Er erläutert Gründe für überraschenden Amtsverzicht

Bischof Wiesemann zu Rücktritt: Kein Verdruss an der Kirche

Bischof Karl-Heinz Wiesemann vor dem Speyerer Dom
Bild: KNA/Julia Steinbrecht

Einen Tag nach seinem Rücktritt als Bischof des Bistums Speyer hat Karl-Heinz Wiesemann seine Entscheidung näher erläutert. Sein Schritt sei "nicht aus Verdruss an der Kirche" erfolgt und auch nicht aus einer resignativen Haltung heraus, sagte Wiesemann am Donnerstag in Speyer vor Journalisten. In den 18 Jahren seiner Amtszeit habe sich "die katholische Kirche massiv geöffnet". Er wies damit Spekulationen zurück, dass sein Amtsverzicht auch mit einer Enttäuschung über mangelnde innerkirchliche Reformschritte zu tun haben könnte.

Vielmehr habe er gemerkt, dass er das Bischofsamt mit den Kräften, die er heute habe, "nicht mehr stemmen" könne. Nach seiner 2021 genommenen monatelangen Auszeit sei "dieselbe Leistungskraft von vorher nicht mehr da gewesen". Unmittelbarer Auslöser für den Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik sei damals die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Speyer gewesen, die ihn tief erschüttert hätten.

"Nicht am Bischofsamt kleben"

Zugleich habe er nun registriert, dass die Herausforderungen bei der Strukturreform der Pfarreien in der Diözese "deutlich das übersteigen werden, was wir bisher hatten". Hinzu komme, dass das Bistum 2027 in eine dreijährige Vorbereitung des 1.000-Jahr-Jubiläums der Grundsteinlegung des Speyerer Doms eintrete, die 2030 gefeiert wird. Der Speyerer Dom mit seiner herausragenden geistlichen und historisch-politischen Bedeutung habe es verdient, dass ein neuer Bischof "mit entsprechender Kraft und Leidenschaft" präsent sei. Wiesemann betonte zudem: "Man darf nicht an seinem Amt kleben."

Der 66-jährige Wiesemann hatte den Papst aus gesundheitlichen Gründen um seine Entpflichtung vom Amt des Bischofs gebeten, wie das Bistum Speyer am Mittwoch mitteilte. Leo XIV. nahm das Rücktrittsgesuch Wiesemanns, der seit 2008 als Bischof des Bistums Speyer amtierte, an. Wiesemann schrieb in einem Brief an die Katholiken in seinem Bistum: "Ich bin mit ganzem Herzen und großer innerer Freude mit Ihnen Christ und für Sie Bischof gewesen. Dennoch hat die Last der umfänglichen Verantwortung in mir körperlich, wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen." (KNA)