"Eine Art religiöses Hybrid"

Dahlke: US-Vize J. D. Vance zunehmend im Dissens mit Peter Thiel

US-Vizepräsident J.D. Vance beim traditionellen katholischen Gebetsfrühstück
Bild: picture alliance / Sipa USA | Sipa USA

Der Eichstätter Dogmatiker und USA-Experte Benjamin Dahlke sieht bei US-Vizepräsident J. D. Vance einen zunehmenden Dissens zum Tech-Milliardär Peter Thiel. Vance weise in vielen Bereichen mittlerweile "fast schon sozialdemokratische" Züge auf, sagte Dahlke in einem Interview mit der Zeitung "Die Tagespost" (Donnerstag). Vance äußere sich zunehmend internet- und großfirmenkritisch: "Er betont sehr stark die negativen Auswirkungen des digitalen Zeitalters, also die Vereinsamung und das Phänomen, dass Menschen mehr im digitalen Raum als in der Wirklichkeit leben. Und so fordert er mehr aktive Industriepolitik, mehr Regulierung, mehr Fokus auf das Miteinander in der Gesellschaft." Das stehe zu dem, was Thiel wolle, im Widerspruch.

Der deutschstämmige Thiel ist einer der bekanntesten und umstrittensten Tech-Unternehmer der Welt. Der Milliardär war Mitgründer des KI-Unternehmens Palantir und des Bezahldienstes PayPal und gehörte im Silicon Valley zu den frühesten Unterstützern von US-Präsident Donald Trump. Außerdem spielte Thiel eine wichtige Rolle beim politischen Aufstieg von Vance. Thiel ist ein scharfer Kritiker von Papst Leo XIV. In jüngerer Zeit äußert er sich regelmäßig zu theologischen Themen.

In seinem neuen Buch "Communion – Finding My Way Back to Faith" schreibt der US-Vizepräsident über seinen Weg zum Katholizismus. Der Glaube von Vance ist nach Ansicht Dahlkes nicht besonders stark dogmatisch geprägt: "Es geht viel um den Wert der Familie, um eine von der katholischen Soziallehre bestimmte Wirtschaft." Außerdem werde der digitale Raum ein wichtiges Thema für ihn. "Es ist ein moderner Konservativismus, den er da entwickelt", analysiert der Theologe. Es sei Vance anzumerken, dass er die Leerstellen zu sozialethischen Fragen, die ihm von zu den Demokraten tendierenden Katholiken vorgeworfen werden, zu füllen versuche.

Kontakte ins evangelikale Milieu nie abgebrochen

Dahlke spricht sich dagegen aus, Vance auf seinen katholischen Glauben zu reduzieren. Der Politiker zeige sich als "eine Art religiöses Hybrid". Er habe seine Kontakte ins evangelikale Milieu nie abgebrochen. "Vance profiliert sich ja nicht, indem er katholisch ist in Abgrenzung zum Protestantismus, sondern er versucht, beide Strömungen zu integrieren", so der Theologe. Das müsse Vance auch tun, "denn ansonsten wird er sich weder innerparteilich durchsetzen, noch hat er als Präsidentschaftskandidat eine Chance".

In seinem im Juni veröffentlichten Buch beschreibt Vance seinen Weg zum katholischen Glauben. Neben seiner Kindheit und Jahrzehnten in einem evangelikalen und später atheistisch-liberalen Umfeld beschreibt er darin die Faszination, die später der katholische Glaube auf ihn ausübte und bis heute ausübt. (fxn)

Schlagworte: