin. Seit 1994 gehört sie den Dominikanerinnen von Bethanien an. Von 2002 bis 2012 arbeitete sie als Erziehungsleiterin im Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel und war zwischen 2012 und 2020 Kinderdorfmutter. Heute lebt sie als SPLG Mutter (Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften) mit zwei Kindern in Krefeld. Momentan sie ist mehrmals im Jahr im Radio bei "Kirche im WDR" zu hören. Ihre Bücher "Auf einen Tee in der Wüste" und "Ente zu verschenken" waren wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.
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