Bislang 190 Reisen in alle Welt

Von Paul VI. bis Leo XIV.: Die Auslandsreisen der Päpste

Von Paul VI. bis Leo XIV.: Die Auslandsreisen der Päpste
Bild: IMAGO / bonn-sequenz

Als Papst Paul VI. (1963–1978) Anfang Januar 1964 zu einer dreitägigen Pilgerreise in das Heilige Land aufbrach, schrieb er Kirchengeschichte. Schließlich war es die erste Auslandsreise eines Papstes der Moderne. Mit dem Besuch in Israel und Jordanien setzte Paul VI. eine Entwicklung in Gang, die dafür sorgte, dass Auslandsreisen zum festen Bestandteil jedes Pontifikats wurden. Mit Ausnahme des nur 33 Tage amtierenden Johannes Paul I. (1978) haben seither alle Päpste zahlreiche Länder in der ganzen Welt besucht. Katholisch.de gibt einen Überblick.

Athenagoras I. und Papst Paul VI.
Bild: © KNA/Ernst Herb (Archivbild)

Paul VI. (r.) und Athenagoras I., der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, bei ihrer Begegnung am 4. Januar 1964 in Jerusalem.

Paul VI.

Nach der historischen Premiere im Heiligen Land unternahm Paul VI. während seines Pontifikats noch acht weitere Auslandsreisen. Gemessen an den späteren Pontifikaten erscheint diese Zahl gering, für die damalige Zeit war sie gleichwohl spektakulär. Denn durch diese Reisen wurde das Papsttum noch einmal mehr zu einem globalen Akteur und politischen Faktor auf der Weltbühne.

Erstaunlich: Pauls VI. wenige Auslandsreisen führten ihn dennoch auf alle sechs bewohnten Kontinente: Neben zwei Reisen nach Europa (1967 nach Portugal und 1969 in die Schweiz) fuhr er 1964 (Indien) und 1967 (Türkei) nach Asien, 1965 nach Nordamerika (USA), 1968 nach Südamerika (Kolumbien), 1969 nach Afrika (Uganda) und 1970 nach Australien und Ozeanien. Neben der Reise ins Heilige Land ist heute vor allem noch der Besuch in den USA in Erinnerung: Als erster Papst sprach Paul VI. am 4. Oktober 1965 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Sein dort formulierter Appell "Nie wieder Krieg!" fand weltweite Beachtung und ging in die Geschichte ein.

Papst Johannes Paul II. während der Ankunft mit dem Hubschrauber bei seinem Deutschlandbesuch 1980 in Fulda.
Bild: © KNA (Archivbild)

Papst Johannes Paul II. bei seinem Deutschlandbesuch 1980 in Fulda.

Johannes Paul II.

Unter Papst Johannes Paul II. (1978–2005) erlebten die Auslandsreisen als Teil der päpstlichen Amtsführung ihren endgültigen Durchbruch. Nicht umsonst wurde der aus Polen stammende Pontifex als "Reisepapst" und "eiliger Vater" bezeichnet. Während seines knapp 27-jährigen Pontifikats absolvierte er 104 Auslandsreisen, bei denen er 127 Länder besuchte. Damit setzte er Maßstäbe, die bis heute unerreicht sind.

Seine erste Auslandsreise führte Johannes Paul II. gut drei Monate nach seiner Wahl in die Dominikanische Republik, nach Mexiko und auf die Bahamas. Fortan folgten Jahr für Jahr meist mindestens vier Auslandsreisen, die den Pontifex nach und nach auf alle Kontinente führten. In Europa, Afrika, Nord- und Südamerika bereiste "JoPa" im Laufe der Jahre sogar fast alle Länder, am Ende seines langen Pontifikats gab es auf diesen Kontinenten nur noch wenige weiße Flecken (in Europa unter anderem Belarus und Serbien).

Eine besonders enge Beziehung hatte Johannes Paul II. jedoch zu seinem Heimatland Polen, das er allein neunmal und damit häufiger als jedes andere Land besuchte. Sein erster Besuch im Jahr 1979 gilt als eine der folgenreichsten Papstreisen überhaupt. Millionen Menschen nahmen an den Gottesdiensten während der Reise teil, mit seinen politischen Predigten veränderte der Papst Land und Leute. Historiker sehen in dem Besuch heute einen entscheidenden Impuls für die Entstehung der Gewerkschaft Solidarność und letztlich für den Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Osteuropa.

