Diasporabistümer wie Hildesheim können nach Ansicht von Weihbischof Martin Marahrens (49) als Blaupause für Veränderungen der katholischen Kirche in Deutschland dienen. "Mit einem Augenzwinkern würde ich sagen, dass wir uns deswegen manchmal ein bisschen als Avantgarde verstehen", sagte der Übergangsleiter der niedersächsischen Diözese im Interview der Hildesheimer "Kirchenzeitung" (Sonntag). Im Norden und Osten sei die kirchliche Lage so wie andernorts erst in 10 bis 20 Jahren.
Bischof Heiner Wilmer habe große Fußspuren hinterlassen, in denen das Bistum "mutig weitergehen" wolle, kündigte Marahrens an. Ende Februar war er zum Weihbischof geweiht und Ende Juni zum Diözesanadministrator gewählt worden. Aufgrund der Polarisierungen in Gesellschaft und Kirche sei es für ihn eine große Herausforderung, "alles gut zusammenzuhalten". Die Zeit bis zur Einführung eines neuen Bischofs in etwa einem Jahr wolle er nutzen, um begonnene Strategie- und Immobilienprozesse fortzuführen. Das gelte auch für die Leitung von Pfarreien durch Laien mit einem moderierenden Priester.
Aufgabenprofil eines künftigen Bischofs
Zum Aufgabenprofil eines künftigen Bischofs gehören laut Aussage von Marahrens auf jeden Fall Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch. Bei der Suche geeigneter Kandidaten wolle das Domkapitel, das für die Wahl eines neuen Bischofs zuständig ist, auch Laien beteiligen. Am kommenden Dienstag feiern die acht Domkapitulare in acht Städten des Bistums Gottesdienste, um anschließend Menschen nach ihren Erwartungen zu fragen. "Wir möchten ein breites Meinungsbild einfangen: Wie stellen sich die Gläubigen diesen Bischof vor? Was scheint ihnen wichtig in unserer spezifischen Situation im Bistum Hildesheim?"
Insgesamt müsse die Kirche in Deutschland wieder stärker zu den einfachen Wurzeln des Christentums zurückkehren, betonte der Weihbischof. Als kreative Minderheit müsse sie eine starke Stimme sein für Menschlichkeit, Demokratie und eine liberale Gesellschaft. (KNA)