Standpunkt

Ein politischer und geistlicher Kampf der Kirchen gegen die AfD

Eine Bibel liegt auf einem Notizblock der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) in einer Kirche.
Bild: KNA/Harald Oppitz

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen wird erstmals eine offen kirchenfeindliche Partei die meisten Stimmen erhalten. Die Polemiken von AfD-Funktionären gegen Bischöfe und nicht willfährige Kirchen sind aber nicht der Hauptgrund, die neurechte Bewegung als Christ zu fürchten. Über dem legitimen institutionellen Selbstschutz jeder Religionsgemeinschaft muss das Kriterium des Ethos stehen: Welches sittliche Bewusstsein spricht aus der Gesamthaltung einer Partei? Erbsenzählerei ihrer Einzelpositionen im Abgleich mit den eigenen Interessen kann in die Irre führen, schon weil geschönte Populistenprogramme allen alles versprechen, ohne finanziell seriös durchgerechnet oder rechtlich und praktisch durchsetzbar zu sein.

Bei der Prüfung, welchem "Geist" man das Land anvertrauen kann, gilt es deshalb auf die moralische Verfassung der Vertreter und Anhänger einer Partei zu achten. Die AfD-Klientel fiel in Umfragen nicht nur durch die krasseste Unzufriedenheit mit Regierungen auf, sondern auch durch die größte Undankbarkeit gegenüber dem Grundgesetz, und den höchsten Anteil derer, die es durch eine neue Verfassung ersetzen wollen; durch Nationalchauvinismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewaltrechtfertigung und eine geringere Wertschätzung von Grundrechten: Menschenwürde, Religionsfreiheit, Diskriminierungsverbot, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Asylrecht.

Spitzenreiter waren die AfD-Anhänger bei der Einschätzung "Ich tue genug für den Staat", Schlusslicht bei "Der Staat tut genug für mich". Auch bei Narzissmus-Indikatoren wie "Menschen wie mir steht mehr zu als anderen" oder "Menschen wie ich verdienen eine bessere Behandlung als andere" stechen die AfD-Anhänger hervor. Kulturell gesehen haben wir es mit einem entfesselten Egoismus zu tun, religiös mit einer Antithese zum Christentum, das ja lehrt, eigene Interessen und Affekte zu zügeln und auch vom anderen her zu denken: empathisch, solidarisch, selbstkritisch.

Inbegriff der Sünde ist der in sich verkrümmte Mensch, der homo incurvatus in se. Es geht für Kirchen also nicht nur um einen politischen, sondern um einen geistlichen Kampf – und für Christen darum, in kluger Wahl auch kleineren demokratischen Parteien ins Parlament zu verhelfen, um eine rechtsextreme Regierung als größtes Übel zu verhindern.

Andreas Püttmann

Der Autor

Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.

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