Zeitung: DNA-Test schließt Vaterschaft von Kardinal Hengsbach aus
Nun herrscht Klarheit: Ein 62-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen ist nicht der Sohn des verstorbenen Essener Kardinals Franz Hengsbach. Rechtsmediziner schließen eine Vaterschaft nach einem DNA-Test aus, wie die "Neue Ruhr Zeitung" am Dienstag berichtete. Für die Analyse hatten zwei Neffen von Hengsbach eine Speichelprobe abgegeben. Die Zeitung zitierte aus dem Abstammungsgutachten des Instituts für Rechtsmedizin an der Uniklinik Münster. Demnach stimmten bei den Neffen alle 23 untersuchten DNA-Merkmale überein, bei dem vermeintlichen Sohn jedoch wichen sie ab. Somit sei auch die Vaterschaft auszuschließen.
Missbrauchsvorwürfe
Gegen Hengsbach, der das Ruhrbistum von 1958 bis zu seinem Tod 1991 leitete, liegen Missbrauchsvorwürfe vor. Eine historisch-sozialwissenschaftliche Studie bewertet die Schilderungen von vier Betroffenen als plausibel. Demnach soll der Kardinal gegen mindestens drei jugendliche Mädchen und einen Jungen sexuelle Gewalt verübt haben. Die Mutter des heute 62-jährigen vermeintlichen Sohnes zählt nicht zu den Betroffenen in der Studie.
Der Mann hatte aufgrund verschiedener biografischer Hinweise vermutet, Hengsbach könnte sein Vater sein. Ende 2024 bat er das Bistum Essen um Unterstützung. Eine Anfrage des Bistums nach einer möglichen Exhumierung der sterblichen Überreste des Kardinals lehnte die Stadt Essen jedoch ab. Ein DNA-Abgleich lasse sich auch anders bewerkstelligen. Auch müsse sich zunächst ein Familiengericht mit dem Fall befassen, hieß es damals.
Die zwei Neffen Hengsbachs bestanden laut Medienberichten ebenfalls darauf, die Abstammungsfrage über ein offizielles Verfahren beim Familiengericht zu klären. Das Verfahren endete laut der "Neuen Ruhr Zeitung" mit einem Vergleich – und mit der Beauftragung des DNA-Tests, dessen Ergebnis nun vorliegt. Das Bistum Essen äußerte sich auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorerst nicht dazu. (KNA)
