Leihmutter-Affäre

Jesuit sieht Rücktritt von Jens Spahn als unausweichlich

Veröffentlicht am 17.07.2026 um 17:11 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ Umstrittene Immobilienkäufe, Spendendinner während Corona, die Maskenaffäre – Jens Spahn hat schon viele Skandale politisch überlebt. Mit seiner Nutzung einer Leihmutter sieht der Jesuit Klaus Mertes das Maß nun als voll an.

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Der Jesuit Klaus Mertes sieht einen Rücktritt von Unions-Fraktionschef Jens Spahn als unausweichlich an. Wenn Spahn überhaupt dem Ernst des Themas und auch dem Profil seiner Partei einen Dienst erweisen wolle, werde er zurücktreten müssen, sagte der Ordensmann am Freitag gegenüber katholisch.de. "Und wenn er das nicht selbst einsieht, wird er dazu von seiner Partei aufgefordert und von seiner Fraktion abgewählt werden müssen", so Mertes weiter.

Der Schaden, den Jens Spahn anrichte, sei groß. Er habe jede seriöse Debatte über die ernsten Fragen, die mit Kinderwunsch, Leihmutterschaften und In-vitro-Fertilisation impliziert seien, damit überschattet, "dass er an seinen öffentlich geäußerten politischen Überzeugungen vorbei nun über Leihmutterschaft in den USA Vater geworden ist".

Der Jesuit sieht die Affäre in einem größeren politischen Kontext: Der Kampf um die politische Mitte entscheide sich in der CDU. "Die Linke zieht die Brandmauer immer weiter nach links, so dass sie alles, was rechts von der Brandmauer ist, als rechtsextrem framen kann; die AfD hört nicht auf, an der rechten Seite der CDU abzusaugen, was sie nur kann." In dieser Situation bleibe der CDU nichts anderes übrig, als aus eigener Kraft zu einem "erkennbar christdemokratischen Profil" zu finden: "Ob ihr das gelingt, wird sich nun nicht zuletzt daran entscheiden, wie sie in den nächsten Tagen die Krise meistert, in die Jens Spahn sie zu stürzen droht", betonte Mertes.

Kritik von Bischof Stefan Oster

Auf seiner Webseite nannte der Passauer Bischof Stefan Oster den Vorgang am Freitag skandalös: "Wenn also ein prominenter CDU-Politiker in Sachen Leihmutterschaft zur Erfüllung eigener Wünsche gegen die Gesetze des Landes und gegen die Grundlinien der eigenen Partei in dieser für unser Menschenbild so wichtigen Sache bewusst verstößt – und damit auch noch positiv werbend für Leihmutterschaft eintritt, halte ich das für einen echten Skandal." Das gelte erst recht, da Spahn ein Politiker sei, der sich öffentlich zu seinem katholischen Glauben bekannt habe. "Er hat aus meiner Sicht damit einen Schritt getan, den wir als Glaubensgemeinschaft auch in Zukunft nie werden mitgehen können", so Oster weiter.

Bischof Stefan Oster bei einem Pressegespräch
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Archivbild)

Bischof Stefan Oster ist für das Verbot der Leihmutterschaft: "Der wesentlichste Grund ist aus meiner Sicht ein Verstoß gegen die Menschenwürde."

Kritisch äußerten sich auch die Theologen Rupert Scheule und Andreas Lob-Hüdepohl. Der Regensburger Moraltheologe Scheule wies darauf hin, dass Leihmutterschaft oft mit Ausbeutung verbunden sei. Es sei ein Gerechtigkeitsproblem, wenn Eltern zu werden eine Frage des Geldes sei. Der Sozialethiker Lob-Hüdepohl wandte sich gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft. "Ich wüsste nicht, warum die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland schwerwiegende Menschenrechtsverstöße billiger und damit für noch mehr Menschen erschwinglicher machen sollte", sagte der Berliner Theologe.

Spahn meldet sich zu Wort

Ebenfalls am Freitag äußerte sich auch Spahn selbst erstmals zu der Kontroverse im Podcast des Journalisten Paul Ronzheimer. Er habe in der Frage einen Prozess durchgemacht und räumte ein, mit seinem Handeln im Widerspruch zur Haltung seiner Partei zu stehen. "Ich sehe es offenkundig anders, aber akzeptiere einen Parteitagsbeschluss meiner Partei", so Spahn. Er wolle sich der Debatte stellen und die Frage seiner Zukunft als Fraktionschef in die Hände seiner Fraktion geben. 2015 hatte Spahn in einem Interview gesagt: "Als schwuler Mann und Christ kann ich mich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden."

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Spahn mit seinem Ehemann durch eine Leihmutter in den USA Vater geworden ist. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die CDU lehnt eine Legalisierung ab und bekräftigte das zuletzt auf ihrem jüngsten Parteitag. Erste Rücktrittsforderungen aus der Partei wurden im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern und in der Frauen-Union laut. (fxn)