Selten hat eine Nachricht einer regionalen Kirchenzeitung international so viel Aufsehen erregt wie ein Bericht des Bistumsblatts "Toscana Oggi". In seiner Online-Ausgabe berichtete das von mehreren katholischen Bistümern der Toskana betriebene Wochenblatt am Mittwoch über einen möglichen kirchlichen Vorfahren des weltberühmten und bis heute geheimen Coca-Cola-Rezepts. Viele Medien griffen die Geschichte auf.
Auf die Mixtur gestoßen ist laut "Toscana Oggi" Dominikanerpater Manuel Russo in der Klosterapotheke des Konvents San Marco in Florenz. Er habe dort beim Aufräumen einen vergilbten Zettel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden.
Belebendes Elixir auf Koka-Basis
Darauf sei die Rede von einem Getränk, das als Vorform des späteren weltweit vermarkteten Softdrinks Coca Cola gelten könne. Bestandteile des "Elixirs" waren laut dem Bericht Kokablätter und Kolanüsse, die in einem weinhaltigen Gemisch ihre Wirkstoffe an den belebenden Trank abgeben.
Dies ähnelt den Bestandteilen, die später der amerikanische Apotheker John Stith Pemberton für seine ursprüngliche Cola zusammenmischte, die in den 1880er Jahren in den USA als "French Wine Cola" auf den Markt kam und woraus sich später die Limonade Coca Cola entwickelte. Erst in späteren Jahrzehnten wurden der Bestandteil Kokain durch Koffein und der Alkohol durch süße Limonade ersetzt.
Päpste mochten kokahaltige Getränke
Die Entdeckung der italienischen "Kloster-Cola" reiht sich ein in eine lange Geschichte des Genusses koka-basierter Getränke in der Kirche. Berühmtester Liebhaber von Koka-Weinen im späten 19. Jahrhundert war Papst Leo XIII. (1878-1903). Er war ein so begeisterter Konsument des damals als "Vin Mariani" bekannten Koka-Weins, dass der Hersteller mit dem Konterfei des Papstes Werbung für sein Produkt machte. Die Werbung ist bis heute bei Wikipedia zu finden. Auch Leos Nachfolger Benedikt XV. und Pius X. sollen dem Getränk zugesprochen haben.
Papst Leo XIII. hatte zudem eine unübersehbare Vorliebe für Schnupftabak. Trotz des regelmäßigen Konsums mehrerer abhängig machender Substanzen erreichte er das mehr als biblische Alter von 93 Jahren. (KNA)