Eine theologische Betrachtung zu Mariä Himmelfahrt

Longevity – die einzigen Mittel für ewiges Leben

Eine Frau zupft einen großen Blumenstrauß zurecht aus gesammelten Kräutern und Wiesenblumen für einen Gottesdienst anlässlich von Mariä Himmelfahrt am 14. August 2021 in der Kräuterkirche in Bingen.
Bild: Bert Bostelmann/KNA

"Longevity" nennt man neuerdings einen bestimmten Forschungsbereich, der sich mit Langlebigkeit auseinandersetzt. Besonders mit dem Aufschwung der Künstlichen Intelligenz haben derlei Konzepte zugenommen. Mithilfe von KI will man künftig Krankheiten früher diagnostizieren und mithilfe von Algorithmen das bestmögliche Konzept für ein langes Leben entwickeln.

Mittels ausgeklügelter Systeme kann man dann bestimmen lassen, was man essen oder trinken darf, damit man möglichst lange am Leben bleibt. Manche sprechen deshalb heute schon davon, dass es zukünftig realistisch sein wird, bis 120 Jahre zu leben. Solche und ähnliche Langlebigkeitskonzepte brauchen wir als Christen Gott sei Dank nicht.

Die Taufe als einziges Heilmittel

Denn in der Taufe haben wir schon das eine und einzige Heilmittel erhalten, das uns nicht nur ein möglichst langes Leben, sondern das ewige Leben garantiert. Das feiern wir in diesen hochsommerlichen Tagen, wenn wir am 15. August das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel begehen.

Sie war die erste der Glaubenden, die erste, die vertraut hat, dass mit Gott alles gut wird im Leben. So singt sie es auch in ihrem großen Loblied, das wir auch als Evangelium an diesem Tag hören: "Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter". Seele und Geist preisen die Größe und Erhabenheit Gottes, der sich seiner niedrigen Magd angenommen hat.

Und das vollendet sich, wenn Seele und Leib in den Himmel aufgenommen werden, wenn Maria als erste der Glaubenden eingehen darf in seine Herrlichkeit. Der Ostersieg ihres Sohnes klingt weiter in ihrem eigenen Schicksal. Und so kann sie auch über den Tod hinaus ihr Loblied auf Gott anstimmen, weil sie in der Schar der Vollendeten bei ihm in Ewigkeit lebt.

Papst Leo XIV. tauft ein Kind während eines feierlichen Gottesdienstes am 11. Januar 2026 in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan.
Bild: © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA (Symbolbild)

Bei der Taufe haben wir schon das eine und einzige Heilmittel erhalten

Dass man nur bestimmte Dinge essen muss oder gewisse Verhaltensweisen einüben muss, damit man möglichst lange lebt, versprechen manche "Longevity"-Konzepte. Dabei verdenken sie aber, dass man am Ende trotzdem sterben muss, dass am Ende trotzdem der Tod steht. Kein Mensch ist in seiner irdischen Existenz ewig auch wenn wir unser Leben durch manche Dinge zu verlängern versuchen.

Das Fest Mariä Himmelfahrt sagt uns: Wenn du wirklich ewig leben willst, dann gibt es nur einen Weg dafür. Und das ist der Weg des Glaubens. Der Weg des Vertrauens, dass Gott mit uns geht, dass er unser ganzes Leben an unserer Seite steht. Der Weg des Glaubens, der uns mit Christus in Berührung bringt, der uns einlädt, ihm nachzufolgen auf dem Weg des Lebens, der Liebe und der Hoffnung.

Die Liebe als Garant für ewiges Leben

Das sind die einzigen Mittel, die uns wirklich ein ewiges Leben garantieren: die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. Wer sie in seinem Leben erfüllt, der darf glauben, dass Gott uns am Ende des irdischen Lebens nicht ins Nichts fallen lässt. Sondern, dass Christus uns im Tod begegnet und dass er sein österliches Leben mit uns teilt. So, wie das an Maria geschehen ist, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen ist und dort Gottes Größe von Angesicht zu Angesicht schauen darf.

Vielerorts werden am 15. August in den Gottesdiensten die Kräuterbuschen gesegnet. Heilkräuter und bunte Blumen, all das wird vor Gott gebracht. Und in Süddeutschland werden zuhause die Kräuterbuschen dann im Herrgottswinkel aufgehängt. Die Kräuterbuschen erinnern das ganze Jahr über daran: Es gibt ein Heilmittel gegen den Tod, es gibt etwas, das uns ewiges Leben garantiert. Und das ist der Glaube an Christus, an ihn, der durch den Tod ins Leben gegangen ist.

Denn durch ihn steht uns der Himmel offen. Durch ihn dürfen wir Hoffnung haben, die sich durch nichts und niemanden einschränken lässt. Denn in Christus werden alle lebendig gemacht werden, wie es der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth schreibt. Glauben und hoffen und lieben: Das sind die drei Mittel, die das ewige Leben garantieren. Maria hat es uns vorgelebt. Deswegen ist sie uns ein "Zeichen der Hoffnung und des Trostes", weil wir hoffen dürfen, dass auch wir einst so vollendet werden, wie sie in den Himmel aufgenommen worden ist.

Fabian Brand (KNA)