Der Regenbogen polarisiert – und wird vermehrt zur Zielscheibe. Erst vor kurzem sägte ein Mann in Mannheim vor einer Kirche einen Fahnenmast mit einer Regenbogenflagge ab, die dort anlässlich des "Pride Month" gehisst wurde. In diesem will die queere Community die Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt erhöhen und protestiert gegen Diskriminierung. Regenbogen und Regenbogenflaggen sind ihr wohl bekanntestes Zeichen. Die Geschichte des Regenbogens als Symbol reicht jedoch weit in die Geschichte zurück. Auch im Christentum hat der Regenbogen eine besondere Bedeutung.
Bereits im Alten Testament findet man den bunten Regenbogen vor. "Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde" heißt es etwa im Buch Genesis (9,13). In dieser Episode spricht Gott mit Noah nach dem Ende der Sintflut. Gleichzeitig ist der Regenbogen ein sichtbares Versprechen Gottes an Noah, dass es nie wieder zu einer Sintflut kommen werde: "Balle ich Wolken über der Erde zusammen und erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch, und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch verdirbt" (Gen 9, 14-16). Damit wird der Regenbogen zum Zeichen für Gottes Treue, Hoffnung und Versöhnung und steht gleichzeitig für den Bund zwischen Gott und allen Lebewesen auf der Erde.
Regenbogen in mittelalterlicher Ikonografie
Auch das Aussehen Gottes selbst wird im Buch Ezechiel mit einem Regenbogen in Verbindung gebracht. "Wie das Aussehen des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war das Aussehen des strahlenden Glanzes ringsum. Das war das Aussehen der Gestalt der Herrlichkeit des Herrn" (Ez 1,28). In der Offenbarung des Johannes erscheint der Regenbogen hingegen in der Vision vom himmlischen Thron: "Und über dem Thron wölbte sich ein Regenbogen, der wie ein Smaragd aussah" (Offb 4,3). Auch ein Engel, der aus dem Himmel hinabstieg und durch sein Rufen die Stimmen der sieben Donner auslöste, soll einen Regenbogen über seinem Kopf gehabt haben (Offb 10,1).
Bis heute zeigt sich das in der Offenbarung des Johannes gezeichnete Bild vom himmlischen Thron auch in der christlichen Kunst, vor allem in der mittelalterlichen Ikonografie. Dort wird Jesus als göttlicher Weltenrichter bei Darstellungen des Jüngsten Gerichts sitzend auf einem bunten Bogen dargestellt. Auch in einigen Kirchen selbst wird der ein oder andere Besucher bereits einen Regenbogen in Gemälden und Kirchenfenstern entdeckt haben, da sie ebenfalls die Verbindung zwischen dem Himmel und der Erde darstellen.
Häufig finden sich Regenbogen auch in christlicher Ikonografie – wie hier in einem Fresko in der Elmelunde Kirche in Dänemark.
Doch nicht nur in der Bibel und christlichen Ikonografien treten Regenbogen auf. Im Jahr 1525 kam es auf heutigen süd- und ostdeutschen Gebieten zu Aufständen von Bauern, Städtern und Bergleuten. Der Theologe Thomas Müntzer soll bewaffnete Bauern mit einer Regenbogenflagge angeführt haben – als Zeichen ihres Bundes mit Gott und der Hoffnung auf einen Aufbruch. Im 20. Jahrhundert kreierte der US-amerikanische Geistliche James William van Kirk anlässlich des Weltfriedenskongresses 1913 eine Friedensflagge mit Regenbogenstreifen, Sternen und einem Globus. Diese Tradition setzte sich mit der Friedensbewegung der 1960er Jahre fort. Während er Corona-Pandemie schmückten viele Kinder ihre Fenster mit Regenbogen als Zeichen der Hoffnung und Gemeinschaft selbst während er Isolation.
Nicht nur im Christentum, auch in anderen Religionen und Mythologien spielt der Regenbogen eine wichtige Rolle. Schon in der griechischen und germanischen Mythologie stand der Regenbogen als Symbol der Brücke zwischen den Göttern und der Erde. Bis heute bekannt ist vor allem die irische Mythologie, wonach sich am Ende eines Regenbogens ein vom Leprechaun – eine Art Fee oder Kobold – versteckter Goldschatz finden soll. Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, verehren eine Regenbogenschlange als den Schöpfer der Welt und der Lebewesen.
Unterschiede zwischen den Regenbogen
Doch wie wurde der Regenbogen zum Symbol der queeren Community? Entworfen wurde es vom Aktivisten Gilbert Baker 1977 in den USA. Im Auftrag der Stadt San Francisco entwarf er eine Flagge für die queere Community, die ähnlich der amerikanischen Flagge zum einzigartigen Symbol von Stolz werden sollte. Baker war fasziniert von der Wirkung der amerikanischen Flagge und ihrer Nutzung in der Popkultur. Vor allem aber faszinierten ihn die zusammengenähten roten und weißen Streifen, die trotz ihrer Einfachheit zum Symbol für Zusammenhalt der amerikanischen Gemeinschaft wurden. In einem Interview 2015 mit dem Museum of Modern Art erklärte Baker, dass ein Regenbogen für ihn ebenfalls diese Einfachheit der verschiedenen, zusammengesetzten Streifen besaß, gleichzeitig aber auch etwas Natürliches darstelle.
Heute symbolisieren die sechs Streifen für die queere Community verschiedene Aspekte: Rot steht für das Leben an sich, Orange für die Gesundheit, Gelb für das Sonnenlicht, Grün für die Natur, Blau für die Harmonie und Violett für den Geist. Die Regenbogenflagge durchlief sogar eine gewisse Transformation. Ursprünglich enthielt sie auch die Farben Türkis für die Kunst und Pink für die Sexualität. Jedoch war ein grelles Pink in den 1970er Jahren, als die Flagge entworfen wurde, nicht industriell herstellbar und fiel ebenso wie Türkis weg. In der Hinsicht zeigt sich auch ein direkter Unterschied zum Regenbogen des Christentums: Letzterer besitzt zusätzlich Indigo und somit sieben Farben.