Absätze gestrichen und geschwärzt

Zu queerfreundlich? Franziskus-Buch in Russland zensiert

Zu queerfreundlich? Franziskus-Buch in Russland zensiert
Bild: KNA/Stefano Spaziani/Romano Siciliani

Wenn selbst der Papst zu queerfreundlich ist: Das Buch des im vergangenen Jahr verstorbenen Papstes Franziskus ("Hoffe: Die Autobiografie") wurde in der russischen Ausgabe zensiert. Medienberichten zufolge sollen Passagen zu queeren Themen geschwärzt und gestrichen worden sein. Das Buch erschien zwar bereits im Januar 2025 international, nur wenige Monate vor dem Tod des argentinischen Papstes, doch in Russland wurde es erst vor kurzem veröffentlicht. Die Verlagsseite führt das Buch als "Neues Produkt".

Den Berichten zufolge machte eine Menschenrechtsgruppe namens "Christians against War" auf die Zensur aufmerksam. In der gedruckten Ausgabe wurden Aussagen von Franziskus, wonach Homosexualität kein Verbrechen sei und schwule und Transgender-Menschen in der Kirche ebenfalls willkommen seien, durch schwarze Balken verdeckt. Auch jene Aussage des Papstes wurde zensiert, wonach Transgender-Personen getauft und auch Taufpaten werden können. Eine weitere Passage, die der russischen Zensurschere zum Opfer fiel, war jene, in der es heißt, der Vatikan erlaube die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Auch in der digitalen Ausgabe des Buches wurden die Passagen unkenntlich gemacht.

Hintergrund der Zensur sind die seit dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022 ausgeweiteten Gesetze, mit denen Russland die Bevölkerung von sogenannten westlichen Ideen fernhalten will. So etwa verschärfte Moskau das Verbot der "Förderung nicht-traditioneller sexueller Beziehungen". Jede positive oder neutrale Darstellung queeren Lebens könnte strafbar sein. Bestimmte Publikationen wurden aus dem Handel genommen, ganze Passagen aus Büchern entfernt oder geschwärzt. Laut Berichten sollen auf diese Weise rund 600 Titel aus dem Handel verschwunden sein. (mtr)