Bekannte Pilgerstätte in den Schlagzeilen

Vandalismus in Medjugorje: Brand, Parolen und viele Fragen

Ehrenamtliche reparieren die Marienfigur in Medjugorje nach einem Vandalismus-Akt
Bild: IMAGO / Pixsell

"Teufel im Kleid", "Medjugorje ist eine Täuschung" – diese Parolen und noch einige mehr prangten am frühen Dienstagmorgen auf der eigentlich schneeweißen Marienfigur auf dem Erscheinungsberg in Medjugorje. Das Zentrum der Wallfahrt tausender Pilger – öffentlichkeitswirksam geschändet. In der Nacht von Montag auf Dienstag erschütterte eine Serie von Vandalismusakten den größten katholischen Wallfahrtsort in Bosnien und Herzegowina. Ein Tatverdächtiger wurde mittlerweile festgenommen. Neben dem Beschmieren von Marienfiguren setzte der Mann auch den Außenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus im Stadtzentrum in Brand. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie er zuvor eine brennbare Flüssigkeit über den Altar goss und das Feuer entzündete.

Bereits um 4.30 Uhr wurde die Polizei über den ersten Vandalismusakt informiert. Rund eine halbe Stunde später brannte dann der Altar. Die Flammen konnten schnell gelöscht und größerer Schaden verhindert werden. Bei der Spurensicherung entdeckten die Ermittler dann ein Banner in polnischer Sprache. Darauf waren die Namen der mutmaßlichen Seherinnen und Seher aufgeführt, die nach eigenen Angaben seit 1981 Marienerscheinungen haben.

Vandalismus in Wallfahrtsort Medjugorje
Bild: © Facebook/La Luce di Maria

"Teufel im Kleid", "Medjugorje ist eine Täuschung" – diese Parolen und noch einige mehr prangten am frühen Dienstagmorgen auf Marienfigur auf dem Erscheinungsberg in Medjugorje.

Die Aufschrift lautet: "Ivanka, Mirjana, Milka, Vicka, Ivan und Jakov sind Betrüger. Ich habe Beweise!!!" Am Rande des Banners findet sich zudem die Inschrift "JER 14 10-17", möglicherweise ein Verweis auf das Buch Jeremia. Die Bibelstelle handelt von falschen Propheten, falschen Visionen und Gottes Gericht über diejenigen, die das Volk verführen (Jer 14,10-17). Auf der geschändeten Marienstatue wurde außerdem die Zahl 1242 hinterlassen. Was sie bedeuten soll, ist noch unklar.

Tatverdächtiger pilgerte einst nach Medjugorje

Noch am Nachmittag konnte die Polizei den Tatverdächtigen festnehmen. Nach Angaben lokaler Medien hatten junge Männer den Mann überwältigt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Zeugen berichteten, der Verdächtige habe zunächst behauptet, Pole zu sein, sich dann jedoch korrigiert und angegeben, Niederländer zu sein. Anschließend sei er geflüchtet, habe jedoch wenig später gefasst werden können. Die Polizei verdächtigt ihn, den Außenaltar in Brand gesetzt und die Marienfiguren auf dem Erscheinungsberg geschändet zu haben.

Wie örtliche Medien weiter berichten, soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 31-jährigen polnischen Staatsbürger aus Warschau handeln. Bereits 2017 pilgerte er nach einer Depressionsdiagnose in das kleine Städtchen in Bosnien und Herzegowina. In damaligen Medienauftritten sprach er mehrfach über seine schwierige Kindheit, Armut sowie Probleme mit Alkohol, Drogen und Kriminalität. Die rund 1.300 Kilometer lange Strecke von Warschau nach Medjugorje soll er demnach in 57 Tagen zu Fuß zurückgelegt haben. Seine Reise dokumentierte er auf der Facebook-Seite "Z buta do Maryi" ("Zu Fuß zu Maria"). Später entstand darüber ein Dokumentarfilm.

Klare Verurteilung

Vertreter der katholischen Kirche sowie anderer Gemeinschaften verurteilten die Vandalismus-Akte scharf. Der Bischof von Mostar-Duvno, Petar Palić, erklärte gegenüber dem Fernsehsender N1: "Ungeachtet der unterschiedlichen Ansichten, die zu bestimmten Fragen im Zusammenhang mit Medjugorje bestehen und die die Kirche auf ihre Weise umsichtig beurteilt, kann nichts Hass, Gewalt oder die Schändung eines Gebetsortes rechtfertigen."

