Der Vatikan weist Gerüchte über einen angeblichen Freispruch des mutmaßlichen Missbrauchstäters Marko Rupnik zurück. Entsprechende Medienberichte seien "absolut unbegründet", heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des vatikanischen Presseamtes. "Die Prüfung des Falls ist noch im Gange, und das Kollegium prüft derzeit die Unterlagen, die von den betroffenen Diözesen, den Jesuiten, den Beteiligten sowie aus der Presse stammen", so die Erklärung. Am Montag hatten verschiedene Online-Medien berichtet, dass das Verfahren gegen den Ex-Jesuiten vor dem als Gerichtsbehörde fungierenden Glaubensdikasterium mit einem Freispruch beendet worden sei.
Der Vatikan weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass während des Verfahrens keinerlei Informationen über die laufenden Arbeiten mitgeteilt werden können. Weiterhin sind die Straftatbestände, die Rupnik in dem Verfahren vorgeworfen werden, nicht bekannt; die Vatikan-Mitteilung erläutert lediglich, dass für den Fall die Verjährungsfristen aufgehoben wurden.
Opferanwältin klagt über Intransparenz
Am Dienstag wandte sich die Anwältin von fünf mutmaßlichen Betroffenen, Laura Sgrò, laut der Nachrichtenagentur "Associated Press" in einem Brief an den Vatikan, um gegen die Geheimhaltung zu protestieren. Das Verfahren werde hinter so verschlossenen Türen geführt, dass die von ihr vertretenen Betroffenen keinerlei Details erfahren würden. Auch sie wüssten nicht, welche Straftaten Rupnik genau vor Gericht vorgeworfen werden.
Rupnik werden seit Jahren verschiedene Formen des Missbrauchs vorgeworfen. So soll er eine Frau der von ihm gegründeten Loyola-Kommunität zum Geschlechtsverkehr gedrängt und sie in der Beichte später selbst vom Verstoß gegen das Keuschheitsgelübde losgesprochen haben. Die aus diesem Grund festgestellte Exkommunikation Rupniks wurde kurz darauf vom Glaubensdikasterium aufgehoben. Mitte Juni 2023 wurde er aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen, nachdem er Auflagen gegen ihn offenbar ignoriert hatte. Rupnik wurde nach seiner Entlassung aus dem Orden in das slowenische Bistum Koper aufgenommen, aus dem er stammt.
Das Glaubensdikasterium führt seit Oktober 2023 ein Verfahren gegen Rupnik. Für den gerichtlichen Prozess wurden im vergangenen Oktober die Richter ernannt. Im November sagte Papst Leo XIV., dass der Prozess seine Zeit brauche: "Ich weiß, dass es schwierig ist, von den Opfern Geduld zu verlangen, aber die Kirche muss die Rechte aller Menschen respektieren." Das Dikasterium ist für bestimmte schwere Straftaten zuständig. Dazu gehören Sexualdelikte mit minderjährigen oder nicht zurechnungsfähigen Betroffenen sowie Sexualdelikte im Kontext der Beichte. (fxn)