Rücktritte von Bischöfen sind große Ausnahme

"Herr Bischof" statt "Eure Exzellenz" – Das Bischofsamt als Last

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann spricht beim Synodalen Weg
Bild: KNA/Anne Ackermann

Missbrauchskrise, sinkende Kirchensteuern, Kirchenaustritte, Reformstreit und gesellschaftlicher Gegenwind: Wer will heutzutage da noch katholischer Bischof sein? Schon möglich, dass das Bischofsamt in früheren Zeiten – zumindest in katholisch geprägten Ländern Europas – vor allem Autorität, Ansehen und Ehre bedeutete. Doch die Zeiten haben sich geändert: Aus "Eure Exzellenz" ist mittlerweile weithin "Herr Bischof" geworden.

Das Bischofsamt als Last, mit riesiger finanzieller und personeller Verantwortung, vergleichbar mit einem größeren Unternehmen: Auch der am Mittwoch vom Papst angenommene vorzeitige Rücktritt des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann wirft ein Schlaglicht auf die veränderten Anforderungen und die Untiefen, denen katholische Bischöfe sich stellen müssen. Wiesemann ist 66 Jahre alt und damit noch weit entfernt von der für katholische Bischöfe vorgesehenen Altersgrenze von 75 Jahren.

Es ist ein Rücktritt mit Vorgeschichte: Denn bereits 2021 hatte der aus Ostwestfalen stammende Bischof wegen Depressionen eine sieben Monate lange Auszeit samt Klinikaufenthalt genommen. Auf dem Katholikentag in Würzburg im Mai berichtete er im Gespräch mit TV-Legende Harald Schmidt schonungslos und vor großem Publikum, wie er über Jahre in die Krise gerutscht war: Er habe über einen längeren Zeitraum die Grenzen seiner körperlichen und seelischen Belastbarkeit immer mehr gespürt. Sein hohes Ideal als Priester und Bischof sei zur ständigen Überforderung geworden.

Schlafstörungen und Ohnmachtsgefühle

Finanzprobleme und Änderungsprozesse im Bistum, aber insbesondere der Missbrauchsskandal in der Kirche seien ihm so sehr an die Nieren gegangen, dass er schließlich krank geworden sei, berichtete der Bischof, der ein hervorragender Klavierspieler ist und nach eigenen Worten am Flügel mit Schubert oder Bach Entlastung vom schwierigen Alltag sucht.

Schlafstörungen, tiefe Ohnmachtsgefühle, Bodenlosigkeit – "das zuvor so solide Grundvertrauen in das eigene Leben wurde brüchig", erzählte er. Diese Erfahrung habe auch seinen Glauben verändert und seinen Blick stärker auf die Bruchstellen des menschlichen Lebens gelenkt. Der Glaube sei ihm dabei aber weiter eine Kraftquelle. Trotz aller Probleme: Rücktritte katholischer Bischöfe wegen Amtsmüdigkeit sind die absolute Ausnahme. 2022 trat der Bischof des Schweizer Bistums Lugano, Valerio Lazzeri (59), zurück, weil ihm die mit dem Bischofsamt verbundenen Aufgaben "unerträglich" geworden seien. Im selben Jahr verzichtete der englische katholische Bischof Robert Byrne (66) von Hexham und Newcastle wegen zu großer Belastung auf sein Amt.

Bischof Karl-Heinz Wiesemann blickt aus einem Fenster
Bild: © Julia Steinbrecht/KNA

Finanzprobleme und Änderungsprozesse im Bistum, aber insbesondere der Missbrauchsskandal in der Kirche seien ihm so sehr an die Nieren gegangen, dass er schließlich krank geworden sei, berichtete Wiesemann.

Dennoch ist Wiesemann nicht der einzige, der Probleme des Bischofsamtes öffentlich macht und hinterfragt. Der im Frühjahr 2025 mit 75 Jahren in den Ruhestand getretene Münsteraner Bischof Felix Genn, als Mitglied der Bischofskongregation im Vatikan für die Auswahl von Bischöfen weltweit mit zuständig, hat sich 2021 ziemlich schonungslos geäußert.

Krise des Bischofsamtes

Er bekundete damals Unverständnis darüber, "dass es immer noch Menschen gibt, die nur zu gerne Bischof werden möchten". Genn beklagte im Gespräch mit dem Münsteraner Portal kirche-und-leben.de "eine Krise des Bischofsamtes": "Wie die Priester sind auch wir Bischöfe fundamental in Frage gestellt", sagte er. Es "zerreiße" einen bisweilen, als Bischof Lösungen für sich potenzierende Probleme zu finden. Im KNA-Interview räumte Genn 2025 ein, dass viele vom Papst benannte Bischofskandidaten absagten: "Das hängt vermutlich damit zusammen, dass das Bischofsamt etwas Überforderndes hat. Es ist heute oft so, dass viele sich eine solche Leitungsaufgabe in dieser komplexen Welt kaum zutrauen."

Auch der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, 2025 in vorzeitigen Ruhestand gegangen, zog im Frühjahr eine kritische Bilanz: "Es hat einen durchaus heilsamen Aspekt, sich nicht mehr im Hamsterrad eines bischöflichen Terminkalenders drehen zu müssen", sagte der 71-Jährige dem Kölner Internetportal domradio.de: . "Ich werde nicht mehr getrieben von Terminen, die von ihrer geistlichen Substanz mitunter eher dünn sind, die sich hierzulande aber zwangsläufig mit dem Bischofsamt verbinden und auch wahrgenommen werden müssen."

Auch mit Blick auf innerkirchliche Richtungsdiskussionen sagte Hanke: "Ich muss sagen, ich bin nicht unfroh, dass ich mich diesen oft endlosen Debatten nun nicht mehr unterziehen muss." Er wolle nicht gegen etwas kämpfen, sondern sich für etwas einsetzen: für die Evangelisierung."

Christoph Arens (KNA)