Die Bürgermeisterin der spanischen Stadt Santiago de Compostela, Goretti Sanmartín, will gegen den Pilgerboom in ihrer Stadt als Ziel des Jakobswegs angehen. "Die Umstellung des Tourismus von einem quantitativen Modell, das hier viele Jahre verfolgt wurde, hin zu einem qualitativen Modell dauert eine gewisse Zeit", sagte sie in der WDR-Doku "Kritisch Reisen: Jakobsweg – Ich bin dann mal anstehen". "Wir befinden uns mitten in diesem Prozess."
Die Stadt habe lange zu wenig Rücksicht auf ihre Einwohner genommen, bemängelt Sanmartín. Diese beschwerten sich seit Jahren über immer mehr Müll, Lärm und steigende Mieten in der Stadt am Ende des Jakobswegs. Seit einem Jahr erlaubt Sanmartín daher keine neuen Ferienwohnungen mehr in der Altstadt von Santiago de Compostela. "Wer bislang ohne Erlaubnis an Touristen vermietet hat, muss jetzt mit Kontrollen rechnen", heißt es in der Dokumentation. Auch Lizenzen für neue Souvenirshops werden nicht mehr vergeben.
Dekan bemüht sich um würdevolle Kathedrale
Für Dekan Manuel Jesús Formoso sind die Zeiten von Ruhe und Besinnung in der Kathedrale von Santiago de Compostela ebenfalls vorbei. "Hier ist ständig Trubel und Lärm", sagte er jetzt gegenüber dem WDR. "Seit vielen Jahren bemühen wir uns darum, dass die Kathedrale trotz der vielen Besucher ein Gotteshaus bleibt und nicht zum Zirkus wird." Zu Beginn der Gottesdienste wird zur Ruhe gemahnt, Fotos und Videoaufnahmen sind laut Durchsagen untersagt. Damit alle einen Platz finden, gibt es teils vier Messen am Tag.
Für den Umgang außerhalb der Kirche appelliert der Dekan ebenfalls für ein friedliches Miteinander. "Wir können uns nur darum bemühen, dass es friedlich bleibt. Konkrete Maßnahmen sind Sachen der Behörden und nicht der Kirche", sagte Formosoekan. Vor Kurzem hatte auch der Erzbischof von Santiago de Compostela, Francisco José Prieto, vor der Kommerzialisierung des Jakobswegs gewarnt. (chd)