Nach Würdigung von verurteiltem Kriegsverbrecher

Mladić als Held verehrt: Organisation fordert Reaktion der Kirchen

Das Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Porfirije Perić und der kürzlich verstorbene Kriegsverbrecher Ratko Mladic
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Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) auf, klar auf die öffentliche Würdigung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić durch die serbisch-orthodoxe Kirche zu reagieren. "Eine Kirche darf für jeden Verstorbenen beten. Etwas völlig anderes ist es jedoch, einen wegen Völkermordes und schwerster Kriegsverbrechen rechtskräftig verurteilten Mann öffentlich als verdienten Verteidiger seines Volkes zu würdigen", erklärten der GfbV-Bundesvorsitzende Burkhard Gauly und Belma Zulčić, Direktorin der GfbV in Bosnien und Herzegowina in einem Offenen Brief von Freitag.

Für die Überlebenden des Völkermordes in Srebrenica, die Betroffenen der jahrelangen Belagerung Sarajevos und Tausende weitere Opfer des Krieges in Bosnien und Herzegowina sei eine solche kirchliche Ehrung besonders verletzend. "Wenn Kirchen militärische Führer oder kriegerisches Handeln in nationale Opfer- und Heldenerzählungen einordnen und dabei die Opferperspektive in den Hintergrund tritt, wird Religion zum Instrument politischer und nationalistischer Legitimation", warnte die Menschenrechtsorganisation.

Besorgniserregende Parallelen

Anlass ist die Beisetzung Mladićs am 7. September in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Porfirije (Foto oben), hatte die Trauerfeier persönlich geleitet und Mladić als Soldaten und Kommandeur gewürdigt, der sich für die Freiheit, Verteidigung und das Überleben seines Volkes eingesetzt habe. Zudem stellte das Kirchenoberhaupt die Urteile des UN-Kriegsverbrechertribunals gegen Mladić infrage. Mladić war wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen rechtskräftig verurteilt worden. Vor rund zwei Wochen starb er im Gefängniskrankenhaus in Den Haag.

Unterdessen sieht die Organisation "besorgniserregende Parallelen" zur Rolle der russisch-orthodoxen Kirche im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zwar würden sich die historischen und politischen Kontexte unterscheiden, doch in beiden Fällen zeige sich die Gefahr, dass kirchliche Autorität mit nationalistischen Narrativen verbunden und Völkermord, Krieg und Gewalt gerechtfertigt werden. Deshalb fordert die Organisation den ÖRK auf, gegenüber der serbisch-orthodoxen Kirche die gleichen Maßstäbe einzufordern, die auch mit der religiösen Rechtfertigung des russischen Krieges gegen die Ukraine formuliert wurden. International reagierte die Staatsanwaltschaft in Montenegro auf die Äußerungen eines weiteren Kirchenvertreters der serbisch-orthodoxen Kirche in Bezug auf Mladić – und nahm die Ermittlungen auf. (mtr)