CDU-Europapolitiker Peter Liese

Ein Katholik im Einsatz für die Pille für den Mann

Veröffentlicht am 14.07.2026 um 00:01 Uhr – Von Nicola Trenz (KNA) – Lesedauer: 

Brüssel ‐ Gel, Tablette, Pille: Neue Verhütungsmittel speziell für Männer könnten bald Realität werden. EU-Parlamentarier Peter Liese setzt sich dafür ein – auch aus religiöser Überzeugung.

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Mehr Verhütungsmöglichkeiten für Männer – dafür setzen sich mehrere Abgeordnete des Europaparlaments ein. Eine treibende Kraft ist der CDU-Politiker und Arzt Peter Liese. Er will bessere Bedingungen für die Entwicklung neuer Mittel wie der "Pille für den Mann".

Der 61-Jährige sieht einen Mangel: "Meist muss die Frau verhüten mit hormonellen Mitteln wie der Pille, die viele nicht gut vertragen. Die Belastung wird also entweder auf die Frau abgewälzt oder es bleiben Alternativen, die entweder nicht so sicher verhüten oder dauerhaft sind, also Kondome oder eine Vasektomie."

Mehrere Präparate gelten derzeit als vielversprechend. Am weitesten in der klinischen Prüfung ist ein Verhütungsgel, das Männer täglich auf Schulter oder Brust auftragen können. Auch eine Tablette ohne Hormone wird erprobt.

Briefe nach Berlin und Brüssel

Gemeinsam mit seinem CDU-Parlamentskollegen Christian Ehler hat Liese Briefe an die EU-Kommission und die deutsche Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) geschickt. Die Kommission solle mehr Geld für Forschung zu männlicher Verhütung bereitstellen. Bär, die bereits auf nationaler Ebene Impulse für mehr Forschung und Entwicklung gesetzt hat, möge das Thema auch auf europäischer Ebene hervorheben.

Im Europäischen Parlament wird gerade an einem Gesetzespaket gearbeitet, das die biomedizinische Forschung stärken soll – unter anderem sollen Medikamentenzulassungen schneller werden. Liese strebt an, dass in diesem "Biotech Act" auch Verhütungsmittel für den Mann explizit genannt werden. Einen Änderungsantrag hat er in dieser Woche auf den Weg gebracht – unterstützt von einzelnen Politikern aus der liberalen und sozialdemokratischen Fraktion – darunter die Parlamentsvizepräsidentin und ehemalige Bundesministerin Katarina Barley (SPD).

Liese und Barley wandten sich schon im September gemeinsam an die Europäische Arzneimittelagentur EMA. Denn Forschende, die Verhütungsmittel für Männer entwickeln, bewegen sich auf Neuland – und haben keine klaren Leitlinien für eine Marktzulassung. Neu ist zum Beispiel die Frage, wie streng Nebenwirkungen bewertet werden, wenn der Mann das Mittel nimmt, mit der Frau aber eine andere Person den Hauptnutzen hat.

„"Wer katholisch ist, kann nicht gegen die Pille für den Mann sein"“

—  Zitat: Peter Liese

Die EMA antwortete im Oktober: Anfragen habe es bisher nicht gegeben; Leitlinien entwickele man erst, wenn Entwickler mit neuen Medikamenten konkrete Fragen stellten. Ende 2025 brachte Liese Vertreter der EMA und der Forschenden zu einem Austausch in Brüssel zusammen. "Die EMA hat das Thema jetzt auf dem Schirm", sagt er – klarere Orientierung fehle aber weiterhin.

Liese denkt bei seinem Einsatz nicht nur an Frauen und Paare. Der Katholik sieht in besserer Verhütung auch eine Möglichkeit, ungewollte Schwangerschaften und dadurch Abtreibungen zu verhindern. Denn nach katholischem Verständnis beginnt menschliches Leben bereits mit der Zeugung. Die menschliche Würde und das Recht auf Leben gelten demnach also bereits zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft.

Knapp jede siebte Schwangerschaft in Deutschland ist einer Studie zufolge ungewollt. Fast die Hälfte davon wird abgebrochen. Weltweit ist laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung etwa jede zweite Schwangerschaft ungeplant. "Wer katholisch ist, kann nicht gegen die Pille für den Mann sein", meint Liese, der auch im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) aktiv ist, dem höchsten Gremium von Laien der katholischen Kirche in Deutschland. Denn solche Verhütungsmittel verhinderten die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle – also bevor menschliches Leben entstehe. "Wirklich 150 Prozent davor", so Liese.

Katholische Kirche: Sex zur Fortpflanzung

Nach katholischer Lehre muss Sex indes immer auch offen für Fortpflanzung sein – künstliche Verhütungsmittel werden abgelehnt. Dem hält Liese entgegen, dass die Kirche mittlerweile etwa die sogenannte natürliche Familienplanung bewerbe. Dabei meiden Paare fruchtbare Tage. Er würde sich für die Zukunft noch mehr Offenheit wünschen. "Verhütung für den Mann ist nach dem aktuellen Stand der Forschung eine sehr sichere und nebenwirkungsarme Möglichkeit der Familienplanung", betont der Politiker. "Und ich finde, dass auch aus katholischer Sicht nichts dagegen spricht, aber vieles dafür."

Von Nicola Trenz (KNA)