Deutschland besuchte Johannes Paul II. dreimal: 1980, 1987 und 1996. Besonders in Erinnerung blieb dabei das beim letzten Besuch entstandene Bild des durch das wieder offene Brandenburger Tor gehenden Papstes. "Jetzt, nachdem ich durch das Brandenburger Tor gegangen bin, ist auch für mich der Zweite Weltkrieg zu Ende", sagte der polnische Pontifex anschließend sichtlich bewegt.

Bild: © KNA/Wolfgang Radtke (Archivbild)

Die erste Auslandsreise führte Benedikt XVI. im 18. August 2005 zum Weltjugendtag in Köln.

Benedikt XVI.

Als Benedikt XVI. (2005–2013) 2005 den Papstthron bestieg, war er bereits 78 Jahre alt. Trotzdem absolvierte der deutsche Papst während seines knapp achtjährigen Pontifikats 24 Auslandsreisen und damit durchschnittlich drei pro Jahr. Die Reisen führten Benedikt XVI. ebenfalls auf alle Kontinente, der Schwerpunkt seiner Reiseaktivitäten lag jedoch in Europa. Seine erste Reise wenige Monate nach seiner Wahl zum Papst führte ihn im August 2005 zum Weltjugendtag nach Köln – der Besuch wurde eine Art katholisches Sommermärchen. Weitere Besuche in Deutschland folgten 2006 mit Stationen in München, Altötting, Marktl am Inn, Regensburg und Freising sowie 2011 mit Stationen in Berlin, Erfurt, Etzelsbach und Freiburg.

Bei seinen weiteren Reisen durch Europa besuchte Benedikt XVI. zahlreiche bekannte Wallfahrtsorte: Mariazell (2007), Lourdes (2008), Fátima (2010) und Santiago de Compostela (2010). Nachhaltig in Erinnerung blieb darüber hinaus seine Israel-Reise 2009, bei der er neben den Wirkungsstätten Jesu auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, die Klagemauer und – als erster Papst überhaupt – den Felsendom besuchte.

Papst Franziskus steigt die Fluggastbrücke eines Flugzeugs hinab
Bild: © KNA/Paul Haring/CNS photo (Archivbild)

Papst Franziskus ging auch auf vielen seiner Auslandsreisen "an die Ränder".

Franziskus

Früh gab Papst Franziskus (2013–2025) in seinem Pontifikat für die Kirche die Losung aus, "an die Ränder" zu gehen. Auch er selbst hielt sich an diesen Anspruch – auch bei seinen Auslandsreisen. Insgesamt absolvierte der Argentinier während seiner rund zwölfjährigen Amtszeit 49 Auslandsreisen, von denen ihn zahlreiche geografisch gesehen "an die Ränder" führten. Mit Myanmar (2017), den Vereinigten Arabischen Emiraten (2019), Nordmazedonien (2019), dem Irak (2021), Bahrain (2022) und der Mongolei (2023) waren sogar sechs Länder dabei, die zuvor noch nie von einem Papst besucht worden waren.

Auch seinem Heimatkontinent Südamerika stattete Franziskus mehrere Besuche ab: Gleich seine erste Reise im Juli 2013 führte ihn zum Weltjugendtag nach Brasilien, danach folgten Besuche in Ecuador, Bolivien und Paraguay (2015), in Kolumbien (2017) sowie in Chile und Peru (2018). Bemerkenswert: Ausgerechnet sein Heimatland Argentinien wartete all die Jahre vergeblich auf einen Besuch. Warum Franziskus nie dorthin reiste, war Anlass für zahlreiche Spekulationen. Unter anderem wurde vermutet, dass die politischen Spannungen im Land ihn abgeschreckt hätten; er habe kein Interesse daran gehabt, sich von verschiedenen politischen Lagern instrumentalisieren zu lassen.

Auch Deutschland stand in all den Jahren nie auf dem Reiseplan von Franziskus. Zwar wurde er von verschiedenen Bischöfen und Politikern immer wieder eingeladen, ein Besuch nördlich der Alpen kam jedoch nie zustande.

