Priester in China müssen sich zur Kommunistischen Partei und zum Sozialismus bekennen und ihr Handeln danach ausrichten. Das verlangen nun erstmals verabschiedete Verhaltensregeln für katholische kirchliche Amtsträger, über die das Magazin "China heute" (aktuelle Ausgabe) des China-Zentrums berichtet. Kirchliche Amtsträger "unterstützen die Führung der Kommunistischen Partei Chinas, unterstützen das sozialistische System, helfen der Regierung bei der Umsetzung der Politik der Freiheit des religiösen Glaubens", heißt es dort. Laut dem China-Zentrum tragen die Verhaltensregeln "eine klar politische Handschrift und enthalten viele religionspolitische Forderungen des Parteienstaats".
So müssen Priester und Bischöfe an der Sinisierung des Katholizismus festhalten, die Religion der chinesischen Kultur und damit der Linie der Kommunistischen Partei anpassen. "Geleitet von den sozialistischen Kernwerten und unter ständiger Durchdringung mit der vorzüglichen traditionellen Kultur Chinas interpretieren sie die kirchlichen Lehren und kirchlichen Vorschriften so, dass sie den Anforderungen des Entwicklungsfortschritts des gegenwärtigen China und der vorzüglichen traditionellen Kultur Chinas entsprechen", heißt es in den Regeln.
Weiterhin sollen sie ihre Amtspflichten gut erfüllen, ein gutes geistliches Leben führen, die kirchlichen Traditionen sowie die Enthaltsamkeit wahren. Sie dürfen kein kirchliches Eigentum unterschlagen und nicht mit Unternehmen gemeinsam Hochzeiten veranstalten. Auch Vetternwirtschaft, "vulgäre Vorlieben" und der Verkauf religiösen Materials im Internet sind ihnen untersagt.
Veröffentlichung erst jetzt
Verabschiedet wurden die Verhaltensregeln von der Chinesischen katholischen patriotischen Vereinigung, des staatlichen katholischen Dachverbands, sowie von der chinesischen Bischofskonferenz. Beschlossen wurden die Regeln im vergangenen Dezember, öffentlich jedoch erst Ende Mai.
Nicht zuletzt durch die staatlich kontrollierten Dachverbände für Religionen ist auch die katholische Kirche in der Volksrepublik China strenger staatlicher Kontrolle ausgesetzt. Dies wird etwa in der Forderung nach der Sinisierung deutlich. Gegen kirchliches Leben außerhalb der offiziellen Strukturen gehen die Behörden zum Teil sehr repressiv vor. Zuletzt beklagte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International größere Härte des Staates gegen religiöse Vereinigungen. Derweil bemüht sich der Vatikan seit einigen Jahren durch ein Geheimabkommen mit dem Staat zur Bestellung von Bischöfen um eine Beruhigung der Lage. (cph)