Wallfahrten zum Teil bis heute

Diese Eucharistischen Wunder aus Deutschland sammelte Carlo Acutis

Auf einem Kirchenfenster hält ein Engel die Eucharistie
Bild: IMAGO / GODONG

In Guatemala sorgt ein angebliches Hostienwunder für Aufsehen. Eine Hostie, vor dem Versuch der Entweihung gerettet, soll sich im Wasser nicht aufgelöst und dafür rote Flecken aufgewiesen haben, die eventuell Blut sein könnten. Das Bistum Santa Rose de Lima lässt den Fall nun untersuchen.

Eucharistische Wunder sollen sich in der Geschichte der Kirche immer wieder ereignet haben. Der 2025 heiliggesprochene Carlo Acutis hat sie in einer Online-Kartei zusammengefasst. Drei Beispiele aus Deutschland zeigen die Bandbreite der eucharistischen Frömmigkeit.

Kranenburg

Der Überlieferung zufolge ging ein Bauer im Jahr 1280 in die Ostermesse und erhielt dort wie alle anderen die Eucharistie. Doch er konnte oder wollte sie nicht hinunterschlucken, vielleicht wegen einer Krankheit. Also warf er sie in den Hohlraum eines Baumes. Bald bekam er ein schlechtes Gewissen und beichtete alles seinem Pfarrer. Der lief sofort zu dem Baum, konnte die Hostie aber nicht mehr ausmachen. 28 Jahre später wurde der Baum gefällt – und dabei trat ein hölzerner Christuskorpus hervor. Er soll aus der Hostie gewachsen sein. Schon bald kamen Pilger nach Kranenburg, um den besonderen Kreuzkorpus zu verehren. Eine neue Kirche wurde errichtet. Historisch ist eine Wallfahrt seit dem Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar. Das Wundertätige Heilige Kreuz ist bis heute in der Kranenburger St.-Peter-und-Paul-Kirche zu sehen. Zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September wird es in der Kreuzestracht durch die Straßen der Gemeinde am Niederrhein getragen.

Walldürn

Zum heute größten eucharistischen Wallfahrtsort Deutschlands soll Walldürn durch eine folgenreiche Unachtsamkeit geworden sein: 1330 stieß der damalige Pfarrer nach der Wandlung gegen den Kelch und warf ihn dabei aus Versehen um. Der vergossene konsekrierte Messwein zeichnete den gekreuzigten Christus sowie elf Christusköpfe auf das Korporale, also das Leinentuch, das auf dem Altar liegt. Die Darstellung der kleinen Köpfe sind sogenannte "Veronicae": Die Abbildungen ähneln denen auf dem Schweißtuch der Veronika. Der Priester – er soll Heinrich Otto geheißen haben – bekam es nach dem Unfall mit der Angst zu tun und versteckte das Tuch. Erst auf dem Sterbebett verriet er den Aufbewahrungsort. Danach begann die Wallfahrt. 1445 kam das Tuch nach Rom zu Papst Eugen IV. Er erkannte das Blutwunder an und gewährte einen Ablass. Bis heute findet die Wallfahrt acht Tage nach Fronleichnam statt, am "Großen Blutfeiertag". Die Wallfahrt hat schon ein nachlassendes Interesse nach der Reformation und ein offizielles Verbot Anfang des 19. Jahrhunderts überlebt. Das Korporale ist erhalten und wird im Blutaltar der Wallfahrtsbasilika St. Georg aufbewahrt. Das Bild ist heute verblichen und nicht mehr zu erkennen.

Wilsnack

Im 14. Jahrhundert hatte der Ritter Heinrich von Bülow ein Auge auf einige Dörfer im heutigen Brandenburg geworfen, darunter auch auf das Dorf Wilsnack. Der Zeitpunkt war günstig gewählt, denn die Wilsnacker waren auf dem Domweihfest in Havelberg. Ritter Heinrich brannte das Dorf nieder. In den Ruinen der Kirche wurden anschließend drei unversehrte Hostien gefunden, jede mit einem Blutstropfen. Verschiedene wundersame Ereignisse schildert die Überlieferung nun. Darunter etwa den Besuch des Bischofs bei den Bluthostien: Er legte in einer Messe eine vierte Hostie zu den dreien und die Blutflecken vergrößerten sich. Ein weiteres Hostienwunder. Wilsnack wird in der Folge zum europaweit gefragten Wallfahrtsort. Ein Ende fand die Wallfahrt durch die Reformation: Ab 1539 fanden in der Kirche sowohl katholische wie auch evangelische Gottesdienste statt. Der erste evangelische Pfarrer Wilsnacks, Joachim Ellefeld, lehnte die Verehrung der Hostien rundweg ab. Eigenmächtig und den offiziellen Regelungen entgegen brach er eines Nachts in die Sakristei ein und verbrannte die drei Hostien. Ohne sie erlosch die Wallfahrt bald. Die Blutwunderkirche gibt es in heutigen Bad Wilsnack aber immer noch.

Christoph Paul Hartmann