Maria als erste Theologin

Kardinal: Frauen keine Lückenfüller in der Kirche

Kardinal: Frauen keine Lückenfüller in der Kirche
Bild: Paul Wuthe / Kathpress

Kardinal Ladislav Nemet hat die Bedeutung der Frauen für die katholische Kirche hervorgehoben. Sie seien "kein Ersatz, keine Lückenfüllerinnen für fehlende Priester, keine bloße Hilfskraft für Aufgaben, die sonst niemand übernehmen will", sagte er am Samstag bei der Festmesse zum Hochfest Mariä Himmelfahrt in der Basilika Frauenkirchen im österreichischen Burgenland.

Der Dienst der Frauen in der Kirche sei selten gewürdigt worden, doch niemals umsonst gewesen, sagte der Erzbischof von Belgrad. Sie trügen ihr eigenes Charisma, das jede und jeder Getaufte empfange. Nemet mahnte, die Stimmen der Frauen zu hören: "Wir dürfen heute ehrlich fragen, ob wir den Frauen in unseren Gemeinden, in unseren Klöstern, in unseren Diözesen, wirklich den Raum geben, den ihr Glaube, ihre Klugheit, ihre Erfahrung verdienen. Ob wir sie hören, wenn Entscheidungen getroffen werden, ob wir ihnen zutrauen, Verantwortung zu tragen."

Maria als erste Theologin

Die Gottesmutter Maria selbst sei die erste Theologin der Kirche, unter deren Schutz sich Bischöfe und Päpste stellten. Sie habe kein kirchliches Amt bekleidet und auch kein Sakrament gespendet. "Und doch hat die Kirche in ihr immer mehr gesehen als in jedem Amtsträger: die Mutter, die erste Frau im Glauben, die das Wirken Gottes im Neuen Testament in Worte gefasst und öffentlich gepredigt hat", betonte der Kardinal. Maria sei das Urbild der Kirche und eines Glaubens, der im Jubel wie im Dunkel Bestand habe. Das sei Vorbild für alle Christinnen und Christen: "Wer mit Christus ausharrt, wenn alles finster ist, dem bleibt er auch dort nahe, wo alles Licht ist", erklärte Nemet.

Marias Nähe zu Christus erschöpfe sich nicht im Magnificat, betonte der Steyler Missionar. Ihre Liebe habe sich vor allem unter dem Kreuz gezeigt, als die meisten Jünger geflohen waren. "Sie hat sich nicht abgewandt, als der Weg ihres Sohnes durch Verrat, Spott und Tod ging." Diese Compassio, das Mitleiden, sei keine bloße Erduldung, sondern aktiv gelebte Liebe dort, wo man sich am liebsten abwenden würde.

So lebten auch Frauen in der Kirche, was Maria unter dem Kreuz gelebt habe: "eine Nähe zu Christus, die sich in der Dunkelheit ebenso bewährt wie am Feiertag". Nemet erinnerte an Mütter, "die den Glauben an ihre Kinder weitergegeben haben, bevor ein Katechismus sie erreicht hat", Krankenschwestern, Ordensfrauen, die Schulen aufgebaut und Waisen aufgenommen hätten, Frauen in den Pfarrgemeinderäten, Katechetinnen, jene, die Dienst als Mesnerin versehen, und Theologinnen, "ohne die die Kirche heute nicht da stünde, wo sie heute steht". (KNA)