Human Rights Watch: Papst muss Abkommen mit China dringend überprüfen

China verstärkt nach Einschätzung von Human Rights Watch den Druck auf Katholiken der Untergrundgemeinden, sich der staatlich kontrollierten offiziellen Kirche anzuschließen. In den vergangenen Jahren habe Peking die ideologische Kontrolle, Überwachung und Reisebeschränkungen für die schätzungsweise zwölf Millionen Katholiken des Landes verschärft, teilte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch (Ortszeit) in New York mit. Eine 2018 geschlossene Vereinbarung des Heiligen Stuhls und Chinas zu Bischofsernennungen habe die Repressionen noch erleichtert.
Nach zehn Jahren einer Regierungskampagne zur kulturellen Gleichgestaltung und fast acht Jahre nach dem Vatikan-Abkommen sähen Katholiken in China sich wachsender Unterdrückung und einer Einschränkung ihrer Religionsfreiheit ausgesetzt, erklärte Yalkun Uluyol, China-Experte bei Human Rights Watch. "Papst Leo XIV. sollte das Abkommen dringend überprüfen und Peking dazu drängen, die Verfolgung und Einschüchterung von Untergrundkirchen, Geistlichen und Gläubigen zu beenden."
Keine Antwort aus Vatikan und Peking
Die Organisation sandte nach eigenen Angaben eine Zusammenfassung ihrer Untersuchung an die chinesische Regierung und den Heiligen Stuhl und bat um Stellungnahme. Keine der beiden Seiten habe geantwortet. Laut Human Rights Watch wurde das Klima für Religionsgemeinschaften in China seit dem Amtsantritt von Präsident Xi Jinping 2012 immer repressiver.
2018 schloss der Vatikan mit Peking ein Abkommen, um die Streitfrage der Ernennung von Bischöfen zu lösen. Es wurde seitdem dreimal verlängert. Der genaue Wortlaut ist bis heute nicht bekannt. Katholische Gläubige, die zu der staatstreuen "Patriotischen Vereinigung" chinesischer Katholiken auf Distanz stehen, kritisierten seit jeher die Vereinbarung. (KNA)