Kritik am Bildungsministerium

Polens Bischöfe kritisieren Änderungen beim Religionsunterricht

Zwei Schüler zeigen im Religionsunterricht auf
Bild: KNA/Harald Oppitz

Wegen der Reduzierung des Religionsunterrichts in Polen üben die Bischöfe des Landes Kritik am Bildungsministerium. Zugleich zeigen sie sich besorgt über die Entscheidung des Ministeriums, das Fach "Gesundheitsbildung" ab dem 1. September dieses Jahres verpflichtend zu machen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme der Polnischen Bischofskonferenz hervor. Das Bildungsministerium hatte zuvor den Religionsunterricht von zwei auf eine Stunde pro Woche reduziert und festgelegt, dass er in der ersten oder letzten Stunde des Schultags stattfinden soll. Zudem fließen die Religionsnoten nicht mehr in den Notendurchschnitt ein.

"Wir beobachten die Maßnahmen des Ministeriums für Nationale Bildung mit Sorge um die jungen Generationen", schreiben Mitglieder des Präsidiums der Polnischen Bischofskonferenz. "Die Vorgabe, den Religionsunterricht vor oder nach den übrigen Unterrichtsstunden anzusetzen, die Reduzierung des Unterrichtsumfangs auf eine Stunde pro Woche, die Möglichkeit, Klassen zusammenzulegen, sowie die Nichtberücksichtigung der Religionsnote bei der Berechnung des Notendurchschnitts führen zu einer Marginalisierung des Religionsunterrichts an polnischen Schulen", urteilen die Bischöfe. Zugleich appellieren sie daran, dem Religionsunterricht den "ihm gebührenden Stellenwert" zurückzugeben und einen ernsthaften Dialog mit Vertretern der Religionsgemeinschaften aufzunehmen.

Initiative sammelte Unterschriften

Darüber hinaus unterstützen die Bischöfe einen Bürgergesetzentwurf, der vorsieht, dass Schüler zwischen Religions- und Ethikunterricht wählen können. Eine halbe Million Unterschriften sammelte die Initiative. Unterdessen erkennen die Bischöfe grundsätzlich auch die Notwendigkeit des neuen Fachs, der Gesundheitsbildung an, kritisierte aber das dort vertretene Ehe- und Familienbild. Das Fach soll über Methoden der Empfängnisverhütung, Kinderwunschtechnologien und Risiken im Zusammenhang mit Sexualität aufklären. Dazu gehören Geschlechtskrankheiten, HIV und Aids – auch Formen sexueller Gewalt werden thematisiert. Trotz mehrfacher Kritik bekräftigten die Bischöfe das Recht der Eltern, weiterhin frei darüber zu entscheiden, ob ihr Kind am Unterricht teilnimmt.

Bei der Ausarbeitung der Lehrplanvorgaben habe es nach Darstellung der Bischöfe zudem an einem umfassenden Dialog mit den für Erziehung zuständigen gesellschaftlichen Gruppen gefehlt. "Die Forderungen und Anliegen der römisch-katholischen Kirche wurden nicht berücksichtigt", heißt es in der Stellungnahme. (mtr)