Die unabhängige Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus hat die evangelische Kirche für ihren Umgang mit Missbrauchsbetroffenen kritisiert. Es gebe nach wie vor kein einheitliches Verfahren für die Zahlung von Anerkennungsleistungen, sagte Claus in einem Interview des Deutschlandfunks von Montag.
Eigentlich hätte es ein einheitliches Verfahren ab dem 1. Januar dieses Jahres geben sollen, dies sei aber in der Praxis nicht der Fall. Nur wenige Landeskirchen richteten sich nach einer aufgestellten Musterordnung, so Claus. Vorbildlich seien hier etwa die Evangelische Landeskirche in Sachsen und die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Es fehle auch ein Kriterienkatalog für eine Beurteilung der Fälle, wie es ihn in der katholischen Kirche gebe. Claus rief die evangelische Kirche dazu auf, angemessene Anerkennungszahlungen zu leisten.
Es sei eine Milchmädchenrechnung, wenn Landeskirchen erklärten, sie könnten diese Zahlungen nicht aufbringen. Die Kirchenaustrittszahlen seien weiterhin hoch, auch weil Christen und Christinnen der Überzeugung seien, dass die Kirchen nicht angemessen handelten. Die Kirche müsse Verantwortung übernehmen und den Betroffenen zeigen, dass das, was ihnen widerfahren sei, nicht in Ordnung sei, betonte Claus. Denn wer einen moralisch-ethischen Kompass verliere, verliere auch Mitglieder. (KNA)