Der wegen Ermordung des Jesuiten Ignacio Ellacuría (1930–1989) und vier weiterer Ordensleute verurteilte salvadorianische Ex-Militär Inocente Montano ist am Montag in Spanien vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Laut spanischen Medienberichten wurde dem 84-Jährigen aus medizinischen Gründen eine bedingte Freilassung gewährt. Er muss seine medizinische Behandlung an seinem künftigen Wohnort fortsetzen.
Montano war 2020 von einem spanischen Gericht wegen fünf terroristisch motivierter Morde in El Salvador zu insgesamt 133 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Für die tatsächliche Verbüßung setzte das Gericht eine Höchstdauer von 30 Jahren fest. Montano war seit 2017 im Gefängnis.
Irreversible Erkrankung
Der zuständige Richter begründete die aktuelle Entscheidung mit dem schlechten Gesundheitszustand des Häftlings. Seine irreversible, schwere Erkrankung und häufige Krankenhausaufenthalte machten eine Behandlung außerhalb des Gefängnisses erforderlich. Die Entscheidung entspreche den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Würde des Menschen.
Ellacuría und vier weitere spanische Jesuiten waren am 16. November 1989 auf dem Gelände der Zentralamerikanischen Universität UCA in San Salvador von Soldaten ermordet worden. Ebenfalls getötet wurden eine Haushälterin und deren 15-jährige Tochter. Montano wurde in Spanien für fünf der Morde verurteilt. Das Gericht stellte in seinem Urteil fest, dass die Taten vom damaligen militärischen Oberkommando geplant und angeordnet worden waren. Montano gehörte diesem als damaliger Vizeminister für öffentliche Sicherheit an.
Ermordeter Ellacuría wollte Frieden
Ignacio Ellacuría galt als einer der prägenden Vertreter der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Der in Spanien geborene Jesuit wirkte als Rektor der UCA in San Salvador und verband theologische Reflexion mit der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit.
Im Zentrum seines Denkens stand die "Option für die Armen" – Theologie sollte sich demnach nicht von den Lebensrealitäten der Ausgegrenzten lösen, sondern zu ihrer Befreiung und zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen. Ellacuría setzte sich überdies für einen Dialog zwischen den Konfliktparteien im salvadorianischen Bürgerkrieg und für dessen friedliche Lösung ein. (KNA)