Zudem forderte er die Gläubigen dazu auf, nicht mit "Groll oder Verurteilung zu reagieren", sondern mit Gebet, Vergebung und Gottvertrauen. Dennoch verbreiteten sich in den sozialen Medien rasch Hassbotschaften, Polarisierungen örtlicher Politiker sowie Verschwörungstheorien über die Identität, das Motiv und die Herkunft des Tatverdächtigen – trotz des Appells des Bischofs und der örtlichen Pfarrei, das nicht zu tun. Der Pfarrer von Medjugorje zeigte sich in einer ersten Stellungnahme tief betroffen und sprach von einem Akt des Vandalismus gegen einen Ort des Gebets. Die beschädigten Bereiche seien umgehend gereinigt und instandgesetzt worden, damit Pilger den Wallfahrtsort weiterhin besuchen können. Zugleich wurden die Gläubigen zum Gebet aufgerufen. Laut Pfarrei begannen die Arbeiten bereits am frühen Morgen und dauerten bis zum Abend an. Auch der beschädigte Außenaltar wurde noch am selben Tag instand gesetzt, damit das abendliche Gebetsprogramm wie vorgesehen stattfinden konnte.

Bild: © dariovuksanovic/Fotolia.com

Neben dem Beschmieren von Marienfiguren setzte der Mann auch den Außenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus im Stadtzentrum in Brand.

Auch der Interreligiöse Rat von Bosnien und Herzegowina verurteilte die Tat. Der Rat erklärte, die Tat untergrabe Frieden, gegenseitigen Respekt und die Menschenwürde in dem Vielvölkerstaat. Zugleich forderte er eine rasche Aufklärung durch die Behörden. Spekulationen und Hassbotschaften müssten vermieden werden, da sie zu weiterer Spaltung führen könnten.

Die Vorfälle ereigneten sich nur wenige Tage vor dem fünftägigen Jugendfestival "Mladifest", das jährlich Anfang August mehr als 50.000 junge Menschen aus aller Welt nach Medjugorje zieht. Auch in diesem Jahr werden ab dem 1. August wieder zahlreiche Pilger aus über 30 Ländern erwartet.

Grünes Licht mit einem "Aber"

Seit mehr als vier Jahrzehnten kommen Gläubige aus aller Welt nach Medjugorje. Am 25. Juni gedachten Pilger aus über 30 Ländern des 45. Jahrestages der ersten angeblichen Marienerscheinungen. Nach Angaben der Seherinnen und Seher, die damals Kinder oder Jugendliche waren, begannen an diesem Tag im Jahr 1981 eine Reihe von Begegnungen mit der Gottesmutter. Drei von ihnen erklären bis heute, täglich Erscheinungen zu haben. Nach Angaben der Pfarrei haben seit 1981 mehr als 50 Millionen Menschen den Wallfahrtsort besucht. Damit zählt Medjugorje inzwischen zu den größten katholischen Pilgerzentren weltweit. Die Kirche erlaubt die Marienverehrung vor Ort, hat den übernatürlichen Ursprung der Erscheinungen jedoch bis heute nicht anerkannt.

Im Jahr 2024 erteilte das vatikanische Glaubensdikasterium unter der Leitung von Kardinal Víctor Manuel Fernández der Verehrung zwar grünes Licht. Gleichzeitig stellte Rom mehrfach klar, dass diese positive pastorale Bewertung keine Anerkennung des übernatürlichen Ursprungs der Erscheinungen bedeutet. Laut der im gleichen Jahr überarbeiteten vatikanischen Normen zu Marienerscheinungen fällt die Kirche darüber auch kein Urteil mehr.

Medjugorje liegt rund 100 Kilometer südwestlich von Sarajevo und ist seit 1981 weit über die Grenzen des Balkans hinaus bekannt geworden. Der Vatikan ließ die Berichte über die Erscheinungen mehrfach untersuchen. Bereits 2017 entsandte Papst Franziskus einen Apostolischen Visitator nach Medjugorje. Seit November 2021 übt Erzbischof Aldo Cavalli dieses Amt aus. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, die Seelsorge an einem Ort zu begleiten, der für Millionen Katholiken geistliche Bedeutung besitzt – und der nun für eine Nacht nicht wegen seiner Botschaft des Friedens, sondern wegen Vandalismus weltweit Schlagzeilen machte.

Mario Trifunovic