Theologe Zulehner: Vatikan-Predigtverbot für Laien wird nichts nützen
Die jüngste vatikanische Bestätigung des Predigtverbots für Laien sieht der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner kritisch. Ein solches Verbot für Eucharistiefeiern werde langfristig nichts nützen, sagte Zulehner im Interview des Magazins "Kirche In" (Ausgabe Juli/August). Ungeschickt sei aber auch die Vorgehensweise der deutschen Bischöfe gewesen, die sich mit einer entsprechenden Anfrage an Rom gewandt hatten, urteilt der Theologe.
Es könnte sein, so Zulehner, dass es eine Entwicklung wie bei den Ministrantinnen geben werde. "Diese waren auch verboten, aber dienten zumeist weiter am Altar. Heute stoßen sich nur noch wenige daran, dass Frauen als Messdienerinnen im Altarraum auftauchen." Manche Dinge entwickelten sich einfach. Die Steuerungsversuche vatikanischer Behörden seien nur mehr begrenzt wirksam.
Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) sei vielleicht zu optimistisch gewesen, als sie die Anfrage nach Rom richtete, glaubt Zulehner. Sie hätte besser einfach den Entwicklungen in den Gemeinden vertrauen können und gar nichts fragen sollen. Ihm sei sonst nicht bekannt, so der Wiener Pastoraltheologe, "dass eine solche antiquierte Anfrage von einer anderen Bischofskonferenz gestellt worden ist". Zulehner rät jedenfalls den Bischöfen in Österreich, in der Frage nicht aktiv zu werden.
"Predigt zur Gottesdienstentwöhnung"
Zulehner beobachtet, auch an sich selbst, dass "die Qualität der Predigt zu wünschen übrig lässt". Das belege auch eine kürzlich durchgeführte Studie der Universität Wien. Die Predigt erscheine so als eine Art "Gottesdienstentwöhnungsmaßnahme", so der Theologe: "Ich gestehe, dass ich mich nicht selten mit autogenem Training über eine Predigt hinwegretten muss."
Es sei ziemlich schräg und weltfremd zu meinen, schreibt Zulehner, dass eine Predigt allein schon dadurch wirke, dass der Prediger ordiniert ist. Auch gebe es vielfach ein Sprachproblem, wenn die Muttersprache von Priestern nicht deutsch ist. (KNA)