Papst Leo sitzt im Flugzeug des spanischen Königs
Bild: © IMAGO / Independent Photo Agency Int. (Archivbild)

In seinem noch jungen Pontifikat hat Leo XIV. bereits mehrere Auslandsreisen absolviert und weitere bereits fest geplant.

Leo XIV.

Das Pontifikat von Leo XIV. ist noch jung, trotzdem hat er bereits ein paar Auslandsreisen absolviert und weitere bereits angekündigt. Seine erste Reise führte den gebürtigen US-Amerikaner Ende November vergangenen Jahres in die Türkei und den Libanon; Anlass war das 1.700-jährige Jubiläum des Konzils von Nizäa. Nach einem Tagesausflug nach Monaco im März reiste Leo XIV. dann im April zehn Tage durch Afrika, wo er Algerien (als erster Papst überhaupt), Kamerun, Angola und Äquatorialguinea besuchte. Wenige Wochen später folgte zudem ein mehrtägiger Besuch in Spanien. Noch in diesem Jahr sollen zudem Reisen nach Frankreich (September) und Lateinamerika (November) folgen – anders als Franziskus wird er dabei auch sein zweites Heimatland Peru besuchen, wo er Bischof war.

Ein sich drehender Globus.
Bild: © picture alliance/CHROMORANGE / Bilderbox (Archivbild)

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben die Päpste fast die ganze Welt bereist.

Die Top 10 der päpstlichen Reiseziele

Das Land, das bislang die meisten Papstbesuche verzeichnen konnte, ist Frankreich mit 12 Besuchen (davon einer im Übersee-Departement Réunion). Auf dem zweiten Platz folgen Polen und die USA mit jeweils 11 Besuchen und auf dem dritten Platz Spanien mit 9 Besuchen (zuletzt im Juni von Papst Leo XIV.). Portugal konnte – vor allem wegen des Heiligtums von Fátima – bisher achtmal einen Papst begrüßen. Auf den weiteren Plätzen in den Top 10 folgen Mexiko (7 Besuche), Brasilien und Deutschland (jeweils 6) sowie die Schweiz und die Türkei (jeweils 5). Die Türkei ist zudem das einzige Land, das seit Paul VI. von allen reisenden Päpsten besucht wurde; sogar Leo XVI. hat das Land in seiner noch kurzen Amtszeit bereits besucht.

  1. Frankreich: 12 Besuche
  2. Polen und USA: jeweils 11 Besuche
  3. Spanien: 9 Besuche
  4. Portugal: 8 Besuche
  5. Mexiko: 7 Besuche
  6. Brasilien und Deutschland: jeweils 6 Besuche
  7. Schweiz und Türkei: jeweils 5 Besuche

Die "weißen Flecken" auf der päpstlichen Reisekarte

Die geografisch größten weißen Flecken auf der päpstlichen Reisekarte sind China und Russland. Dass das lange Zeit bevölkerungsreichste Land und das flächengrößte Land noch nie von einem Papst besucht wurden, hängt mit ungelösten kirchlichen und politischen Fragen zusammen. Mit Blick auf China verhinderten bislang vor allem die fehlenden diplomatischen Beziehungen zwischen der Volksrepublik und dem Vatikan, die vatikanische Anerkennung Taiwans und die Unterdrückung der katholischen Kirche in China eine größere Annäherung zwischen beiden Staaten und damit auch einen Papstbesuch. Mit Blick auf Russland ist es vor allem die russisch-orthodoxe Kirche, die sich in der Vergangenheit immer wieder gegen einen Papstbesuch ausgesprochen hat, weil sie Russland als ihr ureigenes Einflussgebiet sieht.

Weitere Länder, die bislang noch keinen Papst begrüßen konnten, sind unter anderem Belarus, Kambodscha, Libyen, Malaysia, Saudi-Arabien und Vietnam. Bemerkenswert: Die beiden stark katholisch geprägten Länder Argentinien und Irland wurden zwar schon von Päpsten besucht, standen bislang aber jeweils erst zweimal im päpstlichen Reisekalender. Immerhin: Papst Leo XIV. hat angekündigt, im kommenden November im Rahmen seiner Lateinamerika-Reise auch in Argentinien Station zu machen.

Steffen Zimmermann