Nach der Billigung eines Gesetzes für assistierten Suizid in der italienischen Region Venetien hat die katholische Kirche mit "Bitterkeit" reagiert. Es werde ein Modell befördert, das "auf eine kaum noch beherrschbare schiefe Bahn führen" könne, erklärte der Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia. Auch die Italienische Bischofskonferenz verbreitete die Stellungnahme. Die Menschenwürde sei nun weniger geschützt, hieß es. Besorgt sei man vor allem mit Blick auf ältere, schwache und alleinstehende Menschen, die nicht auf menschliche Unterstützung in ihrem Umfeld zählen könnten.
"Situationen werden sich ausweiten"
Moraglia warnte davor, dass Beihilfe zum Suizid in immer mehr Situationen zugelassen werden könne. Es gebe kein objektives Kriterium dafür, wann Leiden unerträglich sei. Er hoffe, dass es für medizinisches Personal die Möglichkeit einer Verweigerung aus Gewissensgründen geben werde.
Das Regionalparlament von Venedig hatte am Dienstag mit einer Mehrheit von fast zwei Dritteln ein Gesetz verabschiedet, wonach unter bestimmten Bedingungen die Beihilfe zum Suizid erlaubt ist. Es war die vierte Region in Italien und die erste mit einer Mitte-Rechts-Regierung, ein solches Gesetz billigte. Zu den prominentesten Befürwortern zählt der langjährige Regionalpräsident Luca Zaia, der zum liberalen Flügel der rechten Lega gehört.
Vierte Region mit Liberalisierung
Zuvor hatten die von linken Koalitionen regierten Regionen Toskana, Sardinien und Emilia-Romagna die Sterbehilfe liberalisiert. Ob die Regionen dazu befugt sind, ist rechtlich umstritten. Das italienische Verfassungsgericht hatte 2019 einige Bestimmungen des nationalen Strafrechts zum assistierten Suizid für verfassungswidrig erklärt. Seither steht das Parlament in Rom vor der Aufgabe, die Frage des assistierten Suizids verfassungskonform zu regeln. Bislang gibt es kein derartiges Gesetz auf nationaler Ebene. (KNA)